Vorstellung: Triumph Street Scrambler
Triumph hat eine Nachfolgerin ihrer Scrambler präsentiert, die 2006 einen Trend losgetreten hat. Heute tummeln sich einige Scrambler auf dem Markt, doch keine wirkt so authentisch alt wie die Triumph. Trotz Wasserkühlung hat die neue Scrambler nichts von ihrem schicken Äußeren eingebüßt
- Ingo Gach
Es war klar, dass die neue Street Twin auch als Scrambler kommen würde. Ihre Vorgängerin hatte 2006 einen Trend losgetreten, danach tauchte der Begriff „Scrambler“ im Modellprogramm von Motorradmarken auf, bei denen die Marketing-Manager vorher erst einmal googeln mussten, was ein Scrambler überhaupt ist. Der „Kletterer“ bezeichnet eine Motorradkategorie aus den 1950er und 1960er Jahren, bei der Straßenmotorräder mit Hilfe von grobstolligeren Reifen, breiten Lenkern und verlängerten Federwegen für gelegentliche Ausflüge ins Gelände fit gemacht wurden. Die Scrambler wurden in den 1970er Jahren von den wesentlich geländetauglicheren Enduros abgelöst und gerieten in Vergessenheit. Doch im Zuge des seit einigen Jahren angesagten Retro-Stils kamen auch die Scrambler wieder in Mode.
Neue Alte
Überraschend ist nur die verblüffende Ähnlichkeit der wassergekühlten Triumph Scrambler zur luftgekühlten Vorgängerin. Kaum zu glauben, dass es sich um ein komplett neues Motorrad handelt. Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Unterschiede zu erkennen – mutige Design-Innovationen wollten die Triumph-Entwickler offenbar nicht wagen, sondern setzten auf bewährtes Styling. Die konservativen Kunden werden es zu schätzen wissen, dass Triumph versucht hat, die Wasserkühlung so gut wie möglich zu kaschieren und die Kühlrippen der beiden Zylinder poliert hat.
Vorstellung: Triumph Street Scrambler (15 Bilder)

Nur echt mit hochgelegtem Auspuff
Bleiben musste natürlich der hochgelegte Doppelrohrauspuff als Eyecatcher. Er ist sozusagen das Erkennungszeichen für die Scrambler, um sie nicht mit der jüngst vorgestellten Bonneville T100 zu verwechseln. Interessanterweise hat es vorher in der langen Historie von Triumph – die Marke baut seit 1902 Motorräder – nie ein Modell namens Scrambler gegeben. Die einzige Triumph, die früher serienmäßig einen Auspuff mit zwei übereinander angeordneten Rohren trug, war die TR6C Trophy und wurde als „Desert Sled“, also „Wüstenschlitten“ bezeichnet. Tatsächlich fuhr sie vor allem in den USA recht erfolgreich Wettbewerbe und kein geringerer als Steve McQueen nahm mit ihr an diversen Endurorennen teil, unter anderem auch mit dem US-Team an den Six-Days 1964. Heute wirbt Triumph gerne mit der Hollywood-Legende McQueen, der ein echter Motorradenthusiast war und seine Stunts in Filmen gerne selber fuhr – sehr zum Unbehagen der Filmproduzenten.
55 PS? 80 Nm!
Die neue Street Scrambler, also „Straßenkletter“, getaufte Triumph verfügt über den selben wassergekühlten 900-cm3-Reihenzweizylinder wie die Street Twin. Er hat einen Hubzapfenversatz von 270 Grad, ist also kein Parallel-Twin. Die Zündfolge lässt einen sanfteren Motorlauf zu und hört sich eher nach kernigem V2 an. Der Motor produziert 55 PS, was bereits bei der Präsentation ihres Schwestermodells Street Twin zu Irritationen geführt hatte, weil die Vorgängerin 67 PS leistete.