Außerhalb der Toleranz?
Das Bundesverkehrsministerium habe bei 30 Automodellen auffällig hohe CO2-Werte festgestellt und weitere Tests angeordnet, berichtet der Spiegel. Sollte sich das bewahrheiten, haben die betroffenen Autohersteller ein sehr großes Problem
(Bild: Maximilian Geiss / DUH)
Hamburg, 20. Mai 2016 – Bei den Untersuchungen im Rahmen der Abgasaffäre kommen laut einem Pressebericht weitere Verdachtsfälle ans Licht. Das Bundesverkehrsministerium habe bei seinen Messungen bei 30 Automodellen auffällig hohe Kohlendioxidemissionen festgestellt und daher weitere Tests angeordnet, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Freitag unter Berufung auf eigene Informationen. Alle Modelle, die eine Typgenehmigung in Deutschland erhalten haben, sollen nun noch stärker unter die Lupe genommen werden.
Bekannte Lücken
Der CO2-Ausstoss hängt direkt mit dem Verbrauch zusammen und ist zudem relevant für die Kfz-Steuer. Der Verbrauch wird derzeit noch im „Neuen europäischen Fahrzyklus“ (NEFZ) ermittelt, dessen Nachfolger der „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP) werden soll. Das Problem: Im Anforderungskatalog des NEFZ sind nicht alle Prüfbedingungen exakt beschrieben, Hersteller nutzen Lücken seit Jahren aus. Beispiele dafür sind hohe Luftdrücke in den Reifen für besonders geringe Rollwiderstände, extrem dünnes Öl oder auch die temporäre Abschaltung von Lichtmaschinen.
Außerhalb der Toleranz? (4 Bilder)

(Bild: DUH)
Sollten sich nun allerdings Maßnahmen feststellen lassen, die klar gegen die gesetzlichen Anforderungen im NEFZ verstoßen, hätten die Hersteller gleich mehrere Probleme: Zum einen müssten sie damit rechnen, wegen Steuerhinterziehung belangt zu werden, zum anderen gibt es Gerichtsentscheidungen, wonach Kunden das Auto bei mehr als zehn Prozent Abweichung zurückgeben können. Dabei geht es nicht um die Verbrauchsdifferenzen zwischen Labor und Straße: Gemessen wird unter den Laborbedingungen des NEFZ, denn nur so lässt sich eine Vergleichbarkeit schaffen.
Untersuchungen von Spiegel, Monitor und Deutscher Umwelthilfe hätten ergeben, dass der Zafira bei weiteren Messungen auf dem Prüfstand des TÜV Nord in Essen auch deutlich mehr Kohlendioxid ausgestoßen habe als angegeben, hieß es in dem Bericht weiter. Bei einer Untersuchung auf dem Prüfstand des TÜV Nord in Essen hat ein solches Modell statt der angegebenen 109 Gramm CO2 pro Kilometer mit 127 g/km abgeschnitten. Opel erklärte dem Magazin zufolge, eigene Tests hätten keine Abweichungen ergeben.