Vorstellung: Audi SQ5 TDI
Audi packt wieder einen kräftigen Diesel in das SUV Q5. Leistung und Gewicht sind üppig, der Aufwand, Verbrauch und Abgas zu zügeln, bemerkenswert.
Audi bietet wieder einen SQ5 TDI an. Der Aufwand, der hier für Antrieb und Abgasnachbehandlung betrieben wird, ist enorm.
(Bild: Audi)
Der Diskussion darüber, ob ein kräftiges SUV mit Dieselmotor zeitgemäß ist, entzieht sich die Industrie auf bekannte Art und Weise: Gebaut wird, was sich am Markt platzieren lässt. Dort gibt es eine Nachfrage nach entsprechenden Modellen und so sollte man nicht zuvorderst Audi dafür verfluchen, die nächste Generation des SQ5 TDI an den Start zu bringen. Er wird, wie seine Vorgänger, Abnehmer finden, die diese Kombination schätzen.
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Mit einer Hybridisierung und einer erweiterten Abgasnachbehandlung wird den weiter verschärften Vorschriften zu Verbrauch und Abgasentgiftung Rechnung getragen. Dabei geht durchaus um mehr als nur um vordergründige Kosmetik an der Oberfläche, schließlich lassen sich beim Flottenverbrauch die durstigsten fünf Prozent nicht mehr lange ausblenden. Deshalb gibt es nun einen 48-Volt-Riemen-Starter-Generator. Der kann ein wenig zuarbeiten, vor allem aber den Verbrenner in einem erweiterten Bereich des besten Wirkungsgrades halten. Für eine Lastpunktverschiebung braucht es weder viel Leistung noch große Batterien. Audi verspricht, das System habe das Potenzial, den „Kundenverbrauch bis zu 0,7 Liter pro 100 Kilometer zu senken“. Der Nachteil ist natürlich: Seinen größten Vorteil hat das Konzept eines Mildhybriden, wenn das Geschwindigkeitsprofil niedrig und wechselhaft ist. Für einen dauerhaften Einsatz in der Stadt wird sich aber vermutlich kaum jemand einen SQ5 TDI hinstellen.
Abgasnachbehandlung
Weiter ausgebaut wurde im SQ5 TDI die Abgasnachbehandlung. Nach dem Verlassen des Zylinders hat das Gas eine ganze Reihe von Stationen vor sich: Turbolader, eine SCR- und Partikelfilter-Kombination, Oxi-Kat und ein zweiter SCR-Kat – ein Teil des Gases durchläuft einen abzweigenden Strang und wird erneut dem Brennraum zugeführt. Der zweite SCR-Kat soll unterschiedliche Betriebssituationen und Abgastemperaturfenster abdecken. Stickoxid dürfte am Endrohr kaum noch messbar sein. Der Harnstoffvorrat ist im SQ5 TDI 24 Liter groß.
Audi SQ5 TDI 2021 (7 Bilder)

Die Zielgruppe wird beides möglicherweise zur Kenntnis nehmen, im Vordergrund steht aber, „wie das Ding geht“. Wäre es anders, wäre die Kaufentscheidung auch irgendwie schräg. Der neue SQ5 mit seinem Dreiliter-V6 bietet 251 kW (341 PS) und 700 Nm Drehmoment. Das sollte trotz eines Leergewichts von 2085 kg für nachdrückliche Beschleunigung mehr als nur ausreichen. Die Werksversprechen lautet 5,1 Sekunden im Sprint auf Tempo 100, bei 250 km/h wird weiteren Wünschen nach noch mehr Geschwindigkeit elektronisch ein Ende bereitet.
Druckaufbau
Das maximale Drehmoment liegt nun zwischen 1750 und 3250/min an. Damit steht es wesentlich früher und über einen weiteren Bereich zur Verfügung als im direkten Vorgänger. Nach wie vor gibt es einen elektrischen Verdichter, der immer dann antritt, wenn der Turbolader noch nicht genügend Ladedruck aufgebaut hat. Damit sollen die letzten Reste eines möglichen Turbolochs zugeschüttet werden. Diesem entgegen soll auch ein erleichtertes Verdichterrad wirken.
Natürlich stecken in diesem „Premium-Diesel“ alle Entwicklungen, die Audi aktuell zur Verfügung hat. Die Kraftstoffeinspritzung erfolgt in bis zu acht Teilmengen mit maximal 2500 bar. Neu ist ein Piezosensor, der das Schließen der Nadel im Magnetventil-Injektoren überwacht. Die Kolben sind nun nicht mehr als Aluminium, sondern aus Stahl. Audi verspricht sich von dieser Umstellung geringere Wärmeverluste und damit noch ein paar Gramm CO2 weniger auf den Kilometer. Schlussendlich nennt Audi im WLTP 8,2 Liter.
Verändert wurde auch die Ladeluft-Klimatisierung. Im bisherigen SQ5 TDI war ein Luft-Luft-Kühler eingebaut – der Fahrtwind hat also die Ansaugluft heruntergekühlt. Nun sitzt der Ladeluftkühler zwischen den Zylinderbänken und wird wassergekühlt. Bei sehr niedrigen Umgebungstemperaturen wird die Ansaugluft sogar vorgewärmt, unter anderem, um die Abgasnachbehandlung schneller auf Betriebstemperatur zu bekommen. Zu diesem Zweck wurde auch der Krümmer thermisch isoliert.
Hoher Aufwand
Insgesamt reichlich Aufwand also, den Audi in diesen Antrieb steckt. Es ist schwer vorstellbar, dass der noch weiter zulegen wird. Auf absehbare Zeit wird es immer kniffliger werden, die Entwicklungskosten für einen derart hochgerüsteten Diesel auf dem Markt wieder einzusammeln. Die enorme Abstimmungsarbeit, die diesen Antriebsstrang als Ganzes zusammenfügt, nötigt Technikinteressierten möglicherweise Respekt ab. Doch ein reiner E-Antrieb wirkt im Vergleich geradezu lächerlich simpel: Das ganze Wissen um Druckaufbau, Temperaturverteilung, Abgasnachbehandlung und auch die Verwaltung der vergleichsweise schmalen Drehzahlbereiche mithilfe von aufwendigen Getrieben hat hier einen Stand erreicht, der kaum noch weiter ausgebaut werden wird. Der Dieselmotor hat auch deshalb seinen Zenit längst überschritten.
Der SQ5 TDI soll im ersten Quartal 2021 auf den Markt kommen. Dennoch nennt Audi einen Preis inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer: 68.138 Euro. Sollte die Steuer wie geplant wieder auf 19 Prozent steigen, wären es 69.900 Euro. Die Serienausstattung ist durchaus nicht karg, wobei Audi natürlich wieder zahlreiche Möglichkeiten geschaffen hat, für Extras weitere Investitionen zu tätigen. Die 80.000-Euro-Marke lässt sich überschreiten, ohne in Luxus zu schwelgen. Wer dies anstrebt, zahlt mehr als 90.000 Euro für den SQ5 TDI. Der Kundenkreis ist nicht riesig, aber zahlungswillig.
(mfz)