Audi-Vorstand Peter Mertens im Interview

Seit Mai 2017 ist Peter Mertens Mitglied des Vorstands der Audi AG und verantwortet die technische Entwicklung der Marke. Wir konnten ihm ein paar Fragen zu den Plänen des Unternehmens bei Elektrifizierung, Modellpalette und autonomem Fahren stellen

vorlesen Druckansicht 22 Kommentare lesen
Audi
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Stefan Grundhoff
Inhaltsverzeichnis

Seit Mai 2017 ist Peter Mertens Mitglied des Vorstands der Audi AG und verantwortet die technische Entwicklung der Marke. Innerhalb des Volkswagen-Konzerns ist Audi das Kompetenzzentrum für Elektroantriebe. Wir konnten ihm ein paar Fragen zu den Plänen des Unternehmens bei Elektrifizierung, Modellpalette, Design und autonomem Fahren stellen.

Die Folgen des Abgasbetrugs setzen den gesamten Automarkt in Europa unter Druck. Wie sieht die Zukunft fĂĽr den SelbstzĂĽnder bei Audi aus?

Audi-Vorstand Peter Mertens im Interview (4 Bilder)

Peter Mertens, seit Anfang des Jahres Entwicklungsvorstand bei Audi
(Bild: Audi)

Peter Mertens: Der Diesel ist in unserem Motorenportfolio eine feste Größe, er bleibt gesetzt, weil an ihm kein Weg vorbeiführt. Das gilt besonders für große Automobile wie Limousine und SUV der Ober- oder Luxusklasse, wo die großen TDIs besonders beliebt sind. Daher haben der Audi Q7 ebenso wie auch der neue Audi A8 als unser Flaggschiff und der kommende Q8 Dieseltriebwerke – mit sechs und auch acht Zylindern. Diese stehen im Motorenprogramm nicht zur Diskussion.

Auch, wenn es sich oft so anhört, kann man mit Elektrofahrzeugen nicht in wenigen Jahren alle Probleme lösen. Wie soll über die Jahre die Elektromobilität bei Audi die Verbrenner ablösen?

Peter Mertens: Der Grad der Elektrifizierung steigt mit jedem neuen Fahrzeug in unserer Palette. Wir wollen bei Audi bis zum Jahre 2025 einen hochelektrifizierten Fahrzeuganteil von rund einem Drittel haben. Das ist eine große Herausforderung, die Investitionen in Milliardenhöhe voraussetzt. Wir können ebenso wenig wie die anderen Hersteller genau absehen, wie schnell die Entwicklung im Detail gehen wird. Derzeit kostet eine Kilowattstunde zwischen 100 und 200 Euro – heißt, ein Akkupaket für ein Batterie-Fahrzeug der Ober- oder Luxusklasse schlägt allein mit weit über 10.000 Euro zu Buche. Daher werden neben den reinen Verbrennern die Hybriden bei uns nach wie vor eine Rolle spielen, auch wenn wir natürlich kommendes Jahr unseren ersten Elektro-SUV auf den Markt bringen. Auf einigen Märkten ist der Plug-in-Hybride zudem für den Kunden eine Brücke zum reinen Elektrofahrzeug.

Was bedeutet im Modellprogramm von Audi zukünftig „hybrid”? Geht es hier nur um Plug-in-Hybride oder wird auch die 48-Volt-Technik flächendeckend Einzug halten?

Peter Mertens: Es wird bei uns verschiedene Arten der Elektrifizierung und der Hybridisierung geben. Dazu gehören Plug-In-Hybride, wie wir diese bereits anbieten und die wie die reinen Batteriefahrzeuge e-tron heißen. Der neue Audi A8 wird als besonders leistungsstarke Hybridversion kommen. Ein Hochleistungselektromotor ist dabei mit einem aufgeladenen V6-Benziner kombiniert. Die Systemleistung liegt bei über 450 PS – und bietet Fahrleistungen wie ein Achtzylinder. Jede der Audi-A8-Motorisierungen wird zusätzlich über ein 48-Volt-Bordnetz verfügen. Hiermit gehört der verzögerte Ampelstart der Vergangenheit an, wir können beim Beschleunigen boosten und völlig neue Sicherheitssysteme umsetzen. Bei einem drohenden Seitencrash schießt das eABC-Fahrwerk den neuen Audi A8 zum Beispiel in Bruchteilen von Sekunden 80 Millimeter in die Höhe. Dadurch trifft der Gegner den A8 genau in der Crashstruktur und die Verletzungsgefahr für die Insassen sinkt drastisch.

Wird die 48-Volt-Technik auch in kleineren Fahrzeugen kommen?

Peter Mertens: In etwas kleineren ist es denkbar. In den unteren Segmenten wird das auf jeden Fall noch dauern, denn die 48-Volt-Technik ist aufwendig und teuer. Das kann man an Kunden so nicht weitergeben. Doch wir arbeiten hier an anderen Lösungen und wenn die Kosten sinken, ist es langfristig durchaus denkbar, dass 48-Volt-Bordnetze auch in mittleren und unteren Segmenten folgen.