FrauenmotorrÀder kommen langsam aber gewaltig

Die Motorradhersteller entwickeln seit Ewigkeiten ihre Modelle fĂŒr MĂ€nner. Die BedĂŒrfnisse der Frauen werden, wenn ĂŒberhaupt, dann eher zufĂ€llig mitbefriedigt. Obwohl die Industrie kĂŒnftig eine sinkende Nachfrage befĂŒrchtet, lĂ€sst sie auf diese Art bis zu fĂŒnfzig Prozent aller möglicher Kunden außen vor

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Zweirad
Lesezeit: 10 Min.
Von
  • Ingo Gach
Inhaltsverzeichnis

Die Motorradhersteller entwickeln seit Ewigkeiten ihre Modelle fĂŒr MĂ€nner. Die BedĂŒrfnisse der Frauen werden, wenn ĂŒberhaupt, dann eher zufĂ€llig mitbefriedigt. Obwohl die Industrie kĂŒnftig eine sinkende Nachfrage befĂŒrchtet, lĂ€sst sie auf diese Art bis zu fĂŒnfzig Prozent aller möglicher Kunden außen vor. Wenn sie endlich von dem Macho-Gehabe abließen, könnten die Motorradmarken in eine rosige Zukunft steuern.

Stellen Sie sich vor, die Hersteller eines bestimmten Produkts wĂŒrden die HĂ€lfte ihrer potenziellen Kunden ohne Not ausschließen. So dumm ist niemand? Dann haben Sie noch nie erlebt, wie eine Frau einen Motorradladen betritt, mit dem Wunsch, sich ein Motorrad zu kaufen. Es ist die letzte Macho-Bastion auf unserem Planeten.

FrauenmotorrÀder kommen langsam aber gewaltig (14 Bilder)

Frauen werden auf MotorrĂ€dern nicht nur von vielen mĂ€nnlichen Motorradfahrern, sondern auch von den Motorradherstellern nicht genĂŒgend beachtet. Dabei könnten Frauen den Motorradmarkt komplett aufrollen.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich eine unfassbare Szene miterlebt: Der KradverkĂ€ufer warf erst einmal einen skeptischen Blick auf das weibliche Wesen vor ihm und der unausgesprochene Vorwurf stand im Raum: „Was willst du MĂ€dchen auf einem Motorrad?“ Er fragte gar nicht erst, welches Modell sie bevorzugen wĂŒrde, sondern geleitet sie in die hinterste Ecke, wo verschĂ€mt ein kleiner Chopper einstaubte. Wie sehr sie Chopper hasste bekam der VerkĂ€ufer direkt von ihr um die Ohren gehauen. Als die Kundin erklĂ€rte, dass sie schon seit vielen Jahren auf Superbikes unterwegs sei, geriet seine Weltanschauung ins Wanken.

Wer bei „Frauenmotorrad“ nur an pink lackierte Roller denkt, hat gar nichts verstanden. Doch das Vorurteil, Frauen und MotorrĂ€der passen nicht zusammen, beschrĂ€nkt sich nicht auf vereinzelte VerkĂ€ufer. Auch die Hersteller bemĂŒhen sich nicht ernsthaft, das schönere Geschlecht fĂŒr ihre Produkte zu gewinnen. Der Begriff „Frauenmotorrad“ wird bis heute gleichgesetzt mit einem vernichtenden Urteil. Völlig zu Unrecht – es gibt einige Bikes denen dieser Ruf anhĂ€ngt, aber sie erweisen sich bei nĂ€herer Betrachtung durch die Bank als sehr zuverlĂ€ssige und benutzerfreundliche MotorrĂ€der.

Es gab zwar bereits Überlegungen zum Thema „Motorrad fĂŒr Frauen“, aber die Umsetzung geriet daneben. BMW versuchte 2001 mit der F 650 Scarver ein Motorrad zu entwickeln, das bei der weiblichen Kundschaft punkten sollte. Der Fehler war, dass das Entwicklungsteam ausschließlich aus MĂ€nnern bestand. Da die einzylindrige Reiseenduro F 650 GS bei Frauen recht beliebt war, entwickelte BMW aus ihr die Scarver. Mit viel Plastik, Riemenantrieb und ein großes Staufach anstelle des Tanks. Die Überlegung war wohl, dass Frauen ja immer viel Krempel mitschleppen und sie ihn irgendwo unterbringen mĂŒssten. Der aufgepfropfte Doppelscheinwerfer sollte vermutlich stylisch wirken und die extra niedrige Sitzbank einen sicheren Stand gewĂ€hrleisten. Zumindest letzterer Ansatz ging zwar in die richtige Richtung, aber das Motorrad war hĂ€sslich. Hier wollte eine von MĂ€nnern dominierte Welt Frauen vorschreiben, was sie als Motorrad gut zu finden hĂ€tten. Die F 650 Scarver wurde ein peinlicher Flop und verschwand rasch wieder in der Versenkung.