Studie: Spriterzeugung komplett CO2-neutral bis 2050

Eine Studie der Mineralölindustrie sagt eine Umstellung von Treib- und Kraftstoffen auf Basis erneuerbarer Energie zu vertretbaren Kosten und wettbewerbsfähigen Preisen ab 2050 voraus. Immerhin gibt aber selbst die Mineralölindustrie zu, dass dieses Szenario ein „extrem ambitioniertes Ziel“ sei

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Syngas-to-Fuel-Anlage
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Anfang des Jahres kamen wir zu dem Schluss: „Im Moment sind e-Fuels tatsächlich nicht mehr als ein PR-Instrument, eine Chimäre, die über das Scheitern bei der CO-Reduktion und der Elektrifizierung hinwegtäuschen soll.” Daher betrachten wir eine neue von Verbänden der Mineralölwirtschaft in Auftrag gegebenen Studie als Eigenwerbung. Sie sagt eine Umstellung von Treib- und Kraftstoffen auf Basis erneuerbarer Energie zu vertretbaren Kosten und wettbewerbsfähigen Preisen ab 2050 voraus. Immerhin gibt aber selbst die Mineralölindustrie zu, dass dieses Szenario ein „extrem ambitioniertes Ziel“ sei, wie es Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) ausdrückte.

Eine Syngas-to-Fuel-Anlage der Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC). An Raffinerien wie dieser erproben die Wissenschaftler die Erzeugung von Benzin aus Synthesegas ĂĽber Methanol als Zwischenprodukt.

(Bild: CAC)

Der heute (7. Juni 2018) in Berlin vorgestellten Studie der Prognos AG zufolge dürfen zur Erreichung der Klimaziele flüssige Energieträger wie Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl künftig nicht mehr aus Erdöl hergestellt werden. Man müsse jedoch umgehend damit beginnen, entsprechende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten aufzubauen und einen allmählichen, aber stetigen Markthochlauf anstreben.

Flüssige Kraft- und Brennstoffe stellen in Deutschland rund 98 Prozent der Antriebsenergie im Verkehrssektor und etwa 22 Prozent der Heizenergie bereit. Zudem deckt die chemische Industrie rund drei Viertel ihres organischen Rohstoffbedarfs mit Mineralöl.

Für den Bedarf in allen Verkehrssektoren und der Chemie, müssten bis 2050 rund 60 Millionen Tonnen klassischer Raffinerieprodukte durch die sogenannten E-Fuels ersetzt werden. Der Vorteil: Die Infrastruktur aus Pipelines, Tanklagern, Heizöltanks, Tankstellen und die bestehende Flotte könnten weiter genutzt werden.

Aus heutiger Sicht könnten die synthetischen Kraftstoffe zu Kosten zwischen 70 Cent und 1,30 Euro je Liter erzeugt werden. „Voraussetzung ist ein großindustrieller Einstieg in die Technologie“. Bislang sind nur kleinere Anlagen mit Jahreskapazitäten von 10.000 Tonnen geplant, die bis 2020 fertig werden sollen.

Es sei enorm viel Strom aus erneuerbaren Quellen notwendig, um die benötigten Mengen flüssiger Kraftstoffe bereitzustellen. Küchen nimmt an, dass die Produkte in wind- und sonnenreichen Ländern produziert und anschließend in die Verbrauchsländer exportiert werden.

Ein Verfahren zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe besteht darin, Wasserstoff und Kohlenstoff mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen in einen flüssigen Energieträger umzuwandeln – ohne Rohöl als Ausgangsstoff zu benutzen. Der Kohlenstoff kann aus der Luft oder aus Biomasse gewonnen werden.

(mit Material der dpa) (fpi)