Rückblick auf das Motorradjahr 2016
Spannend ist die Frage, welches das meistverkaufte Motorrad in Deutschland sein wird, schon lange nicht mehr. Die BMW R 1200 GS belegt seit einer gefühlten Ewigkeit jedes Jahr aufs Neue Platz eins. Doch was kommt nach dem Dauerbrenner? 2016 gab es einen Sondereffekt durch die Euro3-Bikes
- Ingo Gach
Spannend ist die Frage, welches das meistverkaufte Motorrad in Deutschland sein wird, schon lange nicht mehr. Die BMW R 1200 GS belegt seit einer gefühlten Ewigkeit jedes Jahr aufs Neue Platz eins und das mit gewaltigem Abstand. Auch 2016 verkauft sich die Reiseenduro aus Bayern gut doppelt so häufig wie das zweitplatzierte Motorrad. Zwar liegen die Zahlen für den Dezember noch nicht vor, doch normalerweise werden im letzten Monat des Jahres nur sehr wenige Krafträder verkauft.
Euro4-Norm steigert die Verkäufe zum Jahresende
Allerdings sieht es dieses Jahr wegen der ab 1. Januar 2017 geltenden Euro4-Norm etwas anders aus, im November wurden 3259 Motorräder über 125 cm3 neu zugelassen, was eine Steigerung von 62 Prozent (also 1248 Motorräder mehr) im Vergleich zum November des Vorjahres entspricht. Das hat zwei Gründe: Zum einen gab es einige Sonderaktionen seitens der Hersteller, um die auslaufenden Euro3-Modelle noch vor Jahresfrist loszuwerden. Zum anderen stellten sich viele Händler die verbliebenen Euro3-Modelle als Tageszulassung in den Laden. Einige Motorradfans pokerten bis zum letzten Moment, ob sich noch ein Schnäppchen ergattern ließe. Wirklich weit unter Listenpreis war aber kein Auslaufmodell zu haben, denn aufgrund der ohnehin schon geringen Gewinnmargen sind die Händler in den meisten Fällen gar nicht in der Lage, mehr als zehn Prozent Rabatt zu gewähren.
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Außerdem fallen viele Modelle unter eine Sonderregelung, nach der die Hersteller berechtigt sind, ihre letzten Euro3-Motorräder auch 2017 und sogar noch 2018 zu verkaufen, höchstens aber zehn Prozent der in 2015 und 2016 abgesetzten Menge. Kleinserienhersteller dürfen die Zahl auf hundert Stück aufrunden, um ihr Überleben zu sichern. Wie man sieht, hat die EU viele Hintertürchen für die Motorradhersteller offen gelassen, um Altbestände abverkaufen zu können.
Wieder ein neues Rekordjahr
Mit dem Jahr 2016 darf die Motorradindustrie vollauf zufrieden sein, wurden doch in Deutschland zum siebten Mal in Folge mehr Motorräder als im Vorjahr verkauft. Bereits Ende November lag die Zahl der neu zugelassenen Motorräder über 125 cm3 bei 107.992 Stück – und damit um 5754 höher als im gesamten Jahr 2015.
Es läuft gut, die Deutschen haben wieder Lust aufs Motorradfahren und dank florierender Wirtschaft auch genügend Geld in der Tasche. Hinzu kommt das immer größer werdende Modellangebot bei den günstigen Bikes. Unter den ersten zwanzig finden sich dreizehn Modelle, die teilweise deutlich unter 10.000 Euro kosten. Als Günstigste von ihnen war die KTM 390 Duke (Platz 15) schon für 4995 Euro zu haben, das zweitmeistverkaufte Motorrad, die Yamaha MT-07, gab es für 6695 Euro, die drittplazierte Kawasaki ER-6n kostete nur 6395 Euro – alles sehr gute und zuverlässige Naked Bikes, die eine Menge Spaß vermitteln.