Toyota erteilt dem Dieselhybrid eine Absage
Den Dieselhybrid gibt es bereits in den erstaunlichsten Varianten, zumindest in den Schubladen und Köpfen seiner Entwickler. Toyota findet ihn zu aufwändig und präsentiert Argumente für den Vollhybrid mit Ottomotor
- ssu
Köln, 30. Dezember 2008 – Wer ein sparsames Auto mit ansprechenden Fahrleistungen sucht, findet derzeit zwei Alternativen vor – ein Fahrzeug mit modernem Dieselmotor oder eines mit Hybridantrieb, bei dem ein Elektromotor dem "Verbrenner" zur Seite steht. Bei den wenigen Hybridfahrzeugen im Markt ist das allerdings durchweg ein Benziner. Der Wunsch etlicher Verbraucher und Entwickler nach einem Dieselhybrid ist also verständlich, schließlich würde er die Genügsamkeit des Selbstzünders mit den Vorteilen des Hybridantriebs vereinen, so die naheliegende Meinung. Umso mehr überrascht daher die Deutlichkeit, mit der Hybrid-Pionier Toyota dieser vermeintlichen "eierlegenden Wollmilchsau" in diesen Tagen eine Absage erteilt.
Komforteinbußen und Kostennachteile
Als "zu aufwändig" kanzeln die Japaner ein Vollhybridsystem mit Diesel ab: "Die technischen Anforderungen, einen Diesel mit einem Vollhybridsystem wie im Prius zu kombinieren, sind äußerst komplex. In Zukunft werden die verschärften Abgasvorschriften für den Diesel den technischen Aufwand bei der Abgasnachbehandlung noch weiter erhöhen. Ein zusätzliches Problem stellt unter anderem auch die Start-Stopp-Automatik dar, die sich beim Diesel nur schwer ohne Einbußen beim Komfort realisieren lässt", erläutert Tim Fronzek, bei Toyota Deutschland Sprecher für Advanced Technologies, den Standpunkt des Konzerns.
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Toyota setzt auf Vollhybrid-Pkw mit Benzinmotor.
Zudem, so Toyotas Vorstandsvorsitzender Katsuaki Watanabe, bestehe ein Problem bei den Kosten für einen Diesel-Vollhybrid. Schon heute seien die Herstellungskosten für einen Dieselmotor deutlich höher als für ein Benzin-Aggregat. "Kombiniert mit einem Hybridantrieb wäre die Wettbewerbsfähigkeit eines solchen Antriebsstrangs im Hinblick auf die Kosten stark eingeschränkt."
Hybridantrieb für alle Fahrzeugsegmente ab 2020
Toyotas Entwicklungschef Masatami Takimoto plant die Zukunft im Pkw-Bereich daher ohne Diesel-Vollhybridmodelle: "Toyota wird für alle Fahrzeugsegmente vom Jahr 2020 an einen Hybridantrieb einführen. Für Toyota hat dabei der Vollhybrid wie im Prius das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis." Als weiteres Argument gegen den Dieselhybrid führt der Chef-Ingenieur "Probleme bei der weltweiten Verfügbarkeit von Diesel als Kraftstoff" an. Dieses Argument trifft zumindest auf den europäischen Markt nicht zu. Insoweit darf man vermuten, dass Toyota sich auch deshalb für "Otto-Hybride" à la Prius so stark macht, weil der Konzern weltweit die gleichen Antriebsstränge mit Ottomotor einsetzen will, anstatt parallel Diesel-Hybride für Europa zu entwickeln. Wegen geringerer Stückzahlen würden hier die Entwicklungskosten ungleich stärker auf den Preis der einzelnen Autos durchschlagen.