Ausfahrt: Jaguar XJR575

Acht Jahre nach seiner Premiere bekommt das Topmodell der XJ-Baureihe von Jaguar mehr Leistung - was kaum einer bemerken wird, denn erstens war schon zuvor überreichlich viel davon vorhanden, zweitens ist der Zuwachs gering

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Jaguar XJR575
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Von
  • Jürgen Wolff
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Der aktuelle Jaguar XJ ist seit acht Jahren auf dem Markt, ein Nachfolger dürfte bereits weit gediehen sein. Zum Ende ihrer Laufbahn bekommt die große Limousine noch einmal ein Upgrade. Als XJR stehen nun 575 PS zur Verfügung – was kaum einer merken dürfte. Der noble Brite stand uns für eine Ausfahrt zur Verfügung.

Jaguar geht nicht nur optisch eigene Wege. Der XJR575 ist die dritte Ausbaustufe des auf geladenen Fünfliter-V8, den es in dieser Baureihe gibt. Alle wurden mit einem Kompressor aufgeladen, einen Turbolader haben nur der Sechszylinder-Diesel. Der Vorteil des Kompressors ist altbekannt: Er muss nicht auf eine ausreichende Abgasmenge „warten“, um Druck zu machen – der ist gewissermaßen immer da. Nachteil: So effizient wie ein Turbolader ist er nicht.

Ausfahrt: Jaguar XJR575 (15 Bilder)

Der aktuelle Jaguar XJ dürfte einen Großteil seiner Bauzeit hinter sich haben. Neu ist das Topmodell XJR575.

Mit der jüngsten Überarbeitung haben sich die Leistungsdaten minimal verändert. Statt 550 sind es nun 575 PS, das maximale Drehmoment stieg von 680 auf 700 Nm. Zuvor lag es zwischen 3500 und 4000/min an, bei der überarbeiteten Maschine zwischen 3500 und 4500/min. Die versprochenen Fahrleistungen verbessern sich etwas: statt 4,6 werden nun im Standardsprint 4,4 Sekunden verkündet, die Höchstgeschwindigkeit steigt von 280 auf 300 km/h.

Grau ist all diese Theorie, wenn es auf die Straße geht. Der Jaguar XJR war schon zuvor überreichlich kräftig. Mit 25 PS geht es gefühlt nicht besser voran, der Zuwachs liegt in Bereich der Serienstreuung. Eine gewisse Reserve bleibt im täglichen Umgang im Prinzip stets ungenutzt, bei Autos dieser Couleur ist sie stets besonders üppig. Die angepeilte Kundschaft wird das nicht weiter bekümmern, ein Modell mit diesem Angebot kauft man ja auch in dieser Einkommensschicht nicht zufällig.

Wer im Komfort-Modus bleibt, erlebt eine satt motorisierte Luxuslimousine, die für alle alltäglichen Aufgaben wie das Einfädeln auf eine Autobahn oder auch das Überholen auf der Landstraße mehr als genug Kraft bereitstellt. Das Achtgang-Automatikgetriebe 8HP70 von ZF schaltet sanft und frühzeitig. Dieses Getriebe wird schon seit Jahren bei Jaguar eingebaut – und nicht nur dort: Auch in diversen BMW-Modellen und kürzlich im Alfa Romeo Giulia gefällt es immer wieder mit ebenso passenden wie sanften Gangwechseln.

Wird in den Sport-Modus gewechselt, verwandelt sich der Jaguar. Die Automatik schaltet dann deutlich später in den nächsten Gang und bei Bedarf auch früher zurück. Der Motor krakeelt bei jedem Tritt aufs Gas laut los, was recht schnell polarisiert: Es gibt Menschen, denen dieses blubbernde Getöse sehr gut gefällt, anderen geht es rasch auf die Nerven. Letztere haben freilich gleich zwei Auswege: Weder im Komfortmodus noch mit dem Dreiliter-V6 wird man sein Ziel nennenswert später erreichen.