Vorstellung: Mercedes E-Klasse All-Terrain
Mit der neuen E-Klasse All-Terrain ist Mercedes kein Marktbegründer, kommt aber vermutlich trotzdem genau zur richtigen Zeit. Mercedes hat dabei nicht nur unlackierten Kunststoff eingebaut, sondern auch ein Luftfahrwerk und einen permanenten Allradantrieb
Stuttgart, 21. September 2016 – Mit dem ersten T-Modell hatten die Planer bei Mercedes Mitte der 1970er-Jahre einen guten Riecher. So sehr sich Zeiten und Geschmack seitdem auch verändert haben, eines eint die großen Mercedes-Kombis bis heute: Jede Generation ist auf ihre Art in Würde gealtert. Sie waren gewissermaßen immer einen Schritt hinter der Mode, was ihnen langfristig keinesfalls geschadet hat. Nun allerdings kommt mit der neuen Version All-Terrain ein Ableger, der exakt auf den Zeitgeist zugeschnitten ist. Mercedes ist dabei kein Marktbegründer, sondern folgt einer Mode, die in den vergangenen Jahren mächtig Zulauf bekommen hat.
Die Rede ist natürlich von jenen Modellen, denen mit reichlich unlackiertem Kunststoff und viel Getöse SUV-Eigenschaften angedichtet werden. Manch ein Hersteller verzichtet dabei nicht nur auf den Allradantrieb, sondern auch auf eine Höherlegung, was dann endgültig einigermaßen sinnbefreit wirkt. Soweit geht Mercedes dann nicht. Zwar verzichtet die Marke nicht auf den offenbar angesagten Plastik-Look, verändert aber das Fahrwerk und baut einen ernstzunehmenden, permanenten Allradantrieb mit Lamellenbremse ein.
Vorstellung: Mercedes E-Klasse All-Terrain (13 Bilder)

(Bild: alle Hersteller)
Variabel in der Höhe
Serienmäßig sind 19-Zoll-Alufelgen, die allerdings eine höhere Flanke haben als beim Zivil-Modell. Damit liegt die E-Klasse All-Terrain 14 mm höher. Das ebenfalls serienmäßige Luftfahrwerk hat eine Grundposition, die nochmals 15 mm mehr Bodenfreiheit bringt. Von dieser Grundposition aus lässt es sich 20 mm nach oben verstellen oder 15 mm absenken. Letzteres geschieht auf der Autobahn ab einem gewissen Tempo automatisch. Die Bodenfreiheit kann also zwischen 12,6 und 16,1 cm verstellt werden. In der normalen E-Klasse sind es 11,2 cm.
Damit macht die All-Terrain-Version zwar keinem richtigen Geländewagen Konkurrenz, doch das war auch nicht das Ziel. Mercedes hat als Kunden vermutlich vor allem Menschen im Sinn, die ab und zu einen Feldweg mit ausgefahrenen Spuren befahren wollen, ohne gleich zu einem SUV oder einem Geländewagen greifen zu müssen. Dafür sollte die Bodenfreiheit meistens reichen.
Start mit nur einem Motor
Zum Start im Frühjahr 2017 gibt es den All-Terrain nur den neuen Dieselmotor OM 654. Der Vierzylinder leistet 194 PS und wird in dieser Hülle im NEFZ mit 5,2 Litern angegeben. Je nach Reifenformat werden für das normale E-Klasse T-Modell mit dieser Maschine mit 4,2 bis 4,6 Litern – allerdings ohne Allradantrieb. Den gibt es aktuell für Ausführung ohne unlackierten Kunststoff noch nicht. Weitere Motoren dürften noch vor dem Sommer 2017 folgen, darunter der Dreiliter-Diesel und ein Sechszylinder-Benziner. Wie weit Mercedes das Motorenangebot ausfächern wird, hängt natürlich von der Kundenresonanz ab.
Auch andernorts wird die aufmerksam beobachtet. Sollte die E-Klasse mit Kunststoff-Behängung erfolgreich sein, wird BMW mit einem entsprechenden 5er sicher rasch nachziehen. Doch auch so hat die E-Klasse durchaus ernstzunehmende Konkurrenz. Volvo zeigt auf dem Pariser Autosalon den neuen V90 Cross Country. Audi hat erst im vergangenen Jahr den A6 überarbeitet. Er dürfte im kommenden Jahr in komplett neuer Form erscheinen, dann sicher auch wieder als A6 Allroad quattro. Dass all diesen Modellen mit diesen Anbauten etwas von ihrer ursprünglichen Eleganz genommen wird, hat ihrem Erfolg bislang nicht geschadet.
(mfz)