Erste Proberunde in der Mercedes C-Klasse W206

Noch im Februar will Mercedes die nächste C-Klasse vorstellen. Wir konnten uns bereits einen ersten Eindruck vom neuen Modell verschaffen.

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Mercedes C-Klasse W206

(Bild: Mercedes)

Lesezeit: 7 Min.
Inhaltsverzeichnis

Die C-Klasse mit der internen Bezeichnung hat sich wacker gegen den SUV-Trend geschlagen. Kein Wunder, das Auto gilt als sehr komfortabel und solide. Die fünfte Generation der C-Klasse bricht deshalb mit dem erfolgreichen Vorgänger auch nicht komplett. Eine optische Revolution bleibt aus. Die Limousine wird mit 4,75 m etwas länger. Front und Heck erinnern, soweit man das durch die Folien erkennen kann, an die größere E-Klasse. Das für den westeuropäischen Markt wichtigere T-Modell startet im Juni, die Limousine vermutlich ein paar Wochen vorher. Das SUV auf dieser Basis – der GLC – folgt 2022.

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Offizielle Bilder vom Innenraum gibt es noch nicht. Was wir schon verraten dürfen und auch auf Erlkönig-Bildern zu sehen ist: Grundsätzlich ähnelt sie der S-Klasse, auch wenn die C-Klasse gerade im Serientrimm natürlich einfacher ausgekleidet ist. Ein Navigationssystem ist nun serienmäßig, was nur konsequent ist, denn die Einbauquote dürfte zuletzt nahe an Wahlergebnissen für die SED gelegen haben – trotz ihrer Qualitäten, möchte man noch hinzufügen. Denn wirklich überzeugend war der weniger teure von zwei Wegweiser eher nicht. In der neuen C-Klasse ist die Serienausstattung an kleineren Displays für Kombiinstrument und Mittelkonsole zu erkennen. In der aufpreispflichtigen Variante sind beide größer, der in der Mitte umfasst dann auch die Regelung der Klimaautomatik.

Umstellen müssen sich die Kunden bei den Antrieben – zumindest jene, die bislang eine sehr kräftig motorisierte C-Klasse fuhren. Acht- und auch die Sechszylinder sind Geschichte, fortan arbeitet stets ein Vierzylinder am Vortrieb. Die Benziner C 180 und C 200 bleiben bei 1,5 Litern Hubraum, werden allerdings etwas stärker. Der C 180 kommt auf 125 kW (170 PS), die von einem Startergenerator mit 15 kW kurzzeitig unterstützt werden. Der C 200 war bisher schon mildhybridisiert, auch hier wird der Benziner mit nun 150 kW (204 PS) etwas mehr Kraft bekommen. Der C 300 hat einen Zweiliter-Benziner mit 190 kW (258 PS), auch er bleibt ein Mildhybrid. Mehr Leistung wird nachgereicht, im Spitzenmodell mit AMG-Logo sollen es über 368 kW (500 PS) sein.

Mercedes C-Klasse W206 (8 Bilder)

Noch im Februar will Mercedes die fĂĽnfte Auflage C-Klasse offiziell vorstellen. Eine Revolution im Design bleibt aus.

Mercedes geht hier bewusst ein Risiko ein, denn der besondere Reiz von mehr als vier Zylindern war einer gar nicht so kleiner Gruppe von Käufern erhebliche Aufschläge wert. Das hat nicht nur etwas mit den drei offensiven AMG-Modellen zu tun. Der C 400 war mit seinem samtigen V6 etwas Besonderes in diesem Segment. Seine Laufkultur dürfte vielfach eher den Ausschlag gegeben haben als die erhebliche Mehrleistung gegenüber dem C 300.

Das Dieselangebot besteht aus dem im Vorgänger sehr populären C 220d mit nun 147 kW (200 PS) und dem C 300d mit 195 kW (245 PS). Relativ rasch dürfte noch ein Diesel mit rund 120 kW (160 PS) folgen, den Mercedes im Flottengeschäft braucht. Die zumindest vorerst einzige Option, die neue C-Klasse elektrisch zu bewegen, werden zwei Plug-in-Hybride sein. Mercedes kombiniert hier nach wie vor einen Benziner und einen Diesel mit dem E-Motor. Man darf davon ausgehen, dass die Batterie geschickter integriert ist als im Vorgänger. Dort störte ein Kasten im Kofferraum. Die Batterie soll mehr als 20 kWh haben, ob sie die Größe der im S-Klasse PHEV erreicht, darf aber bezweifelt werden. Denn auch für künftige Fördervorgaben wären etwas mehr als 20 kWh in der C-Klasse locker ausreichend. Gesetzt ist dagegen eine Lademöglichkeit mit Gleichstrom, die beispielsweise den aktuellen Plug-in-Hybriden in der E-Klasse fehlt.

Veränderungen gibt es auch bei der Ausstattung. Ein Schaltgetriebe wird nicht mehr angeboten, vermissen werden es nur wenige. Die geschmeidige Neungang-Wandlerautomatik passt zur C-Klasse ohnehin viel besser. Das in dieser Klasse ungewöhnliche Luftfeder-Fahrwerk, bei Mercedes Airmatic oder auch Air Body Control genannt – wurde schon letzten Modelljahr des Vorgängers aus dem Programm genommen. Die Zahl der Kunden, die dafür mehr als 1500 Euro zusätzlich auf den Tisch gelegt haben, war zu gering. Ähnlich wie beim Sechszylinder dürfte auch diese Entscheidung zahlungsbereiten Kunden nicht gefallen. Die Möglichkeit, sich für reichlich Aufgeld von Konkurrenten abzusetzen, sind wieder einmal beschnitten worden.

Zu den Preisen wird es frühestens am Tag der offiziellen Vorstellung Informationen geben. Der Vorgänger war als Limousine ab 35.670 Euro, als T-Modell ab 37.336 Euro zu haben. Mit der etwas umfangreicheren Serienausstattung und mehr Leistung versehen wird der C 180 vermutlich schon als Limousine bei etwa 40.000 Euro liegen. Ein C 220d T-Modell mit der Ausstattung, die viele Kunden ordern, lag bei mehr als 55.000 Euro. Für alle, die sich privat für eine C-Klasse interessieren, keine hohen Ansprüche an die Motorisierung und keine ungewöhnlichen an die Ausstattung stellen, lohnt ein Blick auf junge Gebrauchtwagen. Die finden sich las T-Modell inklusive Navi, LED-Scheinwerfern und Schiebedach schon für unter 30.000 Euro. Wer nicht die aktuellste Ausführung der C-Klasse haben will, kommt so an ein ausgereiftes Auto, das besser fährt als die meisten Neuwagen, die für diese Summe zu haben sind.

Der Nachfolger setzt sich bei der Dämmung und beim Infotainment spürbar ab, wie eine erste kurze Proberunde zeigte. Im Vorgänger hatten einige Kunden hartnäckige Windgeräusche bemängelt, das Nullserien-Modell, mit dem wir fahren konnten, war in dieser Hinsicht unauffällig. Das große Infotainmentsystem arbeitet sehr schnell und reagiert auf Spracheingaben nahezu fehlerfrei. In der Qualität ist das herausragend. Nochmals verbessert zeigen sich auch die Sitze. Mehr als zuvor sitzt man in und nicht auf ihnen. Neu in der C-Klasse ist eine mitlenkende Hinterachse, die, so verspricht es Mercedes, Agilität, Dynamik und Einparkkomfort verbessern soll.

Ob diese Schritte reichen werden, um in diesem Segment weiterhin vorn mitzuspielen, muss sich zeigen. Der Wandel bei den Antrieben schreitet aktuell mit derart hohem Tempo voran, dass die Entscheidung, auf dieser Basis keinen batterieelektrischen Strang anzubieten, zumindest mutig erscheint. Ziemlich sicher ist aber ein Elektroauto in der Größe einer C-Klasse in Arbeit. Es wird dann nur unter einem eigenen Label laufen – so wie EQA, EQE und EQS es vorzeichnen.

(mfz)