Unkenrufe um T-Aktie wegen DAX-Umgewichtung

Befürchtungen über einen weiteren Kursverfall der T-Aktie wegen einer geringeren Gewichtung im deutschen Aktienindex finden nicht überall Widerhall.

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Von
  • Madeleine Simsek
  • dpa

Über die Entwicklung der T-Aktie nach der DAX-Umstellung im Juni 2002 sind sich Experten uneins. Unkenrufe über einen weiteren Kursverfall des Papiers wegen einer geringeren Gewichtung im deutschen Aktienindex DAX finden nicht überall Widerhall. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass eine anstehende, wegen des vergleichsweise geringen Streubesitzes niedrigere Gewichtung im DAX bereits im Kursniveau "eingepreist" ist.

Die Fondsmanager hätten dies bei ihrer Portfoliozusammenstellung bereits berücksichtigt, heißt es. Daher rechnet auch Bernd Meyer von der Deutschen Bank nicht mit einer massiven Verkaufswelle. Der Aktienstratege gibt zudem zu bedenken, dass in Europa die überwiegende Zahl der Fonds nicht passiv und somit nicht 1:1 im Vergleich zum jeweiligen Index angelegt sind. "Ziel dieser Fonds ist es ja, den Gesamtmarkt zu übertreffen", erläutert der Experte. Wenn nun die Gewichtung der Deutschen Telekom im DAX reduziert werden sollte, findet laut Meyer nicht unbedingt eine synchrone Entwicklung in den entsprechenden Fonds statt. Vielmehr versuchten die Fondsmanager, rechtzeitig ihre Bestände anzupassen.

Dagegen geht Volker Borghoff von DG Bank Asset Management davon aus, dass die Fondsmanager erst drei bis sechs Monate vor der Umstellung reagieren werden. Die Deutsche Telekom sei trotz des relativ geringen Streubesitzes kein marktenger Titel. Daher bestehe noch kein Handlungsbedarf. Das bestätigt auch Matthias Grimm, Fondsmanager bei ADIG Investment: "Der Zeithorizont bis dahin ist sehr lang. Daher reagieren wir heute noch nicht darauf."

Inwieweit das Papier einige Monate vor der Umstellung unter Druck gerate, hänge von den fundamentalen Daten ab, sagt Stratege Borghoff. Derzeit ist der Kursverfall der T-Aktie aus seiner Sicht gerechtfertigt. Als Gründe nannte er die hohen UMTS-Kosten, die relativ schlechten Unternehmensergebnisse, das sich abschwächende Wachstum im Mobilfunkbereich und den hohen Margendruck. Inwieweit die Deutsche Telekom weiter an Wert verliere, werde nun davon abhängen, inwieweit das Unternehmen diese Probleme in den Griff kriege.

Ungemach droht laut Experten nach der Übernahme des amerikanischen Mobilfunkunternehmens VoiceStream durch die Bonner. Danach könnte eine Vielzahl von T-Aktien in den Markt geschwemmt werden, da die US-Anleger möglicherweise nach einem Aktientausch nicht an dem Besitz des deutschen Titels interessiert seien. "VoiceStream ist im Gegensatz zur Deutschen Telekom ein Wachstumswert", erläutert Grimm. Der Fondsmanager erwartet von der Übernahme aber auch positive Auswirkungen. Der Anteil der frei gehandelten T-Aktien werde sich erheblich erhöhen und damit den Druck nach der Umstellung im DAX etwas abfedern. (Madeleine Simsek, dpa-AFX) / (jk)