Hand aufs Knie
Der Zulieferer Bosch hat zwei autonome Tesla S am Start. Unser Exemplar fährt zwar nicht die Böschung hinunter, verhält sich ansonsten aber so ziemlich wie ein Fahranfänger. Eine Probe(mit)fahrt im selbstfahrenden Versuchswagen auf der Autobahn zwischen Heilbronn und Ludwigsburg
- JĂĽrgen Wolff
Untergruppenbach, 13. Juli 2015 – Der Zulieferer Bosch hat zwei autonome Tesla Model S am Start. Unser Exemplar fährt zwar nicht die Böschung hinunter, verhält sich ansonsten aber so ziemlich wie ein Fahranfänger. Eine Probe(mit)fahrt im selbstfahrenden Versuchswagen auf der Autobahn zwischen Heilbronn und Ludwigsburg.
Der Tesla ist das zweite Fahrzeugmodell, mit dem Bosch das autonome Fahren außerhalb der Labors testet. Das erste war ein BMW, noch erkennbar an seinem auffälligen Kreisel auf dem Dach. Den Tesla gibt es – wie schon den BMW – in zweifacher Ausführung: Einen in Stuttgart, seinen Zwilling im kalifornischen Paolo Alto. Sie sind, so Bosch, die ersten Elektroautos, die autonom unterwegs sein können. Noch beschränkt sich sein Auslauf auf ein enges gebiet, denn für das autonome Fahren brauchen die Bosch-Ingenieure deutlich genaueres und aussagekräftigeres Kartenmaterial, als Kartendienste wie TomTom derzeit bieten. Entsprechend nachbereitet sind die Daten. Sie gelten aktuell nur für einen gut 30 Kilometer langen Teil der Autobahn A81.
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Geschichtete Karteninformationen
Von einem „vernetzten Horizont“ spricht Michael Strugala, als Technischer Direktor von Bosch für die Projekte Telematik und vernetzte Fahrzeuge zuständig. Ähnlich wie jetzt schon sind die Karten in Layer geschichtet. Sind es bisher zum Beispiel vor allem Sehenswürdigkeiten oder die Standorte stationärer Radarfallen, die als eigene Ebene über die ursprüngliche Karte gelegt werden, so kommen künftig Layer hinzu, die Infos über dynamische Baustellen enthalten, über Stau-Enden oder liegen gebliebene Pannenfahrzeuge. Strugala: „Wir reichern die Karten in Echtzeit mit Attributen an, die von den Umfeldsensoren unserer Fahrzeuge ermittelt werden.“ Diese Daten werden ständig von vernetzten Fahrzeugen in die Cloud übermittelt und liegen dort zum Abruf bereit.
Dass sich aus dieser Aufbereitung von Kartenmaterial ein eigenes Geschäftsmodell generieren läßt, ist auch Dirk Hoheisel klar, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH: „Wir sehen schon die Option, uns an der Wertschöpfungskette zu beteiligen.“ Karten selbst will Bosch aber nicht anbieten – und sieht denn auch keine Notwendigkeit, zusammen mit den großen deutschen Premiumherstellern aktuell um den Kartendienst von Nokia zu bieten.