Norton Dominator SS

Die traditionsreiche Marke Norton wurde 2008 wiederbelebt und hat nun mit der Dominantor SS ein wunderschönes Sportmotorrad im Retro-Stil nach historischem Vorbild gebaut. Sehr exklusiv, sehr teuer und very british

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Zweirad
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Von
  • Ingo Gach
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Köln, 8. Juni 2016 – Erst kommt der Sound. Von jenseits des Hügels, noch außer Sichtweite, erschallt ein harter Bass, sonor und unverkennbar ein Zweizylinder. Dann taucht die silberne Schönheit in Schräglage aus der Kurve auf. Der Klang ändert sich, er ist jetzt metallischer und fordernder. Er klingt nach längst vergangenen Tagen, als die Fans noch hautnah die Rennstrecken säumten. Als das Motorrad am Zuschauer vorbeirauscht, vibriert der Beat wohlig im Bauch. Die Dominator SS ist das Meisterstück von Stuart Garner, dem Besitzer der altehrwürdigen Traditionsfirma Norton Motorcycles.

Ja, es gibt sie wieder. Seit 1902 baute Norton Motorräder, gewann unzählige Titel im Rennsport und wuchs zu einem der größten Motorradproduzenten heran. In den 1970er Jahren begann der Niedergang wegen Missmanagements und schließlich folgte die Pleite. Es gab einige Reanimierungs-Versuche und der vorübergehende Besitzer Kenny Dreer konstruierte 2005 ein neues Modell, die Commando 961, ausgerechnet in den USA, sehr zum Missfallen der britischen Fans. Doch 2008 gingen die Namensrechte an Stuart Garner über, der den Betrieb nahe der berühmten englischen Rennstrecke Donington Park ansiedelte.

Norton Dominator SS (15 Bilder)

Die Dominator SS ist eine Hommage an die glorreiche Rennsportvergangenheit von Norton. Eine gelungene Mischung aus Retro-Style und modernen Komponenten.

Dem cleveren Geschäftsmann war klar, dass Norton nur Erfolg durch Exklusivität erreichen konnte. Massenproduktion wie in Japan würden sie nie erreichen können, weshalb er auf die Tradition des großen Namens setzte. Es kam Norton natürlich sehr entgegen, dass der Trend der Retro-Motorräder gerade sehr angesagt war. Der noch von Kenny Dreer entwickelte Motor der Commando 961 erwies sich als gute Ausgangsbasis. Er war ähnlich der historischen Vorbilder aufgebaut: Ein luft-/ölgekühlter Reihenzweizylinder mit Kühlrippen, zwei Ventilen pro Zylinder und unten liegender Nockenwelle. Allerdings folgte Norton unter Garner nicht dem traditionellen Konzept des Gleichläufers, sondern wählte die heutzutage bevorzugte Variante mit 270 Grad Hubzapfenversatz, womit die Commando 961 also kein echter Paralleltwin wäre. Für die Laufkultur und Gasannahme erwies sich Entscheidung aber als vorteilhaft. Der 961 Kubikzentimeter große Langhuber leistet 80 PS bei 6500/min und 90 Nm schon bei 5200/min. Natürlich verfügt er über eine Einspritzung, um die Abgasnorm zu erfüllen. Der Motor sitzt in einem Chassis, das aussieht, wie aus den 1960er Jahren entsprungen, als die Café Racer die Szene dominierten.