UMTS-Milliardenpoker geht ab Montag in die heiße Phase

Sechs Unternehmen, sechs Lizenzen: Wenn sich die verbleibenden Bieter bei der Auktion der UMTS-Lizenzen einig wären, könnte die Versteigerung in Mainz ganz schnell zu Ende gehen.

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Von
  • Peter Lessmann
  • dpa

Nach dem Ausstieg der Telefongesellschaft Debitel geht der Milliardenpoker um die UMTS-Mobilfunklizenzen an morgigen Montag in die entscheidenden Runden. Sechs Unternehmen, sechs Lizenzen: Wenn sich die verbleibenden Bieter einig wären, könnte die Versteigerung in Mainz ganz schnell zu Ende gehen. Voraussetzung hierzu wäre allerdings, dass sich die Mobilfunkkonzerne mit einer kleinen UMTS-Lizenz von zwei Paketen zufrieden geben. Damit wären die zwölf zu vergebenden Frequenzblöcke maximal ausgeschöpft.

Ein solches Szenario halten Beobachter allerdings für wenig wahrscheinlich. Denn eine solche Variante würde bedeuten, dass die vier Mobilfunkbetreiber D1 (T-Mobil), D2 (Mannesmann/Vodafone), E- Plus (Hutchison, KPN) und VIAG Interkom (British Telecom/E.ON) gleich zwei Neulingen den Marktzutritt gewährten: der Mobilcom (France Telecom) und der Gruppe G3 (Sonera/Telefonica). Statt vier oder fünf Unternehmen würden gleich sechs Betreiber den künftigen UMTS-Markt in Deutschland beackern.

Da könnte es für die Betreiber des jetzigen Mobilfunkstandards GSM günstiger sein, in den nächsten Auktionsrunden noch einige Milliarden draufzulegen, um weitere Bieter zum Ausstieg zu bewegen. Doch die entscheidende Frage lautet, wann ist die Schmerzgrenze erreicht? Bis zum Ausstieg von Debitel waren für eine kleine UMTS-Lizenz die Gebote bereits auf zehn Milliarden Mark gewachsen. Für eine große Lizenz mit drei Paketen bot die finnisch/spanische Bietergemeinschaft G3 mehr als 15 Milliarden Mark. Die Marktführer Mannesmann/Vodafone (D2) und Telekom (D1) können sich auf dem deutschen Markt keine Schlappe leisten. Analysten gehen davon aus, dass die beiden bis zum bitteren Ende auf eine große UMTS-Lizenz setzen und fünf Bieter am Ende erfolgreich sind. In dem Fall müsste ein weiterer Bewerber die Segel streichen. Als Wackelkandidat Nummer Zwei gilt die Gruppe G3. Das Konsortium um die spanische Telefonica, das erst kurz vor Bewerbungsschluss um die Lizenzen entstand, steht in Deutschland ohne Netz und einen einzigen Kunden da.

Allerdings ist die Finanzkraft der Spanier hoch: Auf dem Heimatmarkt hatte Telefonica eine UMTS-Lizenz in einem so genannten Schönheitswettbewerb für wenig Geld erhalten. Auf den anderen Märkten, so die Kritik der Konkurrenz, kann das Unternehmen umso mehr klotzen. Dass die Telefongesellschaft Mobilcom mit ihrem Partner France Telecom vorzeitig aufgibt, glaubt indes keiner. "Unsere Schmerzgrenze liegt sehr hoch, wahrscheinlich höher als bei den Konkurrenten", zeigte sich Mobilcom-Chef Gerhard Schmid vor wenigen Tagen noch siegessicher.

So ist das Rennen in Mainz mit Beginn der dritten Auktionswoche weiterhin offen. Je länger aber die Versteigerung dauert und die Gebote steigen, um so schwerer wird es für die UMTS-Sieger, die gigantischen Summen wieder hereinzuholen. Denn den UMTS-Markt müssen sie erst noch entwickeln. Ab 2002 sollen die ersten Dienste bereit stehen und damit superschnelle Datenübertragung und Multimedia über Handy möglich werden.

Bei 63 Milliarden Mark standen die Höchstgebote am Freitag. Holger Grawe, Analyst von der Düsseldorfer WestLB Panmure, hält eine Summe zwischen 70 und 80 Milliarden Mark für vertretbar. Alles, was darüber hinaus geht, dürfte sich in Kursabschlägen bemerkbar machen. Ein zweischneidiges Ergebnis auch für Bundesfinanzminister Hans Eichel: So sehr er sich über den Geldsegen freuen kann, um so betrübter müsste er über weitere Kurverluste bei der Telekom sein – schließlich ist der Bund mit 58 Prozent noch Mehrheitsaktionär. (Peter Lessmann, dpa) / (jk)