Studie: Mercedes-Benz Concept X-Class
Weil das Segment der Midsize-Pickups kräftige Zuwächse verspricht, wird sich künftig Daimler mit Nissan eine Pritsche teilen. Mercedes stellte jetzt eine seriennahe Studie mit den maximalen Eckwerten V6-Diesel, 1,2 Tonnen Nutz- und 3,5 Tonnen Anhängelast vor
- Wolfgang Gomoll
Stockholm, 26. Oktober 2016 – Weil das Segment der Midsize-Pickups kräftige Zuwächse verspricht, wird sich künftig Daimler mit Nissan eine Pritsche teilen. Mercedes stellt jetzt eine seriennahe Studie vor.
Es ist schon ein paar Jährchen her, dass Mercedes einen Allrad-Pickup im Programm hatte. Die Pritschenversion des Mercedes 461, besser bekannt als G-Modell, verkaufte sich in homöopathischen Dosen, und das lag nicht allein am hohen Preis. Doch seit einiger Zeit verspricht das Segment der Midsize-Pickups kräftige Zuwächse, Mercedes schätzt, dass bis 2026 jährlich 2,2 Millionen solcher Fahrzeuge verkauft werden. Daher wird Mercedes einen Pritschenwagen am oberen Ende des Formats der üblichen Verdächtigen VW Amarok, Nissan Navara oder Mitsubishi L200 anbieten. Mit V6-Diesel, 1,2 Tonnen Nutz- und 3,5 Tonnen Anhängelast.
Studie: Mercedes-Benz Concept X-Class (20 Bilder)

(Bild: Daimler (alle außer Bild 5))
Das Fahrgestell und die Karosserie kommen größtenteils von Daimlers Kooperationspartner Renault/Nissan. Der Nissan Navara wird Basis für den Midsize-Pickup mit Stern, der ab Ende 2017 verkauft werden soll. Um den Komfort eines Pkws mit dem Nutzwert eines Pickups zu verbinden, bekommt der Pritschenwagen aber eine Fünflenker-Hinterachse mit Schraubenfedern. „Die stammt von Mercedes”, weiß der strategische Projektleiter Klaus-Jürgen Benzinger.
Individualisierung wird großgeschrieben
Außerdem soll die X-Klasse zunächst nur als Doppelkabiner angeboten werden. Individualisierung wird bei den künftigen Lifestyle-Lastern großgeschrieben: Vom harten Hund mit groben Stollenreifen bis hin zum schicken Flaniermeilen-Gleiter mit glänzenden Alufelgen ist alles möglich. Damit sich auch die Premium-Zielgruppe wohlfühlt, wird der Pickup das Interieur und viele der Assistenzsysteme der C- und V-Klasse bekommen. Leder? Selbstverständlich.
Bei der Antriebstechnik achten die Ingenieure penibel auf Unterscheidungsmerkmale, können sich aber dem Synergiezwang nicht ganz entziehen. Deswegen hat der Käufer einige Optionen: die Topversion hat einen Sechszylinder-Diesel mit permanenten Allradantrieb (dann natürlich mit sperrbarem Zentraldifferential). Für die Hinterachse kann eine zweites Sperre geordert werden, eine Geländereduktion ist Serie. „Das ist alles Mercedes”, versichert Benzinger. Allerdings kommt nicht der neue Reihensechszylinder zum Einsatz, sondern der bewährte V6-Selbstzünder, der schon lange in der G-Klasse Dienst tut.
Bei den Vierzylindern und ihren Kombinationsmöglichkeiten ist Nissan Systemlieferant. Die preisgünstigeren Varianten sollen mit zuschaltbarem Allradantrieb oder sogar nur mit Heckantrieb fahren. Ein Ottomotor steht momentan nicht im Programm, deswegen erscheint es nur logisch, dass es den Pickup vorerst nicht in den USA geben wird. Die Zielmärkte sind Europa, Russland, Lateinamerika, Australien und Südafrika. Eine teilweise Elektrifizierung mit einem Plug-in-Hybridmodell will Daimler nicht ausschließen. „Wir beobachten den Markt” heißt es. (fpi)