US-Gericht winkt VW-Milliarden-Vergleich durch
Der Weg ist frei fĂŒr den gröĂten Vergleich der Automobilgeschichte: US-Richter Charles Breyer hat seine finale Zustimmung zum Milliarden-Vergleich zwischen Volkswagen und US-KlĂ€gern im Abgas-Skandal gegeben. Doch der Konzern hat weitere rechtliche Baustellen
Volkswagen kann den dicksten Brocken seiner âDieselgateâ-Rechtslasten in den USA aus dem Weg rĂ€umen. Der fĂŒr Hunderte Zivilklagen zustĂ€ndige Richter Charles Breyer gab am Dienstag seine endgĂŒltige Zustimmung zu einem Vergleich, der den Konzern bis zu 16,5 Milliarden Dollar (15,2 Mrd Euro) kosten könnte.
Der Kompromiss sei âfair, angemessen und adĂ€quatâ, teilte Breyers Gericht mit. Der Richter hatte schon bei einer Anhörung vor einer Woche signalisiert, dass er grĂŒnes Licht geben wĂŒrde. Mit Breyers Segen kann der Konzern zwar die gröĂte rechtliche Baustelle in den USA schlieĂen, doch die juristischen Konsequenzen der DieselaffĂ€re sind damit noch lange nicht ausgestanden.
(Bild:Â Mitschnitt C-SPAN)
Volkswagen-Chef Matthias MĂŒller begrĂŒĂte die Entscheidung. âDas ist fĂŒr uns ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Aufarbeitung des Problems, das wir vor geraumer Zeit verursacht habenâ, sagte er am Dienstagabend bei der offiziellen Eröffnung des Digital:Labs von Volkswagen in Berlin. âIch bin all jenen dankbar, die dazu beigetragen haben, dass wir diesen Zwischenschritt erreicht haben. Das gibt uns Zuversicht fĂŒr die nĂ€chsten Wochen. Wir haben ja noch einige Probleme aufzuarbeiten.â
Volkswagen hatte im Juni mit US-Behörden und zahlreichen Dieselbesitzern eine EntschĂ€digungslösung ĂŒber bis zu 14,7 Milliarden Dollar ausgehandelt, spĂ€ter erhöhte sich die Summe durch Einigungen mit US-StaatsanwĂ€lten und klagenden AutohĂ€ndlern. Breyer hatte den Vergleich im Juli zunĂ€chst auf vorlĂ€ufiger Basis genehmigt. Bei den US-Kunden war der Kompromiss auf breite Zustimmung getroffen. Die ĂŒberwiegende Mehrheit hat sich bereits registriert, um das Angebot anzunehmen.
âDie finale Zustimmung ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zur Wiedergutmachung in den USAâ, teilte die US-Tochter Volkswagen Group of America mit. US-Chef Hinrich Woebcken versprach den betroffenen Kunden, alles fĂŒr einen reibungslosen Ablauf des EntschĂ€digungsprogramms zu tun.
Volkswagen bietet den US-Dieselbesitzern je nach Modelltyp und Baujahr zwischen 5100 und 10.000 Dollar pro Fahrzeug als Wiedergutmachung. Zudem muss der Konzern RĂŒckkauf oder UmrĂŒstung der Wagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. In Deutschland und anderen LĂ€ndern strĂ€ubt man sich bislang gegen vergleichbare Angebote. Weltweit sind etwa elf Millionen Dieselwagen vom Skandal betroffen.
Der Kompromiss gilt fĂŒr rund 475.000 VWs mit 2,0-Liter-Diesel, die mit einer Software zum Austricksen von Abgastests ausgerĂŒstet sind. Volkswagen hatte den Betrug im September 2015 nach VorwĂŒrfen des US-Umweltamts EPA eingerĂ€umt. Bei zusĂ€tzlichen etwa 85.000 Fahrzeugen mit gröĂeren 3,0-Liter-Motoren ringt der Konzern allerdings weiter um eine Lösung mit den US-Behörden. In dieser Angelegenheit will Richter Breyer bis zum 3. November detaillierte VorschlĂ€ge sehen.
Die Volkswagen-Marke Audi, von der die 3,0-Liter-Motoren stammen, musste am Montag ĂŒberarbeitete RĂŒckrufplĂ€ne in den USA einreichen. Einem Audi-Sprecher zufolge gingen die Unterlagen fristgemÀà ein. Wegen des laufenden Verfahrens hĂ€tten die Parteien jedoch zunĂ€chst Stillschweigen zum Inhalt vereinbart. Sollte es nicht gelingen, die Wagen technisch umzurĂŒsten, können der Firma auch bei den gröĂeren Fahrzeugen teure RĂŒckkĂ€ufe auferlegt werden. Zudem drohen Volkswagen weitere Konsequenzen wegen VerstöĂen gegen Umweltgesetze und strafrechtlicher Vergehen.
(dpa)
(fpi)