Reifentest Michelin Road 5 auf KTM 690 Duke

Wer abseits des Standards lebt, wird immer wieder Probleme feststellen, die daraus resultieren, dass auf diesen Randbereich nicht optimiert wurde. Die leichte 690 Duke ist vor allem bei leichten Fahrern etwas wählerisch, was zum Konzept passende Reifen angeht

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Es war schon immer schwieriger, mit Fahrzeugen vom Rand des Spektrums passende Teile zu finden. Der Tourensport-Reifen Michelin Road 5 wurde mir von vielen Stellen als hervorragender Nass- und Kaltreifen empfohlen, weil er offenbar auf Motorrädern von der Reiseenduro bis zum Naked Bike sehr harmonisch funktioniert. Auf der Duke funktioniert er gut, aber nicht sehr gut.

Der Vorderreifen hat die bekannten Schlitze, die schon bei 20° C Gummitemperatur deutlich nachgeben. Am unteren Ende der Schlitzung liegt ein vergrößerter Hohlraum, in den das Profil nachgeben kann. Gedacht ist das wohl unter anderem zur Drainage bei Regenfahrt. Solche Versprechen locken mich mittlerweile kaum noch. Meistens stellt man auf dem Motorrad fest, dass selbst Vorderreifen mit wenig Negativprofil durch die typische Bootsbug-Form durch Wassertiefen schneiden, auf denen sich schon alle Autos weggedreht haben.

Reifentest Michelin Road 5 auf KTM 690 Duke (3 Bilder)

Hinterreifen verhält sich wie erwartet und dazu gehört bei Michelin auch: Er ist wie erwartet etwas zu breit, sodass die Kette dagegenschlägt.
(Bild: Clemens Gleich)

Michelin-eigene Tests haben ergeben, dass ihre Konstruktion im Road 5 nach 5000 km noch die Vollbrems-Leistungen des Vorgängers Pilot Road 4 erreicht, der ebenfalls gut bei Nässe funktioniert. Ich will keinen dieser Vorteile bestreiten, ich will nur daran erinnern, dass sie im Fahralltag der meisten Motorradfahrer nicht auffallen werden. Es ist eher die Haftung auf nassem Asphalt relevant als das Verhalten bei stehendem Wasser auf der Fahrbahn und mehr als 150 km/h (unter diesem Tempo konnte ich selbst bei den schlechtesten Nassreifen noch nie Aquaplaning feststellen). Das macht praktisch niemand.

Dem eher virtuellen Drainage-Vorteil stehen Dinge entgegen, die im Fahrbetrieb schon eher auffallen. Die Oberfläche des Reifens bewegt sich so, dass es mir am Duke-Lenker deutlich auffiel. Auf der Bremse störte mich der Übergang von der nachgiebigen Mitte auf die stabileren Randbereiche. Die Einlenkpräzision auf der Bremse leidet darunter, vor allem, weil sie auf dem Power RS zuvor im Kontrast so gut war. Außerdem muss man daher immer wieder nachjustieren am Lenker. Ein Sport-Vorderreifen geht anders. Dazu erschallt aus dem Mittenprofil ein leises LKW-Heulen beim Bremsen. Ich habe mich umgehört und festgestellt, dass andere Tester mit schwereren Motorrädern kein Heulen vernahmen. Auf der Duke kann ich das Vorderrad recht gut hören, auf Reiseenduros mit weit hinten liegender Sitzposition hinter einem Windschild sieht das sicher ganz anders aus.

Der Hinterreifen gefällt mir besser. Er hat natürlich nicht den Grip des Michelin Power RS, dafür fährt er schon kalt vertrauenserweckend los und verhält sich vom Start weg sehr gutmütig und vorhersehbar. Wie viele Michelin-Reifen baut auch der Road 5 deutlich breiter als in der Angabe. Da KTM gleichzeitig wenig Spielraum zur Kette der 690er lässt, schlägt auch bei diesem Reifen die Kette gegen den linken Reifenrand wie bei einer alten Supermoto – suboptimal.

Bei den Gründen, aus denen ich ihn montierte, punktet der Road 5 wie erwartet: Es ist schön, einen Reifen zu haben, der schnell warm wird und vor allem bei Kälte noch grippt. Wer je ein Live-Wärmebild eines Motorradreifens im Winter gesehen hat, weiß: Nach der Kurve sind die Reifenflanken praktisch sofort wieder kalt.

Beim Nassgrip hat Michelin viel Kompetenz und dort hilft auch der weiche Aufbau der Front. Es muss aber schon kalt UND nass sein, damit ich persönlich damit schräger fahren würde als mit Michelin Pilot Power oder Pirelli Diablo Rosso, die im Sommerregen beeindruckende Verzahnung liefern. In Sachen Laufleistung verspreche ich mir in etwa die 8000 Kilometer, die Kollege Sebastian Bauer auf einer Honda CBR 600 erreichte (ebenfalls 160 hinten), werde aber zur Demontage noch ein Update liefern. Es scheint so, als tendiere der Road 5 dazu, vorne etwas schneller zu verschleißen als hinten.

Alles in allem ist der Michelin Road 5 glaube ich wirklich ein guter Nass-Kalt-Reifen geworden. Nur in der Passung zur leichten Duke will ich noch andere Tourensportreifen probieren, weil sie mir nicht optimal scheint. (cgl)