Vorstellung BSA Gold Star 650: Alles auf eins
Die Gold Star 650 ist das erste Modell der wiederbelebten Marke BSA. Sie Ă€hnelt ihrer Vorfahrin verblĂŒffend und setzt mutig auf einen groĂen Einzylinder.
(Bild: BSA)
- Ingo Gach
Es scheint sich ein gewisser Trend unter asiatischen Motorradherstellern abzuzeichnen, die Rechte an legendĂ€ren europĂ€ische Marken aufzukaufen und unter dem historischen Namen wieder Modelle anzubieten. TVS aus Indien hat das gerade mit Norton vorexerziert und QJ Motorcycle aus China schon vor etlichen Jahren mit Benelli. Auch der in Mumbai ansĂ€ssige Mahindra-Konzern hat begriffen, dass sich MotorrĂ€der mit berĂŒhmten Namen besser verkaufen lassen. Daher erwarb er 2016 das Recht von Jawa, auf dem indischen Markt selbst entwickelte Modelle unter dem Namen der tschechischen Marke anbieten zu dĂŒrfen. Die Jawa 300 CL wird recht gut auf dem Subkontinent von der Mahindra-Tochterfirma Classic Legends Pvt. Ltd. verkauft. Zur gleichen Zeit erwarb der Konzern aber auch den noch viel berĂŒhmteren Namen BSA, einst einer der gröĂten Motorradhersteller der Welt.
Mutiger Einzylinder
Der MilliardĂ€r und Besitzer der Mahindra Group, Anand Mahindra, wartete nach dem Kauf eine Weile mit der Wiederbelebung. Doch dann gab er grĂŒnes Licht fĂŒr die Entwicklung des ersten BSA-Modells, seit die Marke 1978 insolvent ging. Eigentlich war das DebĂŒt der neuen BSA bereits fĂŒr 2020 geplant, aber die Corona-Pandemie machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Doch jetzt wurde endlich die BSA Gold Star 650 enthĂŒllt. Optisch lehnt sie sich eng an ihr historisches Vorbild und das dĂŒrfte sich als cleverer Schachzug erweisen, schlieĂlich baut der indische Konkurrent Royal Enfield sehr erfolgreich Retro-Bikes und verkauft sie weltweit.
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45 PS und DoppelzĂŒndung
Wo hĂ€tte die BSA Gold Star 650 passender prĂ€sentiert werden können als auf der Motorshow in Birmingham? SchlieĂlich steht BSA fĂŒr "Birmingham Small Arms" und das Unternehmen begann bereits 1861 in der englischen Metropole Waffen herzustellen, ehe es ab 1910 auch MotorrĂ€der baute. Eines ihrer berĂŒhmtesten Modelle war die Gold Star, die von 1938 bis 1963 mit bis zu 500 cm3 produziert wurde. Sie erreichte hohe StĂŒckzahlen und errang zahlreiche Rennsiege. Die neue Gold Star 650 trĂ€gt ihr groĂes Erbe stolz zur Schau. Ein schwarz lackierter Doppelschleifenrahmen aus Stahl nimmt den 653 cm3-Einzylinder auf.
BSA Gold Star 650 Teil 1 (6 Bilder)

Die Motorisierung ist mutig, weil groĂe Einzylinder heute kaum noch gebaut werden und selbst Royal Enfield ist bei seinen 650er-Modellen auf Zweizylinder umgeschwenkt. Auch wenn der BSA-Motor klassische KĂŒhlrippen besitzt, wird er doch flĂŒssigkeitsgekĂŒhlt. Der Single leistet 45 PS bei 6000/min und bietet 55 Nm bei 4500/min. In seinem Zylinderkopf arbeiten vier Ventile, zwei Nockenwellen und eine DoppelzĂŒndung, auĂerdem verfĂŒgt der Motor ĂŒber zwei Ausgleichswellen, um Vibrationen zu reduzieren. BSA verkĂŒndet, dass sogar eine Anti-Hopping-Kupplung eingebaut ist und gibt das Leergewicht der Gold Star 650 mit 213 Kilogramm an.
KĂŒhler verrĂ€t die moderne Konstruktion
Ein KĂŒhler an der Front verrĂ€t die moderne Konstruktion, zum GlĂŒck springt er nicht allzu sehr ins Auge. Im Design gibt sich die Gold Star 650 betont traditionell: rundlicher Tank, dicke Sitzbank, hoher Rohrlenker, Rundscheinwerfer, groĂe KotflĂŒgel, eine nicht einstellbare 41-mm-Telegabel vorne und Stereo-StoĂdĂ€mpfer hinten, die sich in der Vorspannung fĂŒnffach verstellen lassen. Ein gelochtes Aluminiumblech um die Einspritzung soll die Illusion eines offenen Luftfilters erzeugen. Einige glĂ€nzend silberne oder polierte FlĂ€chen finden sich am MotorgehĂ€use, zudem runden Drahtspeichenfelgen, ein elegant geschwungenes KrĂŒmmerrohr sowie der Pea-Shooter-Auspuff den Auftritt gekonnt ab.
BSA Gold Star 650 Teil 2 (9 Bilder)

Vorne rollt die Gold Star 650 auf einem 18-Zoll-, hinten auf einem 17-Zoll-Rad mit Phantom-Sportscomp-Reifen von Pirelli in 100/70-18 bzw. 150/70-17. Zwei Rundinstrumente informieren den Fahrer ĂŒber Geschwindigkeit und Drehzahl. In beiden FĂ€llen ist die Skalierung sehr optimistisch: Der Tacho reicht bis 130 Meilen pro Stunde (209 km/h) und der Drehzahlmesser bis 10.000 U/min. Beides dĂŒrfte von dem Einzylinder nicht einmal annĂ€hernd erreicht werden. Ein ZugestĂ€ndnis an die Moderne sind zwei kleine LC-Displays in den Rundinstrumenten fĂŒr zusĂ€tzliche Infos.
Fertigung in England
Die Telegabel trĂ€gt nostalgische HĂŒlsen um die Tauchrohre, die Schwinge hinten besteht aus schwarz lackiertem Stahl. Die einzelne 320-mm-Bremsscheibe vorne wird von einer Brembo-Doppelkolben-Bremszange verzögert. Das schönste Detail dĂŒrfte fĂŒr viele Fans das BSA-Logo auf dem aufwendig lackierten 12-Liter-Tank sein. Zeugt es doch davon, dass die altehrwĂŒrdige Marke wieder zurĂŒck ist. Die ersten Gold Star 650 werden zunĂ€chst aus Indien kommen, die Endmontage der angelieferten Teile soll jedoch bald im GroĂraum Birmingham erfolgen. Mahindra ist bereits seit lĂ€ngerem in Banbury, sĂŒdlich von Birmingham ansĂ€ssig, wo der Konzern einen Rennstall unterhĂ€lt, der von 2011 bis 2017 an der Moto3-WM teilnahm, bevor er sich der FIA Formula E-Weltmeisterschaft zuwandte.
Elektro-MotorrÀder in Aussicht
Der Bau eines Werks in GroĂbritannien ist ein riskanter Schritt, wenn man bedenkt, dass die englische Marke Triumph nicht zuletzt auch wegen des Brexits inzwischen ihre MotorrĂ€der fast ausschlieĂlich im deutlich gĂŒnstigeren Thailand fertigt. Nicht, dass Mahindra Geldsorgen hĂ€tte, der Konzern baut neben MotorrĂ€dern unter anderem auch Autos und Flugzeuge und setzt mit seinen rund 250.000 Angestellten weltweit rund 19,4 Milliarden Euro um. Dennoch sollte sich die Produktion der MotorrĂ€der rentieren. Doch das dĂŒrfte in den ersten Jahren fĂŒr BSA mĂŒhsam werden. Allerdings hat Anand Mahindra bereits angekĂŒndigt, zukĂŒnftig unter dem BSA-Label auch Elektro-MotorrĂ€der bauen zu wollen.
Verkauf ab MĂ€rz
Die EinfĂŒhrung der Gold Star 650 im Vereinigten Königreich ist fĂŒr MĂ€rz 2022 angekĂŒndigt, wo BSA die ersten HĂ€ndler mit VertrĂ€gen ausstattet. Den Preis hat BSA noch nicht bekannt gegeben, soll jedoch angeblich zwischen 5000 und 6000 Pfund (ca. 5850 und 7000 Euro) liegen. Ob und, falls ja, wann die BSA Gold Star 650 auch nach Deutschland importiert wird, ist noch offen.
(mfz)