Vorstellung: BMW 2er Coupé
Das wird er wohl sein: Der letzte BMW nach alter Schule. Reihen-Sechszylinder, Hinterradantrieb - ein richtiger BMW. Eine Neuvorstellung mit Wehmut?
(Bild: BMW)
- Christian Lorenz
Die Neuauflage des 2er CoupĂ©s könnte Ende und Höhepunkt der BMW-typischen Freude am Fahren markieren, bevor sich die Marke in Zukunft neu erfindet. Hinterradantriebsarchitektur, lĂ€ngs eingebauten Motoren, Reihensechszylinder-Topmodell und im Vergleich zum VorgĂ€nger sogar (geringfĂŒgig) weniger Gewicht - klassische Markenwerte von BMW, wenn man so will.
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No-Bullshit-Manier
Das 2er CoupĂ© zelebriert schon seit 2014 die Quintessenz des gusseisernen Markenkerns unter demselben Namen, wie ihn ein charakterloser Klein-Van demĂŒtigt. Die Modellbezeichnung 220i treibt BMWs Meisterschaft in der zweifelhaften Tugend auf die Spitze, eine Sache und ihr konsequentes Gegenteil unter ein- und derselben Bezeichnung zu verkaufen. Bei der Neuauflage scheint tatsĂ€chlich in lĂ€ngst vergessener geglaubter No-Bullshit-Manier die reine Fahrphysik im Vordergrund gestanden zu haben. DafĂŒr spricht schon das breitere Ausrollen des Fahrwerks.
Breitere Spur
Das intern G42 genannte 2er CoupĂ© ist 105 mm lĂ€nger und 64 mm breiter als sein VorgĂ€nger F22, der noch vom, in dieser guten alten Zeit noch hinterradgetriebenen, 1er abgeleitet war. SpĂŒrbarer dĂŒrften aber 51 mm mehr Radstand und eine breitere Spur sein. So ist die Spurweite des G42 an der Vorderachse um 54 mm und an der Hinterachse um 31 mm gewachsen.
BMW 2er CoupĂ© auĂen (13 Bilder)

(Bild: alle BMW )
Das neuerdings allradgetriebene Topmodell M240i xDrive steht mit einem Spurweitenplus von 63 mm an der Vorderachse und 35 mm an der Hinterachse im Vergleich zum VorgĂ€nger sogar noch breiter auf der StraĂe. Dazu verspricht BMW eine Karosserie mit um 12 Prozent mehr Torsionssteifigkeit.
Eine Achslastverteilung von ânahezu 50:50â und ein Fahrwerk mit Komponenten aus der aktuellen 4er-Reihe sprechen ebenso fĂŒr optimiertes Fahrverhalten wie das um etwa 9,6 kg reduzierte Gewicht im Vorderwagen. Erreicht wird diese Erleichterung unter anderem durch Aluminium in den DruckgussfederstĂŒtzen, dem MotorlĂ€ngstrĂ€ger sowie in Motorhaube und vorderen SeitenwĂ€nden.
PrÀziser und komfortabler
Aus aktuellem 3er und 4er bekannte Fahrwerkstechnologie mit reduzierten ungefederten Massen und hubabhĂ€ngigen StoĂdĂ€mpfern dĂŒrfte die Quadratur des Kreises hinbringen mit prĂ€ziserem Fahrverhalten einen besseren Fahrkomfort zu realisieren. Zumal schon der VorgĂ€nger hier nicht enttĂ€uschte und sowohl bei Komfort als auch PrĂ€zision deutlich besser war als die BMWs mit Frontantriebsarchitektur (frĂŒher UKL: âuntere Klasseâ).
Topmodell mit heckbetontem Allrad
Da lĂ€sst es sich verschmerzen, dass adaptive DĂ€mpfer nur als Option fĂŒr das vorlĂ€ufige Topmodell M240i xDrive erhĂ€ltlich sind. Anders als die ebenfalls xDrive genannte Antriebsoption der Modelle auf UKL-Basis besitzt der vorerst stĂ€rkste 2er einen permanenten Allradantrieb mit heckbetonter Kraftverteilung 40:60. Bei den Fronttrieblern kommt erst der Schlupf und dann erst wird die Hinterachse per Drehmomentkupplung âangehĂ€ngtâ.
Optionales M-Sportdifferenzial
FĂŒr den M240i xDrive ist darĂŒber hinaus ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial mit bis zu 100 Prozent Sperrwirkung an der Hinterachse erhĂ€ltlich, das ihn querdynamisch nochmals in eine höhere Liga bringen dĂŒrfte. Die LĂ€ngsdynamik zelebriert ein letztes Mal das ikonische bayerische Motorenwerk: den Reihensechszylinder.
Anders als bei 3er und 4er werden die Benziner im 2er-Coupé nicht einmal mild hybridisiert. Ein 48-Volt-Bordnetz bleibt dem einzigen Dieselmodell 220d vorbehalten. Die pure Verbrennung liefert im Topmodell 275 kW (375 PS) aus dem turbogeladenen Dreiliter-R6. Als Alternative gibt es zunÀchst nur den 220i mit 135 kW.
Der stimmigste kommt spÀter
Ich wĂŒrde auf den 230i mit 180 kW starkem Vierzylinder, Hinterradantrieb und optionalem M Sportdifferenzial an der Hinterachse warten. WĂ€hrend die drei anderen Modelle ab dem nĂ€chsten FrĂŒhjahr ausgeliefert werden, ist der 230i als NachzĂŒgler im Sommer 2022 geplant. Der stĂ€rkste Vierzylinder dĂŒrfte am meisten FahrspaĂ fĂŒrs Geld liefern.
Bediensystem OS7
Bei Cockpit und Assistenzsystemen bietet der neue 2er jetzt den Standard aller Verbrennermodelle, beim Infotainmentsystem schaltet BMW nicht in die nĂ€chste Generation: Es bleibt beim OS7. Der Verzicht auf die neueste Ausbaustufe OS8, die es ab November zunĂ€chst nur in den Elektroautos iX und i4 gibt, dĂŒrfte im Alltag leichter fallen als gedacht. SchlieĂlich ist es mit den frei belegbaren Direktwahltasten und physischem Bedienpaneel fĂŒr die serienmĂ€Ăige Drei-Zonen-Klimaautomatik ergonomischer.
BMW 2er Coupé innen (7 Bilder)

(Bild: alle BMW)
Erstmals ist das 2er CoupĂ© mit einem Head-up-Display erhĂ€ltlich, es wurde wie der Rest der Anzeigen aus dem aktuellen BMW-Baukasten ĂŒbernommen. Die KonnektivitĂ€t ist mit Updatemöglichkeiten âover the airâ und des Ăffnens und Startens per iPhone (Option) auf dem Stand, den es heutzutage braucht.
Premiere in Goodwood
Die drei DebĂŒtversionen des 2er CoupĂ©s werden ab FrĂŒhjahr nĂ€chsten Jahres zu den Kunden geliefert. Die Premiere findet standesgemÀà auf dem "Goodwood Festival of Speed" statt, das am 8. Juli 2021 seine Pforten öffnet. Die Preise liegen bei 39.700 Euro fĂŒr den 220i und 42.800 Euro fĂŒr den 220d. Das Sechszylinder-Topmodell M240i xDrive kostet 56.000 Euro. Das erscheint im Vergleich zum Kompakten M135i xDrive geradezu preiswert, und zwar im besten Sinne des Wortes. Der krĂ€ftigste 1er wirkt mit Vierzylinderstangenware an Frontantriebsarchitektur weniger ârundâ und emotional als ein VW Golf GTI â und dafĂŒr verlangt BMW unverhandelt unglaubliche 51.450 Euro. Noch nie gab es fĂŒr weniger als 5000 Euro Aufpreis den ganzen Markenkern von BMW.