Post aus Japan: Toyota und Honda geben bei Wasserstoff Gas
Die Autoriesen treiben schon länger Nippons nationale Wasserstoffstrategie voran. Nun haben sie gemeinsam ein mobiles Brennstoffzellenkraftwerk gezeigt.
Wenn ein Toyota-Fahrzeug vor dem Honda-Hauptquartier steht, muss groĂźes im Busch sein. In diesem Fall ist es ein konkretes Nebenerzeugnis der japanischen Wasserstoffallianz, deren Motoren die beiden Hersteller von Brennstoffzellenautos sind. Die beiden Autobauer haben gemeinsam das mobile Wasserstoffkraftwerk "Moving e" entwickelt, dessen Generator nicht aus Versehen wie ein Brennstoffzellenbus von Toyota aussieht, auf dem nun auch der Name Honda klebt.
Die Idee ist, dass der Bus in Katastrophenregionen, bei Konzerten oder mobilen Arbeitseinsätzen Strom für die jeweilige Gemeinschaft generieren soll. Nun wollen die beiden Hersteller alsbald in Feldtests die Leistungsfähigkeit ihrer Zusammenarbeit demonstrieren und dann wahrscheinlich vermarkten.
Gemeinsam geht's besser
Bei dem Vorhaben waren Firmenstolz und -bürokratien wahrscheinlich größere Hürden als die Technik an sich. Denn beide Autobauer poolten im Prinzip schon bestehende Technik. Toyota stellt seinen Brennstoffzellenbus mit allerdings doppelten Wasserstofftanks, Honda die Passagiere: zwei tragbare externes Ausgabegeräte des Typs Power Exporter 9000 sowie über 56 mittlerer und kleiner Akkus für die dezentrale Stromversteilung, die Honda seit Jahren anbietet.
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Die Ladestation verfügt durch die Verdopplung der Wasserstoffmenge über eine hohe Leistung und eine große Kapazität zur Stromproduktion, genauer erzeugt es laut dem Duo 454kWh mit einer maximalen Leistung von 18kW. Als Ideenspender hatte Honda in seinem Schauraum ein mögliche Einsatzfälle aufgebaut.
Mit den Batterien betrieben die Hersteller beispielsweise kameragestĂĽtzte Fiebermesser, die in Corona-Zeiten den Zugang zu Evakuierungszentren kontrollieren. In einer anderen Ecke stand ein Minivan mit einem mobilen BĂĽro und einer groĂźen Laterne, die ihren Strom aus einem Akku zogen, der vom Bus aufgeladen worden war.
Bus wird Ladestation
Auch für den von Akkus entleerten Bus haben die Wasserstoffverbündeten eine Nutzungsidee parat. Die "Ladestation" könne auch als Ruhezone für Menschen in Katastrophen dienen, wo sie ein "Nickerchen" machen können. Anträge auf eine Teilnahme an Feldversuchen nehmen die Partner gerne entgegen.
Auf den ersten Blick wirkt das ganze zwar wie ein simpler Werbegag für die Wasserstoffstrategie. Aber das Beispiel zeigt, dass sowohl Toyota als auch Honda bei aller Hype um Elektroautos weiterhin auch die Brennstoffzellentechnik fördern. Und damit sind sie nicht allein.
Japan war nicht nur das erste Land, dass eine eigene Wasserstoffstrategie vorgestellt hat. Diverse Unternehmen und Konsortien treiben Projekte voran, um so schnell wie möglich einen Massenmarkt für das flüchtige Element zu schaffen. Dies zeigen Entwicklungen der vergangenen Monate.
Tepco will grĂĽner werden
Unter den Stromerzeugern bemüht sich der Tokioter Versorger Tepco, mit neuen umweltfreundlichen Stromprojekten die Atomkatastrophe in seinem Atomkraftwerk Fukushima 1 im Jahr 2011 vergessen zu machen. Bei der Tochtergesellschaft Tepco Power Grid versucht Kenji Tateiwa das alte Stromnetz mit verteilter Energieerzeugung und -verteilung zu einem neuen, widerstandsfähigen System zu verschmelzen, das bei Naturkatastrophen nicht zusammenbricht und die Emissionen senkt.
Ein Element seiner Vision einer "anti-fragilen Energiestrategie" ist Wasserstoff. Japans Regierung fördert schon die Massenproduktion von Wasserstoff aus Kohle in Australien und Gas in Südostasien. Es gibt auch schon die ersten Tanker, die allerdings bisher extrem viel Diesel als Treibstoff verwenden. Tateiwa nun schwebt ein umweltfreundliches Wasserstofftransporter vor, der aus seiner Fracht Energie für den Vortrieb gewinnt. Die Reeder schwimmen schon in die Richtung. Kawasaki Kisen will versuchsweise auf einem seiner Frachtschiffe, das Kohle für Tepcos Kraftwerke anlandet, Kohlendioxidemissionen der Motoren einfangen. Nächstes Jahr schon könnte Kohle wenigstens umweltfreundlicher transportiert werden.
Der Technikkonzern Toshiba hat derweil eine Megawatt-Brennstoffzellenanlage für die Stromversorgung von Fabriken vorgestellt. Und Toyota wird mit fünf chinesischen Nutzfahrzeugherstellern ein Joint-Venture gründen, in dem die Partner Brennstoffzellentechnik für ihre Laster entwickeln. Merke: Auch in China trifft das entzündliche Gas auf explosives Interesse. Und Japans Unternehmen wollen sich an der Flamme wärmen. Dabei sind sie sogar zu Ehen über alte Gräben hinweg bereit, wie Toyota und Honda gerade demonstrieren.
(bsc)