Großbritannien will ein klein bisschen autonomes Fahren zulassen
Staufolgefahren deluxe? Assistenzfunktionen sollen im britischem Verkehr künftig bis 60 km/h die Längs- und Querführung übernehmen dürfen. Versicherer warnen.
Der Vorstoß des britischen Verkehrsministeriums soll das autonome Fahren voranbringen. Es gibt ernstzunehmende Zweifel. Im Bild ein Jaguar-Versuchsfahrzeug
(Bild: Jaguar MENA/CC BY-2.0)
- Florian Pillau
- mit Material der dpa
Die britische Regierung möchte Autofahrern unter bestimmten Umständen das Fahren ohne Hände am Steuer erlauben. Laut Verkehrsministerium sei eine entsprechende Überprüfung eingeleitet worden. Eine Zulassung von autonomem Fahren per Assistenzsystem noch in diesem Jahr sei möglich.
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Es geht zunächst um Autos mit einer Kombination aus zwei Assistenzfunktionen. Einer, die das Fahrzeug innerhalb einer Fahrspur halten kann und einer zweiten für den korrekten Abstand zu anderen Autos. In ihnen sollen sich britische Fahrer bereits im laufenden Jahr auf Schnellstraßen bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von etwa 60 km/h (37 mph) führen lassen dürfen und, wie die Zeitung The Guardian schreibt, "dabei lesen oder einen Film ansehen". Sollte sich die Geschwindigkeit erhöhen, muss das System die Führung innerhalb von zehn Sekunden an den Fahrer rückübergeben. Bislang muss sich die Führung in Autos mit dieser Ausstattung nach Warnung abschalten, wenn der Fahrer die Hände nicht am Lenkrad hat.
"Großer Schritt zu grünerem und zuverlässigerem Verkehr"
The Guardian zitiert Verkehrsminister Rachel Maclean, für den autonomes Fahren "ein großer Schritt sei, den Verkehr grüner, einfacher und zuverlässiger" zu machen. Es soll auch helfen, die Sicherheit auf Straßen zu verbessern, da mehr als 85 Prozent aller Unfälle auf menschliche Fehler zurückzuführen seien, hieß es in der Mitteilung der Regierung.
Der Chef des Verbands der britischen Automobilhersteller und -händler SMMT, Mike Hawes, begrüßte den Vorstoß. Großbritannien werde damit zum Vorreiter für Sicherheit auf der Straße und Automobiltechnologie, so Hawes der Mitteilung zufolge.
"Missbrauch von Assistenzsystemen mit vielen Opfern"
Der Direktor des von den Versicherern betriebenen Forschungsinstituts Thatcham Research, Matthew Avery, sagt gegenüber der Zeitung "Gesetzgeber und Autoindustrie müssen allerdings noch eine Menge Arbeit leisten, bis Autos als autonom bezeichnet und sicher auf den Straßen des Königreichs unterwegs sein können". Man solle die Bezeichnung "autonom" so lange nicht benutzen, solange noch ein Fahrer nötig ist. Er sei "besorgt, dass die Regierung mit einem Missbrauch der Bezeichnung zum häufigen Missbrauch von Assistenzsystemen beitragen könnte, wie er bereits zu zahlreichen tragischen Opfern geführt hat."
Auch der Automobilclub AA warnte davor: "Zweifellos kann Fahrzeugtechnologie Leben retten, aber wir sollten kein Wettrennen darum veranstalten, dass Fahrer die Hände vom Steuer nehmen", sagte AA-Präsident Edmund King der Zeitung.
(fpi)