Opel Insignia mit neuem BiTurbo-Diesel
Ein neuer Diesel mit 210 PS soll den Opel Insignia beflügeln. Doch hinsichtlich Verbrauch und Fahrleistungen verspricht Opel nicht ganz das, was die Konkurrenz in diesem Segment suggeriert
Die Premiere eines neuen Dieselmotors ist dieser Tage durchaus etwas Besonderes. Der Widerhall der Füllung des Sommerlochs 2017 in Form der Debatte um Verbrennungsmotoren wird uns noch geraume Zeit beschäftigen. Zahlreiche Stimmen fordern ein Ende des Dieselmotors, doch das ist mittelfristig nicht in Sicht. Mancherorts ist von einem Einbruch bei den Neuzulassungen mit Dieselmotor zu lesen, doch von den 2.070.106 Autos, die in den ersten sieben Monaten dieses Jahres hierzulande neu zugelassen wurden, waren immerhin noch 853.533 mit einem Selbstzünder ausgestattet. Gerade für Menschen, die viel unterwegs sind, ist der gute alte Diesel also nach wie vor oft erste Wahl. Genau für diese Klientel dürfte auch der neue Zweiliter-Diesel von Opel gedacht sein.
Zwei Turbolader
Der Vierzylinder ist mit zwei Turboladern ausgestattet, die hier in Reihe geschaltet sind. Der erste verdichtet die Luft für den zweiten vor, der mit einer variablen Turbinengeometrie ausgestattet ist. Mit insgesamt gleich drei Bypass-Ventilen stellt Opel einerseits genügend Druck im unteren Drehzahlbereich bereit und verhindert andererseits ein Überlaufen des Laders. Denn wenn die Abgasmenge zu groß wird, kann der Lader sie nicht mehr verarbeiten und der Abgasgegendruck steigt. Ein Lader, der jegliche Abgasmenge des Motors aufnehmen könnte, wäre aber zu groß und würde nur träge ansprechen.
Opel Insignia mit neuem BiTurbo-Diesel (7 Bilder)

Insgesamt klingt der Aufbau nach dem heute üblichen Aufwand: 2000 bar maximaler Einspritzdruck wird von einiger Herstellern wie Volvo schon überboten. Bis zu zehn Einspritzvorgänge innerhalb einer Nockenwellenumdrehung sind fraglos noch immer ein beeindruckendes Schauspiel von Präzision und Tempo, doch auch in diesem Bereich ist der Opel-Motor nicht ungewöhnlich. Die zahlreichen Vor-, Haupt- und Nacheinspritzungen dienen Leistungs- und Drehmomentverbesserung, besseren Abgaswerten sowie einer niedrigen Geräuschentwicklung. Ob der Opel Insignia mit der neuen Maschine in einem dieser Bereiche neue Bestmarken setzt, muss sich zeigen.
Keine neuen Bestwerte
Keine neuen Bestwerte gibt es bei den vom Werk angegebenen Fahrleistungen. Für sich betrachtet dürften die 210 PS und 480 Nm aber selbstverständlich reichen, um den Insignia Sports Tourer sehr temperamentvoll anzutreiben. Opel nennt für den 1772 kg schweren Kombi acht Sekunden im Standardsprint und 231 km/h Höchstgeschwindigkeit. Von der Klasse der 190-PS-Diesel in Volvo V90 D4 AWD, BMW 520d xDrive oder auch Mercedes E 220d 4Matic kann sich der Opel nicht absetzen – obwohl die Konkurrenten auch noch schwerer sind.
Leistung kostet
Schon jetzt lässt sich außerdem festhalten, dass es die 40 zusätzlichen PS gegenüber dem bisher stärksten Insignia-Diesel nicht gerade günstig gibt – bezogen auf Preis und Verbrauch. Der BiTurbo-Diesel ist nur zusammen mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik zu haben. Den 170-PS-Diesel gibt es in dieser Kombination nicht. Dort hat der Kunde die Wahl zwischen Schaltgetriebe mit Allrad- oder Frontantrieb und der Achtgangautomatik, die es nur zusammen mit Frontantrieb gibt. Er ist mit Allradantrieb im Kombi mit 6,3 Litern angegeben, mit Automatik sind es 5,7 Liter. Der 210-PS-Motor verbraucht dort im NEFZ 7,2 Liter. Auch das ist viel mehr, als die Konkurrenten versprechen. Wie beim 170-PS-Diesel setzt Opel zur Abgasnachbehandlung einen SCR-Kat ein. Die Diesel mit 110 und 136 PS müssen im neuen Insignia mit einem Speicherkat auskommen.
Auch finanziell ist der neue Top-Diesel nicht gerade ein Schnäppchen. Opel verkauft ihn erst ab der umfangreich ausgestatteten Version „Dynamic“. Der Kombi kostet damit mindestens 40.295 Euro. Den 170-PS-Diesel gibt es mit Automatik in dieser Ausstattungslinie ab 36.920, mit Allrad ab 37.120 Euro. Zur Einordnung: Ein Skoda Superb Combi Ambition mit 190 PS, Sechsgang-DSG und Allradantrieb kostet mindestens 38.850 Euro, ist allerdings auch schlechter ausgestattet. Das gilt auch für die weiter oben genannten Modelle von Volvo, BMW und Mercedes, die in finanzieller Hinsicht in anderen Sphären schweben. So gesehen ist der neue Diesel innerhalb der Insignia-Preisliste zwar teuer, angesichts dessen, was die Konkurrenz aufruft, aber durchaus fair kalkuliert. (mfz)