Mercedes GLC: Nachfolger ohne Bruch der Traditionen
Kein Mercedes hat sich in den vergangenen Jahren global so gut verkauft wie der GLC. Im Juni kommt die nächste Generation – wir konnten sie schon fahren.
Ab Juni will Mercedes den nächsten GLC ausliefern.
Mit dem GLC hat Mercedes den Geschmack der Kundschaft offensichtlich ziemlich gut getroffen. Weltweit verkauft sich das SUV besser als die C-Klasse, mit der es sich die technische Basis teilt. Im Juni steht der Generationswechsel auch beim GLC an, nachdem die C-Klasse im vergangenen Jahr diesen Schritt vollzogen hat. Eine erste Ausfahrt zeigt, dass sich Mercedes bemüht hat, die bisherigen Stärken weiter zu kultivieren. Das betrifft in erster Linie noch mehr Komfort. Ganz einfach dürfte das nicht werden, denn in dieser Hinsicht war schon das noch aktuelle Modell ziemlich überzeugend. Eine erste Ausfahrt mit einem Vorserienmodell unter frostigen Bedingungen zeigt aber, dass Mercedes trotzdem ein Fortschritt gelungen ist.
Noch leiser ...
Zwei Dingen fallen rasch auf: Der neue GLC wirkt noch besser gedämmt als sein Vorgänger. Der Prototyp war allerdings mit einem Dämmpaket ausgestattet, das es nur gegen Aufpreis geben wird. Doch die Entwickler vor Ort versprechen, dass der Neue auch ohne dieses Extra leiser werden wird. Bis hinauf zu einem auf deutschen Landstraßen üblichen Tempo blieb der Prototyp jedenfalls sehr ruhig.
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... und weicher gefedert
Beim Fahrwerk hat sich Mercedes, ähnlich wie schon bei der C-Klasse, für eine nochmals nachgiebigere Auslegung entschieden. Der GLC wippt zwar nicht nach, doch Dynamik war hier ganz klar zweitrangig. Mehr Rückmeldung liefert der Sportmodus des adaptiven Fahrwerks, alternativ wird es wohl auch die Möglichkeit geben, grundsätzliche eine straffere Kennlinie der Dämpfer ab Werk zu ordern. Der Kompromiss im Prototypen richtet sich an jene Fahrer, die eine möglichst weitreichende Abkopplung von der Straße bevorzugen. „Wir wollen, dass das Auto der Straße folgt, aber die Oberfläche nicht kopiert“, umschreibt es Daimler-Ingenieur Dominik Voogdt. Das ist gelungen.
Mercedes GLC 2022 (8 Bilder)

Einen deutlichen Handlingvorteil versprechen die Entwickler mit der aufpreispflichtigen Hinterachslenkung. Im sogenannten „Driving Package“ sind Luftfedern, Verstelldämpfer und eine 4,5-Grad-Hinterachslenkung enthalten. Durch die mitlenkenden Hinterräder verringert sich der Wendekreis von 11,8 auf 10,8 Meter. Das verspricht gerade in Parkhäusern gewisse Vorteile. Wer sich mit dem SUV tatsächlich auf unbefestigte Wege begibt, kann in einen Offroad-Modus wählen. Dort kann ein Bild errechnet werden, auf dem zu sehen ist, wie es vorn unter dem Auto aussieht. Die Idee ist nicht neu, Land Rover bietet seit einiger Zeit ein ganz ähnliches System an.
Kein Antrieb ohne Verbrenner
Gespannt waren wir, wie sich Mercedes bei seinem Bestseller im Bereich Antrieb positioniert. Im SUV wird nicht alles angeboten, was in der C-Klasse zu haben ist – und umgedreht. Alle Motoren sind mit einer Neungang-Wandlerautomatik und einem 48-Volt-Mildhybrid ausgestattet. Zum Start wird es zwei Benziner mit 150 und 190 kW sowie zwei Diesel mit 147 und 195 kW geben. Der Startergenerator ist im GLC mit 17 kW zwei Kilowatt stärker als in der C-Klasse.
PHEV: gut gerĂĽstet
Ergänzt wird das Angebot um zwei Plug-in-Hybride, einer mit Benziner, einer mit Diesel. Wie in der C-Klasse ist hier mit rund 25 kWh die Batterie für einen Plug-in-Hybriden ungewöhnlich groß. Die E-Reichweite soll im WLTP bei rund 100 km liegen. Damit überbietet Mercedes die absehbaren Verschärfungen der Förderkriterien, wobei aktuell noch niemand sagen kann, wie diese ab dem 1. Januar 2023 exakt aussehen werden. Wie auch immer sie aussehen werden, der GLC ist ziemlich gut gerüstet. Das gilt auch für das Thema Laden. Serienmäßig ist ein dreiphasiges Ladegerät mit bis zu 11 kW – das ist schon mehr als beispielsweise ein batterieelektrischer Opel Corsa ohne Aufpreis mitbringt. Gegen Aufpreis wird es, wie in der C-Klasse mit Plug-in-Hybrid, auch eine DC-Ladeoption mit bis zu 55 kW geben. Es ist wohl nicht zuletzt diesen Zutaten zu verdanken, dass der PHEV in der C-Klasse derzeit einer der gefragtesten Antriebe ist.
Entfeinert
Offengelassen hat Mercedes bei dieser Ausfahrt, wie es um einem batterieelektrischen Antrieb im GLC steht. Zwar kann inzwischen ein ähnlich großer EQB ausgeliefert werden, doch trotz nahezu identischer Abmessungen wird dabei eine andere Zielgruppe angesprochen. Der GLC war unter anderem bislang spürbar feiner ausgekleidet. Wie in der C-Klasse geht es in dieser Hinsicht aber eher rückwärts. Nirgendwo wird das so deutlich wie bei der billigen Verkleidung der Kopfstützen. Es wirkt wie ein Versuch, wie weit man einen Innenraum entfeinern kann, ohne das zu viele Kunden rebellieren.
Preise
Der zweite Mercedes GLC dürfte in den kommenden Wochen vorgestellt werden, die Auslieferung soll ab Juni erfolgen. Das Basismodell kostet aktuell 48.141 Euro, mit einem deutlichen Zuschlag bei umfangreicherer Serienausstattung darf gerechnet werden. Der neue GLC 200 dürfte rund 50.000 Euro kosten. Populär waren bislang vor allem der 220er-Diesel und die beiden Plug-in-Hybride. Wie sich das Interesse künftig verteilt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Förderung von PHEV verändert und wohin sich die Spritpreise entwickeln.
(mfz)