Aufsichtsrat und „Präsidium“ bei Volkswagen
Am heutigen Dienstagnachmittag kommen die Kontrolleure von Europas größtem Autobauer wieder zusammen. Um zu verstehen, wie dort entschieden wird, ist es mitunter recht hilfreich, wenn man versteht, wie Volkswagen tickt, denn der Konzern hat eine recht einzigartige Struktur
Am heutigen Dienstagnachmittag kommen die Kontrolleure von Europas größtem Autobauer wieder zusammen. Um zu verstehen, wie dort entschieden wird, ist es mitunter recht hilfreich, wenn man versteht, wie Volkswagen tickt, denn der Konzern hat verglichen mit allen anderen Autoherstellern eine einzigartige Struktur.
(Bild: Volkswagen)
Er ist Familienunternehmen mit Börsenorientierung, steht unter dem Einfluss der öffentlichen Hand und eines starken Betriebsrats. Diese Konstellation spiegelt sich im VW-Aufsichtsrat wider. Nach dem Abgang von Konzernpatriarch Ferdinand Piëch im Frühjahr 2015 leitete zunächst der stellvertretende Vorsitzende und frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber das 20-köpfige Gremium. Im Oktober wurde der bisherige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum neuen Chefaufseher bestimmt.
Stark vertreten bleibt der Familienstamm Porsche/Piëch. Allein durchregieren kann dieser aber nicht. Denn von den zehn Sitzen der Kapitalseite stehen zwei dem Land Niedersachsen zu, für das aktuell Ministerpräsident Stephan Weil sowie Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (beide SPD) im Aufsichtsrat sind. Dort bilden die Landesvertreter oft eine Allianz mit den zehn Arbeitnehmervertretern, bei denen VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh meist den Ton angibt.
Das sogenannte Präsidium ist ein Kernausschuss des Aufsichtsrats, das wichtige Entscheidungen vorbereitet und dadurch als besonders einflussreich gilt – auch wenn es Beschlüsse des gesamten Aufsichtsrats formal nicht ersetzen kann. Neben Pötsch und Osterloh sind dies der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, Weil sowie Osterlohs Stellvertreter Stephan Wolf. Der drittgrößte VW-Aktionär Katar soll Konzernkreisen zufolge auf einen eigenen Platz im Präsidium dringen.
Das seit dem 1. Januar 2016 geltende Bundesgesetz zur Frauenquote in Aufsichtsräten schreibt einen festen Anteil von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten vor. Bei VW müssen demnach mindestens sechs Frauen einen Sitz erhalten, derzeit sind es nur drei.
(mit Material der dpa) (fpi)