Mercedes GLE Coupé 400 vs. Jaguar F-Pace 30d

Über den BMW X6 lĂ€sterten alle, bis er sich dann aber doch verkaufte, und zwar allein ĂŒber seine Gestaltung. Heute gibt es NachzĂŒgler, die wohl am gelungensten gestalteten von Mercedes und Jaguar

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Vergleichstest, Allradantrieb
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Als der SUV-Boom begann, lautete der sozial akzeptierte Ersatz fĂŒr "ich will das, gerade WEIL es so hirnrissig ist" noch "Stauraum, AnhĂ€ngelast, Sicherheit". Deshalb schĂŒttelte die Fachpresse gesammelt den Kopf, als BMW mit dem X6 daherkam, der zwei Drittel dieser Tugenden beschnitt, um einen rein gestalterischen Buggy-Gedanken umzusetzen. Das in der Presse zunĂ€chst geschmĂ€hte SUV CoupĂ©, es fand so viele Liebhaber, dass eigentlich nur erstaunlich ist, wie lange es gedauert hat, bis sich Nachahmer fanden. Wir haben uns das optisch sehr gelungene GLE CoupĂ© ausgeliehen und es mit einem Jaguar F-Pace verglichen, dessen Gestaltung ohne den Einfluss des X6 vielleicht auch nicht so gut gelungen wĂ€re.

Im Inneren des GLE CoupĂ© steckt noch Daimlers Innenraumkonzept mit dem aus der Mitte aufragenden Bildschirm. Das war schon ganz okay, im Vergleich zum aktuellen, sehr gelungenen Boots-Cockpit wie etwa in der E-Klasse sieht man ihm die Jahre allerdings an. Es wird sicherlich auch ein paar Kunden geben, denen diese Interieur-Generation besser gefĂ€llt, ich hĂ€tte gern die neue ohne den hĂ€sslich wie ein Egel auf dem Leder sitzenden Notbremswarner oder die scharf endenden LĂŒftungskappen. Pingelig? Sicherlich. Beide Fahrzeuge kosten wie getestet ĂŒber 91.000 Euro, mit nur 400 Euro Unterschied. DafĂŒr wird der Kunde schon einige AnsprĂŒche anmelden. Am besten beim HĂ€ndler im Vergleich zur E-Klasse ansehen und dann entscheiden, ob man vielleicht doch auf die nĂ€chste Generation auch im GLE warten möchte.

Mercedes GLE Coupé 400 vs. Jaguar F-Pace 30d (66 Bilder)

Panzer fĂŒr die Pudelshow: Mercedes im schick gewordenen GLE CoupĂ©, Jaguar im F-Pace, der zwar nicht als CoupĂ© vermarktet wird, aber sich auch zu großen Teilen ĂŒber seine Gestaltung verkaufen wird. (Bild: Sebastian Bauer)

Nachdem Kollege Martin den Innenraum des F-Pace in seinem Test in Sachen Verarbeitung stark kritisierte, schaute ich erstens genauer hin und erwartete zweitens eine kleine Katastrophe. Dem war aber nicht so. Das unschöne Plastik des Handschuhfaches fiel mir zwar auch auf, zusammen mit Passungenauigkeiten, allerdings deutlich geringeren als bei Martins Testwagen. Es kommt also stark darauf an, wie der Innenraum ausgebaut wurde. Der jetzige F-Pace wirkt mit seinem zweifarbigen Lederbezug sehr gut. TatsĂ€chlich wĂŒrde ich bei den teuren Innenraumausstattungen wirklich nicht sagen, dass Mercedes das deutlich besser kann. Sie können es ein bisschen besser. Aber kaufentscheidend sieht anders aus.

Das fĂŒhrt sich außen fort. Warum verwendet Mercedes zum Beispiel an der C-SĂ€ule eine zweiteilige Zierspange, die umstĂ€ndlich und unschön mit dem Gummi verheiratet werden muss, wo doch alle Anderen einteilige Zierspangen verwenden, die dann eben entweder im Ganzen schief sitzen oder eben im Ganzen passen? Die Kofferraumklappe sitzt am Jag nicht bĂŒndig mit der Karosserie. Das tut sie am GLE aber leider auch nicht, nur dass hier auf beiden Seiten symmetrisch dieselbe Absenkung im oberen Bereich vorliegt. Auch hier also kann es Mercedes besser, aber nicht viel besser. Was mich und den Mechaniker freut, sind Dinge wie die ABS-Pumpe, die vorne mit sauber gefĂŒhrten Stahlröhrchen bestĂŒckt unter der Motorhaube sitzt. Das weckt Vertrauen in die konzeptbedingt hĂ€ufig benutzten Servobremsen (dazu gleich mehr).

Die StĂ€rke des GLE ist sein enormer Komfort, vor allem mit dem im Testwagen verbauten Luftfahrwerk. Mercedes ließ dem Auto außerdem die Standardfelgen, auf denen sehr viel Gummi liegt. Zu diesen beiden Punkten gesellt sich die ausgezeichnete Aerodynamik, mit der sich viele neue Benz-Autos hervortun. Im Zusammenspiel trĂ€gt dich dieses Auto ĂŒber die Straße wie eine SĂ€nfte. Man kann das Fahrwerk wie anderswo verhĂ€rten, um sich schneller zu fĂŒhlen. Von "Sport+" rate ich dennoch ab, es macht das Auto mit nur einem Fahrer beladen auf unebenen Strecken wieder langsamer, weil die RĂ€der auf der zu harten DĂ€mpfung dann das Springen anfangen.