Wendelin Wiedeking - From hero to zero
Dass Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef derart erfolgreich werden würde, konnte bei der Ausgestaltung seines Vertrages keiner ahnen. Jetzt muss er kleinere Brötchen backen. Beziehungsweise Pizzen
(Bild: Tialini)
- Bernd Kirchhahn
Ohne Wendelin Wiedeking würde es Porsche heute nicht mehr geben. Eine Binsenweisheit, die gerne bemüht wird, wenn es um diese Marke und diesen Mann geht. Doch lässt sich dieser Spruch auch mit Zahlen belegen. Als Wendelin Wiedeking am 1. August 1993 zum Vorstandsvorsitzenden der Marke wurde, hatte Porsche einen Börsenwert von 300 Millionen Euro. Im Jahr 2007 war Porsche der profitabelste Autohersteller der Welt und notierte mit 25 Milliarden Euro.
Von 300 Millionen auf 25 Mrd.
In dieser Zeit baute er die Marke mehrfach um. Zunächst machte er aus einem Hersteller von Sportwagen eine SUV-Marke, dann aus dem Boxster-Anbieter eine Dieselmarke. Kurzer Stopp. Denn der Börsen-Höchstwert von 25 Milliarden spiegelt exakt diesen Moment in der Zeitleiste der Marke wieder.
Wendelin Wiedeking - From hero to zero (7 Bilder)

(Bild: Porsche)
Wiedeking hätte sogar an die Spitze des Volkswagen-Konzerns berufen werden sollen. 2005 war das. Er lehnte ab. Kritiker sagen, er habe dies auch wegen seines Arbeitsvertrages bei Porsche gemacht. Weil bei seinem Amtsantritt die Kassen leer waren, erhielt er ein sehr geringes Grundgehalt, das um eine Erfolgsbeteiligung von 0,87 Prozent aufgestockt wurde. Eine Klausel, die sein Gehalt für das Geschäftsjahr 2007/2008 auf 100,6 Millionen Euro anwachsen lassen sollte – Weltrekord.
Der Abgang
Dann stand ein weiterer Umbau an, über den Öffentlichkeit und Konzern länger im Unklaren gelassen werden sollten. Aus der Automarke sollte ein Hedgefonds werden. Über die Maple Bank sollte die Mehrheit an Volkswagen übernommen werden. Ein Plan, der auch aufgrund der Finanzkrise krachend scheiterte. Porsche zahlte 50 Millionen Euro Abfindung und Wiedeking ging. Es folgten mehrere Prozesse, in denen es um Marktmanipulation und Untreue ging. Sie endeten mit Freisprüchen Wendelin Wiedekings.
2011 wollte Wiedeking wieder etwas aktiver in der Wirtschaft werden und verhandelte mit der Restaurantkette L´Osteria um eine Partnerschaft. Im Rahmen der Verhandlungen erhielten die Vertreter Wiedekings detaillierte Einblicke in die Geschäftsbücher der Restaurantkette. Anschließend verlor Wiedeking die Lust an der Partnerschaft und arbeitete fortan lieber an seiner eigenen Restaurantkette.
Vialino, Vapiano, Vinolio
Die sollte unter dem Namen „Vialino“ firmieren. Das gefiel der Kette „Vapiano“ nicht. Im darauffolgenden Rechtsstreit gab Wiedeking klein bei und nannte seine Kette fortan „Tialini“. Es folgte 2016 ein Rechtsstreit mit der Pizzeria „Vinolio“, die neben einer Niederlassung von Wiedekings Kette liegt. Denn Wiedeking verkauft eine Pizza namens „Vialino“, was dem Betreiber von „Vinolio“ zu sehr nach seinem Restaurant klingt. (fpi)