Vorstellung Aprilia Tuareg 660: Leicht im Vorteil
Aprilias Mittelklasse-Reiseenduro bekommt den bekannten 660er-Zweizylinder und ein geländetaugliches Fahrwerk. Ihr Riesenvorteil: sie ist ausgesprochen leicht.
Gegen den Trend der zum Geländefahren zu schweren Reiseenduro stemmt sich die neue Aprilia Tuareg.
(Bild: Aprilia)
- Ingo Gach
Aprilia präsentiert eine attraktive Reiseenduro in der Mitteklasse. Die Tuareg 660 macht mit langen Federwegen und großer Reichweite sogar Touren zum namensgebenden Volk in der Sahara möglich. Der Motor aus der Tuono 660 bietet in der Tuareg 660 schon früher mehr Drehmoment, dafür sinkt die Höchstleistung etwas.
Videos by heise
Nachdem sich die Yamaha 700 Ténéré zum Bestseller entwickelt hat, wollte Aprilia nicht weiter zurückstehen und pflanzte den munteren Zweizylinder aus der RS 660 und Tuono 660 in ein geländetaugliches Fahrwerk. Auf der EICMA 2019 stand sie noch halb versteckt in einer Vitrine, zum größten Teil verdeckt von allerlei Pflanzen. Einerseits wollte Aprilia nicht zu früh Details zeigen, andererseits waren die Italiener erpicht darauf zu verkünden, dass sie eine Reiseenduro in der Pipeline hatten. Die italienische Marke hoffte damit zu verhindern, dass alle Offroad-Fans, die seit langem nach einer leichten Reiseenduro lechzten, vorschnell zur Yamaha 700 Ténéré griffen.
Historisches Vorbild
Aprilia verweist in seiner Historie auf die Tuareg 600 Wind, die von 1986 bis 1992 in Noale vom Band lief. Ihre Kombination aus einem leichten, 46 PS leistenden Einzylinder, weiten Federwegen und dem großen Tank ließ sie für einige zum Mittel der Wahl für Wüstendurchquerungen werden – Aprilia hatte mit diesem Bike an der berüchtigten Rallye Paris-Dakar teilgenommen. Im Gedenken an die Urahnin legt die Marke nun den Namen neu auf, aber bestückt die Reiseenduro mit einem Reihenzweizylinder. Der hat sich mit 270 Grad Kurbelwellenversatz schon in der RS 660 und Tuono 660 bewährt. Jedoch begingen die Entwickler nicht den Fehler, den Motor ohne Änderungen zu übernehmen. In dem Sportler Aprilia RS 660 leistet er immerhin 100 PS bei 10.000/min, die Aprilia Tuono 660 bringt es auf 95 PS. Beide Straßenmodelle brauchen hohe Drehzahlen für ihre Leistung.
Endurotugenden
Enduros sollten hingegen andere Tugenden vorweisen können: Früh anliegendes Drehmoment für kräftigen Durchzug aus niedrigen Drehzahlen zum Beispiel. Das wissen auch die Ingenieure in Noale. Um die Motorcharakteristik zu ändern, bekommt die Tuareg 660 Nockenwellen mit zahmeren Steuerzeiten und erreicht 70 Nm schon bei 6500/min. Zum Vergleich: Die RS und Tuono 660 bringen es auf 67 Nm bei 8500/min. 75 Prozent des maximalen Drehmoments der Tuareg stehen so bereits bei 3000 Touren zur Verfügung. Die Höchstleistung der Tuareg sinkt durch die Maßnahmen auf 80 PS bei 9250/min.
Aprilia Tuareg 660 Teil 1 (7 Bilder)

Zusätzlich wurde die Sekundärübersetzung gekürzt, die Enduro erhielt ein 15er-Kettenritzel und ein 42er-Kettenrad – so kommt mehr Drehmoment ans Hinterrad und lässt es besser durch Schlamm und Sand wühlen. Außerdem ist zusätzlich der erste Gang kürzer übersetzt, um etwa im Gelände das Vorderrad mit einem gezielten Gasstoß über Hindernisse heben zu können.
Stahl- statt Aluminiumrahmen
Auch beim Rahmen gingen die Entwickler einen gänzliche anderen Weg als bei den Straßenmodellen: Statt eines Brückenrahmens aus Aluminium setzen sie bei der Tuareg 660 auf einen Gitterrohrrahmen aus Stahl. Dass Aprilia es mit der Geländetauglichkeit ernst meint, zeigt das Fahrwerk: Vorne kommt eine voll einstellbare Kayaba-Upside-down-Gabel mit satten 240 Millimeter Federweg zum Einsatz. Das voll einstellbare hintere Federbein weist ebenfalls 240 Millimeter Federweg auf, damit sollte die Tuareg 660 auch üble Unebenheiten im Gelände schlucken.
Allerdings resultiert daraus eine nicht gerade niedrige Sitzhöhe von 860 Millimeter. Geländetauglich rollt die Aprilia auf Drahtspeichenrädern in 21 Zoll vorne und 18 Zoll hinten und die Pirelli Scorpion Rally STR – die gleichen Reifen wie auf derYamaha 700 Ténéré und vielen anderen Enduro-Modellen – bilden einen guten Kompromiss für den gemischten On- und Offroad-Einsatz.