„Classic Enduro“: Die neue Moto Guzzi V85
Moto Guzzis 750er und 850er leisten 52 respektive 55 PS – der riesige 1400er gleich 96. Dazwischen klafft eine weite Lücke. Mit der V85 will Moto Guzzi einen neuen Motor zunächst in einem klassischen Enduro-Modell einführen. Der luftgekühlte 850er soll 80 PS leisten
- Ingo Gach
Moto Guzzis 750er und 850er leisten 52 respektive 55 PS – der riesige 1400er gleich 96. Dazwischen klafft eine weite Lücke. Mit der V85 will Moto Guzzi einen neuen Motor zunächst in einem völlig neue Modell im Stil der klassischen Enduros einführen. Es bleibt beim traditionellen, längs eingebauten V2, aufhorchen lässt die angekündigte Leistung von 80 PS aus 850 Kubikzentimetern, denn Guzzi bleibt bei der herkömmlichen Luftkühlung.
Die glorreichen Zeiten von Moto Guzzi sind schon lange vorbei. Dass die Marke mit dem Adler im Logo überhaupt noch existiert, hat sie einem sehr treuen und sehr leidensfähigen Fankreis zu verdanken und dem erklärten Willen des Mutterkonzerns Piaggio, die traditionsreiche Marke aus Mandello di Lario nicht sterben zu lassen. Doch nun gibt es endlich ein hoffnungsvolles Lebenszeichen für die Zukunft. Die V85 zeigt den Stil einer klassischen Enduro, aber mit modernen Zutaten und einem neuem Motor.
„Classic Enduro“: Die neue Moto Guzzi V85 (11 Bilder)

Einst war Moto Guzzi der zweitgrößte Motorradhersteller der Welt, doch als sich in den 1950er und 1960er Jahren immer mehr Menschen ein Auto leisten konnten, traf der italienische Hersteller einige folgenschweren Fehlentscheidungen, so dass die Marke 1966 Konkurs anmelden musste. Ein Jahr später feierten die Fans die Wiederauferstehung von Moto Guzzi unter einem neuen Besitzer und das Modell V7 kam auf den Markt mit einem luftgekühlten, längs eingebauten 90-Grad-V2 und Kardanantrieb. Moto Guzzi ging danach durch die Hände von De Tomaso und Aprilia, seit 2004 gehört die Marke zu Piaggio, doch bis heute ist die V7, aktuell als V7 III, das Volumenmodell von Moto Guzzi und das Motorenkonzept wurde zum Markenzeichen.
Lückenschluss
Aber immer noch hängt die defizitäre Marke am finanziellen Tropf von Piaggio, entsprechend dürftig fiel in den letzten Jahren die Entwicklung neuer Modelle aus. Momentan hat Moto Guzzi das Problem, einerseits nur zwei vergleichsweise schwache kleinere Motoren mit 744 cm3 (52 PS in der V7) und 853 cm3 (55 PS in der V9) anbieten zu können, andererseits die riesigen 1380er-Motoren mit 96 PS in den schweren Cruiser-Modellen.
Genau dazwischen will Moto Guzzi nun ein neues Angebot platzieren. Nachdem die etwas glücklose Reiseenduro Stelvio eingestellt wurde, kam man in Mandello auf die Idee, eine geländegängigere Version zu entwickeln. In den 1980er Jahren nahm Moto Guzzi an den Wüstenrallyes wie der Paris-Dakar mit der TT V65 Baja und der NTX 750 Baja teil. Genau in dem Stil soll nun eine V85 entstehen. Auf der EICMA präsentierte Moto Guzzi voller Stolz den Prototyp V85 Concept Enduro und klassifizierte ihn als „Classic Enduro“.
Klassischer Enduro-Stil
In der Tat zeigt die V85 mit ihrer einfachen Formensprache den Spirit der damaligen Zeit, als es bei den großvolumigen Enduros noch nicht auf maximalen Straßenkomfort, sondern auf höchste Geländetauglichkeit ankam. Andererseits handelt es sich nicht um einen so weiten Rückgriff wie bei der V7 II Stornello, die als Scrambler keine wirkliche Geländetauglichkeit bietet.
Ins Auge springt der knallrot lackierte Stahlrohrrahmen, um unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass er völlig neu entwickelt wurde. Er integriert den Motor als tragendes Element und den Heckrahmen bildet ein hübsches Gitterrohr-Geflecht, inklusive eines kleinen Gepäckträgers. Der Tank ist riesig und dürfte geschätzt deutlich über 20 Liter bunkern, um den Reiter möglichst weit durch die Wüste bringen zu können. Auf eine heute übliche rahmenfeste Verkleidung verzichtet die V85, obwohl bereits die Moto Guzzi NTX 750 in den 1980er Jahren eine trug, stattdessen schützt ein an Rohren fest verschraubtes Windschild den Fahrer.