Autoindustrie im Treibhaus
Alternative Antriebe hin oder her, bei Klimaschützern genießt die Autoindustrie nach wie vor kein besonders gutes Image. Doch ohne sie geht es nicht, soll der weltweite CO2-Ausstoß eingedämmt werden. Welche Rolle spielt die Branche beim Pariser Gipfel?
- Martina Herzog
- Jan-Henrik Petermann
- dpa
Brüssel/Berlin, 27. November 2015 – Die rauchenden Auspuffe kommen gleich nach den qualmenden Kraftwerksschloten: In der Wahrnehmung vieler Klima- und Umweltaktivisten folgt die Auto- direkt auf die Energiebranche, wenn es um die Suche nach Verantwortlichen für die globale Erderwärmung geht. Auch der um falsche CO2-Angaben ausgeweitete Volkswagen-Abgas-Skandal rückt das Thema in den Brennpunkt. Etliche Hersteller tun schon viel für den Klimaschutz – aus Sicht ihrer Kritiker müssen sie freilich noch nachlegen. Der wachsende Autoverkehr ist ein Stolperstein beim Kampf gegen den Treibhauseffekt, um den es beim Klimagipfel in Paris (30.11. bis 11.12.) gehen soll. Fragen und Antworten zum Thema.
Wie wichtig ist der Straßenverkehr im internationalen Klimaschutz?
In der EU entfällt auf ihn etwa ein Fünftel des CO2-Ausstoßes. Der Großteil – rund 15 Prozent – davon entsteht durch Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Damit steht der Verkehr an zweiter Stelle hinter der Energieerzeugung. „Wir können unsere Wirtschaft nicht CO2-frei machen ohne unsere leichten Fahrzeuge“, meint deshalb Greg Archer von der Umweltorganisation Transport and Environment. Gerade hier gebe es viel Verbesserungspotenzial; bei Lkw, Schiffen oder Flugzeugen falle das CO2-Sparen schwerer. Hinzu kommt, dass Luftverschmutzung aus dem Straßenverkehr sowohl ein Klima- als auch ein Gesundheitsrisiko ist.
Autoindustrie im Treibhaus (3 Bilder)

(Bild: Schwarzer)
Was tut die EU, um die Klimabilanz der Autobranche zu verbessern?
Es gibt CO2-Zielwerte, die die Autobauer in ihrer Neuwagen-Flotte einhalten müssen. Seit 2012 wurden diese schrittweise eingeführt. Für Pkw gilt ein Zielwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bis zum Jahr 2021. Das entspricht einem Verbrauch von 4,1 Litern Benzin pro 100 Kilometer oder 3,6 Litern Diesel auf die gleiche Distanz. Die genauen Ziele sind für jeden Hersteller unterschiedlich, denn nicht jeder baut die gleichen Autos. Bei Überschreitungen drohen Strafzahlungen.