Chip-Mangel: Autohersteller mit hohen Gewinnen, Zulieferer leiden

Die Autoindustrie verdient derzeit gut, doch die Aussichten sind trĂŒbe. Derweilen geraten immer mehr Zulieferer in finanziell bedenkliche Schieflage.

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Der Mangel an Halbleitern zwingt die Hersteller, die Freiheit bei der Konfiguration einzuschrÀnken - nicht unbedingt zum eigenen Schaden.

(Bild: Pillau)

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  • dpa
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Der Halbleitermangel macht den Autozulieferern immer mehr zu schaffen. WĂ€hrend viele große Autohersteller im dritten Quartal 2021 Rekordgewinne machten, sind der Unternehmensberatung PwC zufolge nur noch 24 Prozent ihrer Zulieferer finanziell solide aufgestellt. 42 Prozent dagegen seien "inzwischen in einer finanziell angespannten Lage", teilte PwC mit. Die Chipkrise bremse ihre Transformation zur ElektromobilitĂ€t aus.

Die Berater hatten 494 Zulieferer aus 35 LÀndern unter die Lupe genommen. Im Sommer hÀtten Autohersteller und Zulieferer noch von Nachholeffekten und der steigenden Nachfrage nach E-Autos profitiert, sagte PwC-Branchenexperte Thomas Steinberger. Inzwischen hÀtten die Hersteller aus Sorge um die Lieferketten ihre Bestellungen hochgefahren. "Diese werden jedoch aktuell nicht abgerufen, da die Autohersteller aufgrund des Chipmangels nur verzögert Fahrzeuge ausliefern können", erklÀrte Steinberger.

Jetzt kĂ€mpften Zulieferer mit ĂŒberhöhten LagerbestĂ€nden bei steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Ihre wirtschaftliche Situation werde laufend schlechter. "Sollte sich die Lage nicht bald entspannen, werden sich viele Zulieferer genötigt sehen, weitere und hĂ€rtere Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten", sagte Steinberger.

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Dagegen haben die 16 grĂ¶ĂŸten Autokonzerne der Welt nach einer Studie der PrĂŒf- und Beratungsfirma Ernst & Young (EY) im vergangenen Quartal "mehr Gewinn erwirtschaftet als je zuvor": Ihre Verkaufszahlen brachen zwar um 16 Prozent ein, aber ihr Betriebsgewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 23,1 Milliarden und damit auf ein neues Rekordhoch. Denn die verfĂŒgbaren Mikrochips wurden in teure, profitable Modelle eingebaut. FĂŒr AutokĂ€ufer gibt es keine Rabatte mehr, weil die Nachfrage das Angebot ĂŒbersteigt. "Eine derartig gute Preisdurchsetzung hat die Branche schon sehr lange nicht erlebt", sagte EY-Branchenexperte Constantin Gall. "Selbst wenn sich die Halbleiterkrise im Lauf des kommenden Jahres entschĂ€rft, dĂŒrften die Preise noch eine Weile oben bleiben."

Der Chip-Mangel bringt Hersteller auf neue Ideen: Einige Ausstattungsdetails wie beispielsweise ein teures Soundsystem sind nur noch fĂŒr die Spitzenversionen zu haben. Im Bild: Harman/kardon-Lautsprecher im BMW 530e (Test)

(Bild: Pillau)

Trotzdem herrsche bei den Autoherstellern keine Feierstimmung: "Im Gegenteil" sagte EY-Partner Peter Fuß. Auch Unternehmen, die bislang noch ausreichend Halbleiter hatten, dĂŒrften Materialknappheit und Preissteigerungen zunehmend zu spĂŒren bekommen. Corona könnte zu weiteren ProduktionsausfĂ€llen und Logistikstörungen fĂŒhren. "Zudem stellt die aktuelle Situation die Zulieferer vor enorme, teils existenzielle Schwierigkeiten und letztlich sitzen Hersteller und Zulieferer im selben Boot. Die Hersteller sind auf solvente Zulieferunternehmen angewiesen", sagte Fuß.

In allen MĂ€rkten brach der Absatz im dritten Quartal ein, besonders aber in China, wo die deutschen Hersteller 31 Prozent weniger Autos verkauften. Chinas Anteil in ihrem Absatz schrumpfte damit erstmals seit 2015, von 39,4 auf 38, Prozent. In China "sehen wir derzeit besonders deutliche Auswirkungen der Chipkrise", sagte Fuß. Die Autokonzerne könnten jetzt nur noch bedingt auf die Materialknappheit reagieren. Langfristige VertrĂ€ge und unterschiedliche Bevorratungsstrategien ließen wenig Spielraum, sagte Gall. "Derzeit fahren alle auf Sicht." KĂŒnftig aber mĂŒssten verlĂ€ssliche Partnerschaften mit Lieferanten wichtiger sein, als "das letzte QuĂ€ntchen an Kostenoptimierung herauszuholen".

(mfz)