Was wird da gespielt bei den Kraftrad-Zulassungszahlen?

In den Zulassungs-Charts tummeln sich erstaunlich viele BMW-Modelle. Zweifellos gute Motorräder, aber die Konkurrenz bietet schließlich auch hervorragende Ware an. Aber die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) lügen nicht. Oder?

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Zweirad
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Von
  • Ingo Gach
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Köln, 9. August 2016 – Zulassungszahlen sind wichtig. Nicht nur, dass es für die Hersteller bares Geld bedeutet, wenn sie viele Exemplare eines bestimmten Modells verkaufen, sie zeigen auch eindeutige Trends an. Was will der Käufer zurzeit haben? Die Frage ist für die Hersteller immens wichtig und zukunftsweisend. Die Kunden greifen seit etlichen Jahren in großen Mengen zu Reiseenduros, ignorieren aber die Sportler, was dazu führte, dass die Hersteller nun jede Menge Reiseenduro-Modelle anbieten und viele Sportmaschinen auslaufen lassen.

Ganz besondere Aufmerksamkeit widmen die Geschäftsführungen natürlich den Bestsellern der Konkurrenz und drängen ihre eigenen Entwicklungsabteilungen, auch so etwas zu bauen. Im Falle der BMW R 1200 GS versuchen fast alle anderen Marken schon seit langem, mit einem Konkurrenzmodell an deren Verkaufszahlen anzuknüpfen, bislang aber ohne Erfolg. Die Boxer-Enduro bleibt ein Phänomen, seit Jahren führt sie die Bestsellerliste in Deutschland unangefochten mit riesigem Vorsprung an. Doch auch auf den weiteren zwanzig Plätzen tummeln sich erstaunlich viele BMW-Modelle, was so manchen Fachmann in Erstaunen versetzt, denn sie sind zwar zweifellos gute Motorräder, aber die Konkurrenz bietet schließlich auch hervorragende Ware an. Aber die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) lügen nicht. Oder?

Was wird da gespielt bei den Kraftrad-Zulassungszahlen? (20 Bilder)

Die R 1200 GS bleibt der Bestseller in Deutschland. Doch BMW möchte den Verkauf zusätzlich ankurbeln, denn von den bis Juni verkauften 4908 Exemplaren der Boxer-Enduro wurden 1153 auf juristische Personen zugelassen. Sie stehen mehrheitlich als Tageszulassungen bei den Händlern.

Das Problem ist, dass die meisten Medien die Gesamtverkäufe eines Modells weitergeben. Sie unterteilen nicht in Zulassungen auf natürliche und juristische Personen. Unter einer natürlichen Person versteht der Rechtsgelehrte den ganz normalen Privatmann, der sich im Laden ein Motorrad kauft. Eine juristische Person ist hingegen eine Firma. Zulassung auf eine juristische Person bedeutet in fast allen Fällen, dass der Händler das Motorrad auf seine Firma zugelassen hat. Warum macht er das? Abgesehen von den wenigen Vorführmodellen, die er langfristig zulässt, um sie den Kunden für Probefahrten zur Verfügung zu stellen, geschieht das bei der überwältigenden Mehrheit mittels einer sogenannten Tageszulassung. Das Fahrzeug wird dabei nur für einen Tag angemeldet und direkt wieder abgemeldet wird, um das Exemplar günstiger anbieten zu können.

Die Motorräder sind nicht einen Kilometer gefahren und gelten dennoch als Gebrauchtmaschinen. So können großzügige Preisnachlässe gewährt werden. Der Händler macht so etwas eigentlich nicht gern, aber oft genug geht es für ihn ums nackte Überleben, denn die Hersteller oder Importeure diktieren den Markenniederlassungen die Anzahl an Modellen, die sie abnehmen müssen.