Letzte Chance

Nach Fat Boy S und Softail Slim S erscheint mit dem S-Modell der Low Rider ein weiteres 1,8-Liter-Bike von Harley-Davidsons Submarke „Dark Custom” - folgerichtig in Schwarz. Interessanter als die Farbe ist freilich das Ergebnis des Haustunings [--] Grund genug für eine Probefahrt

vorlesen Druckansicht 14 Kommentare lesen
Zweirad
Lesezeit: 3 Min.
Von
Inhaltsverzeichnis

Groß-Gerau, 3. Mai 2016 – Nach der Fat Boy S und der Softail Slim S, die im Sommer 2015 präsentiert worden sind, erscheint mit dem S-Modell der Low Rider ein weiteres Bike von Harley-Davidsons Submarke „Dark Custom”. Das darf man wörtlich nehmen, weil das hausgetunte Dragbike ausschließlich in „Vivid Black” ausgeliefert wird. Interessanter als die Farbe ist freilich das Ergebnis des Haustunings – Grund genug für eine Probefahrt.

Ihr auf 110 cubic inch (1,8 Liter Hubraum) aufgebohrter „Screamin' Eagle Twin Cam”-V2 mutet dem markentypischen Zahnriemen bei 97 PS Leistung immense 156 Nm Drehmoment zu. Das exklusive Flacheisen mit nur 685 mm Sitzhöhe hat dank reichlicher Zusatzausstattung im Vergleich zur serienmäßigen Dyna Low Rider einen stolzen Preis: 19.785 Euro muss man sich den Spaß kosten lassen, 2016 eines der letzten fabrikneuen Euro 3-Motorräder legal in die Garage stellen zu können, ehe damit ab 2017 Schluss ist. Ein Luxus, der sich für Freunde dieser Art der Fortbewegung ohne Zweifel lohnt, wie unsere Fahrten zeigten.

Letzte Chance (5 Bilder)

Die Verkleidung der Harley erinnert an die Bikes der TV-Serie "Sons of Anarchy" und ist bis Tempo 120 hilfreich.

Noch vor dem Anfahren spürt man die Leistungssteigerung zunächst in der linken Hand, weil eine verstärkte Kupplung gut 20 PS Leistung und 30 Nm Drehmoment mehr aufs Sechsgang-Getriebe übertragen muss als in der bisherigen Serienversion ohne „S”. Immerhin ist häufiges Schalten dank der Elastizität nicht unbedingt nötig. Schon im Serientrimm legt sich der hubraumstärkste Motor, den Harley-Davidson momentan anbietet, lautstark ins Zeug. Die Auspuffanlage entlässt einen sonoren Sound ins Freie. Das sonst unter Harley-Besitzern schnell aufkommende Verlangen nach einer Zubehöranlage hält sich bei der Low Rider S deshalb in Grenzen. Auch wegen der Optik würde sich der frischgebackene Besitzer wohl ungern von der mattschwarzen 2-in-1-in-2-Auspuffanlage trennen, die sich harmonisch ins düstere Gesamtbild des Tuning-Bikes fügt. Im Kontrast dazu glänzen golden eloxierte Zehnspeichen-Leichtmetallräder im Titan-Look der 70er-Jahre.

Ein „Screamin' Eagle Heavy Breather”-Luftfilter im Schnorchel-Look filtert die Atmosphäre für die beiden riesigen, jeweils gut 900 Kubikzentimeter großen Zylinder. Der V2 kommt auf Knopfdruck stets etwas unwillig in Gang, doch dann poltert der Twin Cam 110 jedoch unaufhaltsam los. Der Fahrer hockt niedrig, nur 68,5 Zentimeter über dem Boden auf einem Einzelsitz. Vor sich hat er den flachen Drag-Bar-Lenker auf 5,5 Zoll oder rund 14 Zentimeter hohen Risern, was ebenso wie die nicht zu weit vorn platzierten Fußrasten zu einer sehr bequemen Sitzposition beiträgt.

Dark Custom hat leichtes Spiel, nennenswerte Verbesserungen beim Fahrwerk zu erreichen, denn die Basis ist allenfalls noch erträglich. Mit einer feinfühligen Cartridge-Telegabel vorn und sensibel agierenden Emulsion-Federbeinen hinten überzeugt uns die Low Rider S nun sogar auf kurvigen Straßen. Die bissige und dennoch gut dosierbare Bremsanlage hinterlässt auch bei heftigem Verzögern ein sicheres Gefühl. Hinter der zierlichen Halbschalenverkleidung ohne nennenswerte Schutzwirkung fühlt man sich zumindest beim typischen Cruiser-Tempo von bis zu 120 km/h noch wohl.