Der kleine große Unterschied

BMW stellt ein neues Topmodell für die 2er-Reihe vor. Der M2 zieht seine Daseinsberechtigung weniger aus besseren Fahrleistungen als vielmehr aus einer charakterlichen Unterscheidung zu den schwächeren Modellen

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München, 14. Oktober 2015 – Mit berühmten, automobilen Vorfahren ist das so eine Sache: Sie werden von der Marketingabteilung hin und wieder ausgegraben und müssen in der Folge für Vergleiche herhalten, die nicht immer sinnvoll erscheinen. Beim neuen BMW M2 sind das dann der 2002 Turbo und der erste M3. Tatsächlich gibt es zu beiden Parallelen, wenn auch nicht unbedingt so, wie sich manche das vorgestellt haben mögen.

Der 2002 Turbo, am Vorabend der Ölkrise 1973 vorgestellt, war eines der ersten Großserienautos mit Turbo-Benziner – ein Vorreiter, wie wir heute wissen. Sein Anteil an den 02-Verkäufen blieb gering, doch seine Strahlkraft wirkt bis in die Gegenwart. Bei seinem Erscheinen gab es eine Bundestagsdebatte, ob solche Autos in die Zeit passen. Doch seine Fahrleistungen lagen weit über denen des bis dato stärksten Serien 02: Er im Standardsprint fast drei Sekunden schneller als ein gewiss nicht schwächlicher 2002 tii und schaffte trotz eines cW-Wertes, der dem der Eigernordwand nicht ganz unähnlich sein dürfte, eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 210 km/h. Im 130 PS kräftigen 2002 tii war bei 190 km/h Schluss. Zwischen beiden lagen also Welten. Das unterscheidet den Ahnen grundlegend vom M2: Der hat zwar eine andere Charakteristik als ein M235i, doch die Unterschiede in den reinen Fahrleistungen sind gering. Eine halbe Sekunde weniger im Standardsprint verdeutlichen einmal mehr, dass ein Plus von etwas über 40 PS in dieser Leistungsklasse nicht mehr die gleichen Fortschritte bringt wie zu Zeiten des 02.

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BMW stellt mit dem M2 Coupé das Topmodell der 2er-Reihe vor. Ein noch stärkerer Ableger ist unwahrscheinlich, denn der würde dem M3/M4 Konkurrenz machen.

Etwas näher an der Wahrheit ist die im Pressetext hervorgehobene Nähe zum ersten M3. Auch er unterschied sich in Charakteristik und noch mehr im Styling vom damaligen "Zivil"-Topmodell 325i. Der M3 war mit seinem Vierzylinder ein giftiger Sportler, der 325i mit dem Reihensechszylinder sanfter, gutmütiger und viel kultivierter – aber vor allem gefühlt kaum langsamer, als es die reinen Daten suggerieren. 6,9 Sekunden und 230 km/h im M3 stehen 8,3 Sekunden und 218 km/h im 325i gegenüber. Für diesen Vergleich wurden ein 325i Kat und ein M3 Kat mit 195 PS herangezogen.

Ähnlich dürfte es beim neuen M2 und dem bisherigen Topmodell M235i sein: Der Vorsprung bei den Fahrleistungen mag gering erscheinen, der Fahreindruck dürfte sich dennoch gravierend unterscheiden. Denn BMW hat zur Unterscheidung einen erheblichen Aufwand betrieben. Schon optisch sind M235i und M2 nicht zu verwechseln. An der Front wurden die Lufteinlässe vergrößert, das Ergebnis wirkt etwas faltiger als bei den schwächeren Modellen mit optionalem M-Paket.