BMW Connected: Pläne zur Vernetzung
Die Vernetzung der Bordelektronik mit externen Geräten und Anwendungen nimmt einen immer größeren Stellenwert ein - sowohl bei den Verbrauchern wie auch bei den Herstellern. Welchen Weg will BMW mit Connected einschlagen?
(Bild: BMW)
- Daniel Schraeder
Paris, 7. Oktober 2016 – Die Vernetzung der Bordelektronik mit externen Geräten und Anwendungen nimmt einen immer größeren Stellenwert ein – sowohl bei den Verbrauchern wie auch bei den Herstellern. Für letztere ist es eine gute Möglichkeit zur Profilierung, denn die Unterschiede zwischen den Marken sind in dieser Hinsicht riesig. BMW war in der Vergangenheit mit mindestens zweimal Vorreiter in der digitalen Entwicklung. So waren sie die ersten, die ein Navigationssystem ab Werk anboten. Für das innovative Bediensystem iDrive hat die Marke anfangs reichlich Prügel einstecken müssen - inzwischen haben viele Konkurrenten den Ansatz kopiert.
Doch die Innovationen von gestern interessieren nur noch Nostalgiker. Das Tempo hat sich enorm beschleunigt, was die Hersteller vor eine Reihe von Problemen stellt. Allerdings gibt es auch zahlreiche Chancen für neue Einnahmen. Ein spannendes Umfeld also, über das wir mit Dieter May auf dem Pariser Autosalon sprachen. Er ist als Senior Vice President Digital Services and Business Models für Software-Lösungen und digitale Dienste sowie die dazugehörigen Geschäftsmodelle bei BMW verantwortlich.
heise: Die Auto-Industrie steht an einem Wendepunkt. Manche Auto-Hersteller verbauen zunehmend mehr Technik im Fahrzeug und versuchen, ihre Kunden mit eigenen Diensten versorgen; andere reduzieren die eigene Technik und setzen auf die bereits vorhandenen Endgeräte der Fahrzeug-Käufer – Stichwort Apple CarPlay und Android Auto. Wie verhält sich BMW?
May: Ist das so? Natürlich gibt es gerade im Bereich der günstigeren Fahrzeuge einen Trend zur Integration der Smartphone-Technik. Einem Käufer eines 10.000-Euro-Autos können Sie kein Infotainment-System für mehrere tausend Euro als Zusatz-Ausstattung verkaufen. Aber mit einem per USB an einem „Bildschirm“ angeschlossenen Smartphone werden Sie kein automatisiertes Fahren als nahtloses Kundenerlebnis ermöglichen können. Dafür ist mehr Technik, Integration und vor allem Sensorik im Fahrzeug nötig.
BMW Connected: Pläne zur Vernetzung (4 Bilder)

heise: Trotzdem ist doch die Integration des Smartphones ins Auto eine essentielle Funktion, oder?
May: Wir fahren bei BMW einen anderen Ansatz. Unserer Meinung nach sollte das Fahrzeug in die digitale Welt des Fahrers integriert werden und nicht umgekehrt. Das Auto ist ja nicht das einzige digitale Device des Kunden: So problemlos, wie beispielsweise iPhone, Apple Watch, iPad und MacBook miteinander kommunizieren und Daten wie selbstverständlich über die Cloud abgleichen, sollte auch das Auto ein zusätzliches digitales Device sein – vollkommen integriert, permanent abgeglichen und immer Up-to-Date. Natürlich gilt das auch für die anderen Ökosysteme wie Android oder Microsoft.
heise: Wie könnte das aussehen?
May: Das bieten wir schon jetzt mit BMW Connected an. Wenn wir über eine App auf dem Smartphone des Kunden beispielsweise Zugriff auf seinen Kalender haben, wissen wir, wann er wo sein muss. Wir können den Weg mit Echtzeit-Verkehrsdaten permanent abgleichen und den Fahrer beispielsweise über eine Erinnerung auf seiner Smartwatch oder seinem Smartphone darüber informieren, dass er besser ein paar Minuten früher losfahren sollte.
heise: So etwas können die Cloud-Dienste von Apple und Google auch.
May: Ja, aber wir gehen noch einen Schritt weiter. Wir wissen beispielsweise, wenn die Verkehrssituation problematisch wird – etwa bei winterlichem Wetter und vollen Straßen. Wenn wir den Kunden erst beim Start der Navigation darüber informieren, ist es doch ein bisschen spät, oder? Schon jetzt bekommt der BMW Connected Kunde bevor er im Fahrzeug sitzt eine Nachricht auf sein Smartphone, wann er losfahren muss, um rechtzeitig am Ziel zu sein.