Bitte Gas geben

Der Autoelektrobauer Tesla hat in der letzten Woche sein erstes familientaugliches Fahrzeug vorgestellt - mit einer Reichweite von bis zu 480 Kilometern. Nur leider dauert es noch bis 2011, bis es ausgeliefert wird und ist ein kleiner Preisschocker.

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Man kann Elon Musk nicht vorhalten, faul zu sein: Der Boss der Elektroautoschmiede Tesla betreibt parallel zu seinem Hauptjob auch noch eine Raketenfirma. Vielleicht liegt es ja an dieser Arbeitsbelastung, dass Tesla trotz aller BemĂĽhungen noch immer nur ein Spezialhersteller ist, dessen "Roadster" eine Art Autoscooter fĂĽr Reiche darstellt, die mit etwas Ă–ko kokettieren - mindestens 109.000 Dollar kostet der Elektrorenner.

Seit letzter Woche begibt sich Musk nun aber in ernstere Gefilde. Mit dem Model S soll nun endlich der Massenmarkt angegangen werden. Bis zu sieben Personen (inklusive zweier Kinder) passen in die Mischung aus Kombi und Coupe, Gepäck natürlich auch. Der Preis: Ab 49.000 Dollar, allerdings nur mit staatlichem US-Umweltbonus sowie ohne viele Extras. Dafür soll sich die Batterie in fünf Minuten tauschen lassen, um z.B. an Projekten wie Better Place teilnehmen zu können. Nett ist auch, dass der Wagen mit 6 Sekunden auf 100 noch immer ein hübsches Spielzeug ist.

So schön das lange erwartete Model S aber auch optisch ist, es bleibt zunächst nur ein Prototyp. Die Kiste wird nämlich frühestens 2011 gebaut werden. Und ob das wirklich passiert, ist weiterhin unklar. Musk benötigt dringend Kredite der US-Regierung in Höhe von 350 Millionen Dollar, die diese im Rahmen des Obamaschen Konjunkturpakets freigeben soll. Zuvor muss Tesla aber beweisen, dass man das Model S, den ersten massenproduzierten Elektrowagen seit vielen Jahren, wirklich profitabel bauen kann.

Derzeit leidet die Elektroautobranche ähnlich wie die Bereiche Solar und Wind an der Wirtschaftskrise. Investitionen werden zurückgezogen, aufgrund des gesunkenen Ölpreises geht das Interesse an sparsameren Systemen zurück. Wenn Tesla scheitert, wäre das ein äußerst erschreckendes Symbol. Genau deshalb dürfte das US-Energieministerium wohl auch die Millionen freigeben. Dann liegt es an Tesla, der Welt zu zeigen, dass es geht.

Und selbst wenn Musks Traum untergeht: Die beim Bau der beiden Fahrzeuge gewonnenen Erkenntnisse wĂĽrden auch jedem anderen Automobilbauer gut zu Gesicht stehen. Toyota oder General Motors (sollte der Konzern so lange durchhalten) wĂĽrde die Tesla-Technik sicher weiterhelfen. (wst)