DUH: Dreckige Euro-6-Diesel aussperren

Die Umweltlobbyisten der DUH fordern Fahrverbote für alle Diesel, die die Euro-6-Norm auf der Straße nicht einhalten. Das man mit dieser Forderung derart viel Rummel erzeugen kann, sagt viel über den aktuellen Umgang mit dem Abgas-Skandal aus

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(Bild: DUH)

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Eines werden ihr auch ihre größter Kritiker zugestehen: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verfolgt ihre Agenda mit einer nachdrücklichen Hartnäckigkeit, die selten ist. Am Donnerstag (30. März 2017) forderten die Umweltlobbyisten der DUH wieder einmal eine verschärfte Gangart gegen Dieselmotoren. Im Fokus: Dieselmotoren, die mit Euro 6 homologiert sind, die in der Norm festgeschriebenen Grenzwerte aber nur auf dem Prüfstand einhalten. Keine Frage, die DUH hat unter anderem mit Abmahnungen von Autohändlern in den vergangenen Jahren nicht nur Sympathien eingesammelt. Doch dass es eine solche Organisation ist, die darauf drängt, dass geltende Gesetze eingehalten werden, verrät über den politischen Umgang mit dem Abgas-Skandal einiges.

Die absehbaren Fahrverbote für viele Diesel in Stuttgart ab 2018 gehen aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht weit genug. Auch „neueste, nur scheinbar saubere Diesel-Autos müssen ausgesperrt werden“, forderte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Donnerstag (30. März 2017). Bei Abgasmessungen im Winter hätten viele Diesel, die laut Papieren die aktuelle Abgasnorm Euro 6 einhalten, im realen Betrieb auf der Straße mehr giftige Stickoxide ausgestoßen als vergleichbare Autos mit Euro 4.

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Die DUH tritt öfter mal mit drastischen Forderungen in Erscheinung.
(Bild: DUH)

Da die Schadstoffwerte für Stickoxide und Feinstaub hoch bleiben, müssen Land und Stadt ab 2018 an Tagen mit hoher Belastung den Verkehr an Deutschlands schmutzigster Kreuzung, dem Stuttgarter Neckartor, deutlich reduzieren. Fahrverbote scheinen unausweichlich. Geplant ist, alle Diesel auszusperren, die nicht die Abgasnorm Euro 6 schaffen. Die DUH fordert nun aber, nur die Diesel zuzulassen, die Euro 6 nicht nur auf dem Prüfstand erreichen, sondern tatsächlich.

Ungeklärt ist derzeit, wie ein solches Fahrverbot umzusetzen wäre. Eine blaue Plakette wäre eine Möglichkeit, doch sie ist im Sommer 2016 beerdigt worden. Kaum eine Partei wird im Superwahljahr 2017 dieses Grab wieder aufmachen – zumindest nicht vor der Bundestagswahl. Der Zorn der Wähler wäre ihnen gewiss, und das durchaus zu Recht. Denn die Politik war es, die trotz bekannter Fakten keine langfristige Planungssicherheit geschaffen hat. Bei Investitionen in dieser Größenordnung ist das jedoch unabdingbar. Das gilt im Übrigen auch für die Autoindustrie, denn die Restwertprognosen von zahlreichen Diesel-Leasingverträgen stimmen nun nicht mehr.