Vorstellung: Mercedes SL 2022
Mercedes stellt einen neuen SL vor, was manch einen, der schon mit dem Ende der Baureihe gerechnet hat, verwundern dĂĽrfte.
(Bild: Mercedes)
Mercedes hat die Entwicklung des neuen SL aus der Hand gegeben, allerdings in eine, die ganz nah am Hersteller selbst operiert. AMG hat das Projekt SL ĂĽbernommen, und zumindest optisch hat es dem Auto nicht geschadet. Er orientiert sich stark am aktuellen AMG GT Roadster mit Vertikal-KĂĽhlergrill und Leuchten im CLS-Design. Dabei betont Daimler, dass der Wagen mit dem aktuellem AMG GT ebenso wenig gemein hat wie mit dem bisherigen SL, denn er basiert auf einer komplett neu entwickelten Fahrzeugarchitektur. Das Chassis besteht aus einem Aluminium-Spaceframe mit einer selbsttragenden Struktur.
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"L" wie "Luxus" statt "Leichtbau"
Der SL war in den vergangenen Jahrzehnten stets dem zeitgemäßen Luxus verpflichtet, und nicht dem Leichtbau. Daran ändert sich auch mit der nächsten Generation nichts. Mit knapp zwei Tonnen ist der SL von einem minimalistischen Roadster maximal entfernt. Er überbietet damit seinen direkten Vorgänger, der noch ein Stahl-Klappdach hatte. Der Neue setzt wieder auf ein Stoffverdeck – das konnte man zuletzt im R129 kaufen, der bis 2001 gebaut wurde. Offiziell wird der SL übrigens als 2+2-Sitzer verkauft, doch wie schon in der Vergangenheit sollte die hinteren Plätze eher als Gepäckablage betrachten. Der Kofferraum fasst zwischen 213 und 240 Liter.
MBUX auch im SL
Natürlich wird über dem SL nahezu das komplette Infotainment-Füllhorn ausgeschüttet. Die aktuelle MBUX-Generation bedeutet, wie schon in der C-Klasse, einen riesigen Fortschritt, nicht nur bei der Anzahl der Funktionen, sondern vor allem bei der Bedienung per Sprache. Im Vorgänger war anfangs noch ein Sechsfach-DVD-Wechsler ein Highlight, jetzt sind es diverse Clouddienste. Das große Display in der Mitte lässt sich zwischen 12 und 32 Grad in der Neigung verstellen. Was in den SL nicht einbaut wird, ist die optionale Display-Flut aus dem Mercedes EQS, die dort treffend "Hyperscreen" genannt wird.
Zum Start gibt es zwei V8-Benziner mit 350 und 430 kW, die 700 bzw. 800 Nm bereitstellen. 3,9 Sekunden und 295 km/h Spitze lauten die Eckdaten für das Einstiegsmodell, was die Frage aufwirft, ob da wirklich die Notwendigkeit einer nochmals flotteren Ausführung besteht. Wer sie stellt, gehört vermutlich ohnehin nicht zur Zielgruppe. Doch auch in dieser wird sich hier und da möglicherweise Zweifel regen, ob 80 kW mehr, die das Cabrio zu 315 km/h und einer Zeit von 3,6 Sekunden im Standardsprint befähigen, den Genuss des SL-Fahrens entscheidend erweitern.
Alternativen zu den V8-Benzinern
Mercedes verspricht höchstmögliche Effizienz für niedrige Verbrauchs- und Emissionswerte. 11,8 bis 12,7 Litern werden im WLTP als vorläufige Werte genannt, die anvisierte Kundschaft wird es mehrheitlich wohl hinnehmen, so sie es denn wahrnimmt. Alternativen zu den beiden V8-Benzinern sind zwar geplant, doch der V12 wird es nicht mehr in das Cabriolet schaffen, ein batterieelektrischer Antrieb ebenso wenig. Geplant ist aber ein "Performance-Hybrid", wobei auch hier das Hauptaugenmerk auf mehr Schub liegen dürfte – und nicht auf einem geringeren Verbrauch.
Mercedes SL 2022 (10 Bilder)

Neungangautomatik, Allradantrieb und -Lenkung sind stets serienmäßig. Unterschiede zwischen den Motor-Varianten macht AMG auch beim Fahrwerk. Der weniger kräftige V8 ist mit einem Stahlfederfahrwerk ausgestattet. Vorne wie hinten arbeitet eine Fünflenkerachse. Im SL 63 ist dagegen eine hydraulische Wankstabilisierung verbaut, bei der aktive Hydraulikelemente die mechanischen Querstabilisatoren ersetzen und die Karosseriebewegungen ausgleichen. Wahlweise hat der SL 19-, 20- oder 21-Zoll-Felgen montiert.
(mfz)