Vorstellung: Opel Zafira Life

Der vierte Opel Zafira verliert die EigenstĂ€ndigkeit seiner VorgĂ€nger. Als Vorlage dient der Peugeot Traveller. Wirtschaftlich erscheint dieser Schritt sinnvoll, zumal das Interesse der Kunden an Vans zurĂŒckgeht

vorlesen Druckansicht 70 Kommentare lesen
Opel Zafira Life

(Bild: Opel)

Lesezeit: 4 Min.
Inhaltsverzeichnis

PSA hat Opel nicht ĂŒbernommen, um alles wie bisher weiterzufĂŒhren. Wenn eine Marke rund 20 Jahre lang Verluste macht, muss sich etwas Ă€ndern, auch wenn die Einschnitte in diesem Fall fĂŒr viele, die ihre berufliche Existenz auf den Arbeitgeber Opel gebaut haben, sehr bitter waren. Die Franzosen, vor ein paar Jahren noch selbst ein Sanierungsfall, greifen bei Opel hart durch. Vieles geschieht derzeit noch im Hintergrund, doch Modelle wie der neue Zafira Life zeigen, in welche Richtung es gehen könnte.

Fans der Marke machen sich Sorgen, dass ein Opel kĂŒnftig nicht mehr als ein Ableger eines französischen Autos ist. Vollkommen unberechtigt ist diese BefĂŒrchtung nicht, worauf unter anderem der großflĂ€chige Stellenabbau im Entwicklungszentrum RĂŒsselsheim hindeutet. Auch der neue Zafira Life ist ein Fingerzeig auf die kommende Strategie, denn er ist mit nahezu jeder Faser eine Kopie des Peugeot Traveller. NĂŒchtern betrachtet mag es auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, denn die allgemeinen Verkaufszahlen von Vans in den vergangenen Jahren hĂ€tten eine komplette Neuentwicklung eines eigenstĂ€ndigen Zafira nicht gerechtfertigt. Wobei man diese Überlegung natĂŒrlich auch umdrehen kann: Wenn sich eine bestimmte Form nicht mehr gut verkauft, lohnt es sich dann wirklich, ein zweites Modell, welches dem Original bis auf wenige Details gleicht, auf den Markt zu werfen? PSA scheint sich da Hoffnungen zu machen.

Vorstellung: Opel Zafira Life (16 Bilder)

Die vierte Generation des Opel Zafira ist zweckmĂ€ĂŸiger gestaltet als die VorgĂ€nger. Das bedeutet: Mehr Platz fĂŒr Passagiere und GepĂ€ck auf weniger VerkehrsflĂ€che.
(Bild: alle: Opel)

Die ersten drei Generationen unternahmen den Versuch, das Thema „praktischer Familienschlepper“ optisch irgendwie ansprechend aufzubereiten. Wie erfolgreich Opel mit diesem Ansinnen war, mag der Betrachter allein entscheiden. Nummer vier unterlĂ€sst diesen Versuch gleich ganz und verschreibt sich einer nĂŒchternen Kastenform. Die wird in drei verschiedenen LĂ€ngen angeboten: Die kĂŒrzeste Version „small“ ist mit 4,6 Metern kaum lĂ€nger als ein Ford Grand C-Max oder ein BMW 2er Gran Tourer, soll aber bis zu neun Menschen transportieren.

Die mittlere Varinate misst 4,95 Meter und ist damit als Konkurrent von VW Bus und Mercedes V-Klasse (Test) zu sehen. Gerade in diesem Bereich wĂ€re ein schlagkrĂ€ftiger Gegner sehr zu begrĂŒĂŸen, denn die beiden genannten verkaufen ihre Modelle fĂŒr viel Geld, ohne dies in der Vergangenheit immer mit einer QualitĂ€t verbunden zu haben, die diese Preise rechtfertigt. Die grĂ¶ĂŸte Fassung des Zafira wird schließlich 5,3 Meter messen und damit einer der lĂ€ngsten Serien-Pkw auf dem europĂ€ischen Markt werden. Das maximale Ladevolumen liegt dann bei 4500 Litern.

Im ersten Beipackzettel verrĂ€t Opel noch nichts zu den Motoren. Sollten auch diese vom Peugeot Traveller ĂŒbernommen werden, wird es vorerst vier Diesel mit 102, 120, 150 und 177 PS geben. Denkbar wĂ€ren auch Auto- und Erdgas. In zwei Jahren soll ein elektrischer Antriebsstrang hinzukommen. Schon zum Verkaufsstart wird alternativ auch ein Allradantrieb angeboten.

Geheim hĂ€lt Opel derzeit auch noch die Preise. Doch eine grobe Orientierung liefert wie so oft die Konkurrenz: Ein Ford Grand C-Max mit 95-PS-Diesel kostet derzeit unverhandelt 23.700 Euro. Ein bereits recht gut ausgestatteter Renault Grand Scenic (Test) mit 120-PS-Diesel liegt bei 28.090 Euro. In diesem preislichen Umfeld erwarten wir auch den Opel Zafira Life. Gegen Aufpreis wird es fĂŒr ihn unter anderem einen kamera- und radarbasierten Geschwindigkeitsassistenten und ein Head-up-Display geben. Letzteres spiegelt seine Informationen nicht in die Windschutzscheibe, sondern auf ein kleines Extraglas, immerhin in Farbe.

Das restliche Angebot an UnterstĂŒtzung enthĂ€lt sich ebenfalls spannender Innovationen: Toter-Winkel-, MĂŒdigkeits- und Spurverlassenswarner, Fernlicht-Assistent sowie ein Navigationssystem mit Echtzeitverkehrsdaten und einer 3D-Darstellung von SehenswĂŒrdigkeiten in ausgewĂ€hlten GroßstĂ€dten sind nichts, was im Jahre 2019 eine einzigartige Anziehungskraft hĂ€tte. Das ist nicht weiter tragisch, denn fĂŒr die meisten KĂ€ufer geht es vorrangig um ein gĂŒnstiges Preis-Platz-VerhĂ€ltnis. Wir vermuten, dass der Opel Zafira Life genau das liefern wird. Diese Herangehensweise könnte sich zumindest wirtschaftlich auszahlen, denn sie scheint wichtiger als ein eigenstĂ€ndiger Auftritt, der fĂŒr die meisten Interessent vermutlich zweitrangig ist. (mfz)