Zu Besuch im Daimler Archiv
130 Jahre Daimler – da gibt es unzählige spannender Geschichten und Anekdoten. Wer in sie eintauchen will, schaut im Archiv in Fellbach, dem wohl größten Wirtschaftsarchiv Europas vorbei und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus
- Stefan Grundhoff
- pressinform
Die gigantische Champagnerflasche gehört zu den eher nachdenklich machenden Stücken im nahezu unergründlichen Daimler-Fundus. In ihr befanden sich einst neun Liter Pommery Brut Royal. Geköpft wurde die Flasche bei der wohl folgenreichsten Hochzeit in 130 Jahren Daimler – alle Beteiligten unterschrieben um 16.32 Uhr auf dem grünen Flaschenkörper. Bei der Ehelichung am 12. November 1998 fusionierten der deutsche Hersteller Daimler-Benz und Chrysler. Die euphorisch als „Hochzeit im Himmel“ bezeichnete Fusion endete nach knapp zehn Jahren mit einem unrühmlichen Absturz aus entsprechender Fallhöhe.
Die meisten Schriftstücke, Fotos, Filme und Artefakte erinnern an erfolgreichere Ereignisse der Daimler-Historie. Da stehen in Vitrinen die seltenen Schreibmaschinen der Daimler Motoren Gesellschaft DMG aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, ein Buch der legendären Benzreise von Gottlieb Daimler, die 1894 im Modell Viktoria über insgesamt 2000 Kilometer durch deutsche Lande führte.
Zu Besuch im Daimler Archiv (19 Bilder)

Die Motorwagen-Patenturkunde ist Weltkulturerbe
Einzigartig eine Kladde mit ersten Entwürfen für das Daimler-Warenzeichen von 1883 mit zahllosen schriftlichen Anmerkungen oder ein handschriftliches Kochbuch der Familie Daimler; entstanden zur Weihnachtszeit 1925. Mit bunter Reiterstruktur sind Klöße, Suppen, Saucen, Gemüse, Fleisch und Bratenspeisen fein säuberlich geordnet. Auf die Aufnahmeurkunde des Benz-Patents von 1886 in das Weltkulturerbe vom 15. Juli 2011 sind die Daimler-Verantwortlichen besonders stolz. Sie belegt, dass die Patentschrift zu einem der wertvollsten 300 Schriftstücke der Welt gehört.
Wer in das Archiv eintaucht, das in einem unscheinbaren Bürobau mitten in Fellbach untergebracht ist, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Seit dem Umzug Ende 2015 befinden sich hier insgesamt 15 Regalkilometer an historischen Dokumenten, spektakulären Artefakten, seltenen Fotos und Filmen, die die Sammlung zum wohl größten Wirtschaftsarchiv Europas werden lassen. So gibt es unter anderem alte Farbtafeln ehemaliger Fahrzeuge, Datenkarten von mehr als zehn Millionen verkauften Fahrzeugen. Hier lässt sich nachlesen, wer welches Modell mit welcher Ausstattung bestellte und wie teuer es letztlich wurde.