Marke? Eigenbau! Motorrad Mac Motorcycles Ruby

Es gibt sie noch, die echten Enthusiasten: Fünf motorradverrückte Freunde mit geballter Erfahrung bauen einen wunderschönen Café Racer im Stil der 60er-Jahre.

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Mac Motorcycles Ruby

(Bild: Mac Motorcycles Ruby)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Ingo Gach
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Viele träumen davon, einmal ihr eigenes Motorrad zu bauen. Nicht etwa einfach nur ein bereits vorhandenes Modell umzubauen, sondern etwas wirklich Eigenes zu erschaffen. Für die meisten wird es ein Traum bleiben, doch fünf motorradbegeisterte Freunde in England sagten sich: "Let’s do it!" Heraus kam die Marke Mac Motorcycle und ihr erstes Modell, benannt nach einem Edelstein.

Die fünf Gründer von Mac Motorcycles wollten unbedingt ein eigenes Motorrad entwickeln. Ellis Pitt (Produktionsingenieur), Ian Oliver (Entwicklungsingenieur), Clive Goodwin (Designer), Matthew Welch (Ingenieur) und Nathan Strefford (Mechaniker) hatten unterschiedlichem Hintergründe, vom Motocross über Trial bis hin zum Oldtimer-Sammler, doch sie einte der Enthusiasmus für Motorräder.

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Es entstanden hunderte von Zeichnungen und jeder brachte unzählige Ideen ein, bis die Ruby langsam Gestalt annahm. Ein Prototyp wurde bereits 2018 der Öffentlichkeit gezeigt. Heraus kam nun ein wunderschöner Café Racer mit liebevoll gestalteten Details. Die fünf Freunde wählten ihre Produktionsstätte in Malvern Link, nur ein paar Straßen vom legendären Autohersteller Morgan Motor Company entfernt.

Mac Motorcycles Ruby (6 Bilder)

Aus England kommt der wunderschöne Café Racer Ruby. Fünf Motorradenthusiasten gründeten dafür die Marke Mac Motorcyles.

Ursprünglich sollte der luftgekühlte 492-cm3-Einzylinder aus der Buell Blast 500 zum Einsatz kommen. Die kleine Buell wurde zwischen 2000 und 2009 produziert und leistete 34 PS. Doch Harley-Davidson, Inhaber der Markenrechte an der inzwischen eingestellten Marke Buell, verweigerte Mac Motorcycles die Neuauflage des Blast-Einzylinders. Enttäuscht sahen sich die fünf Engländer weiter nach einem passenden Motor um und wurden schließlich in Italien bei SWM fündig.

Der flüssigkeitsgekühlte Vierventil-Einzylinder mit 600 cm3 und 52 PS ist bestens geeignet für einen handlichen Café Racer. Ursprünglich stammt der Motor aus der Sportenduro Husqvarna TE 610, aktuell zu Zeiten, als die schwedische Marke noch zu BMW gehörte, allerdings bohrte SWM den Einzylinder um zwei Millimeter auf. Mac Motorcycles ist nicht die einzige englische Marke, die den Motor zu schätzen weiß, auch CCM Motorcycles verbaut ihn ihrer Spitfire.

Die Ruby verfügt über eine hydraulisch betätigte Kupplung und ein Sechsganggetriebe. Die beiden verchromten Auspufftöpfe gab Mac Motorcycles beim italienischen Hersteller QD in Auftrag. Den fünf Freunden war es wichtig, ihr Motorrad so einfach wie möglich zu halten. Eine Vollverkleidung oder elektronische Spielereien wollten sie auf keinen Fall. Sie designten die Ruby im Retro-Stil mit Höckersitzbank und tief sitzenden Lenkerstummeln.

Mac Motorcycles Ruby (9 Bilder)

Mit Clive Goodwin ist ein erfahrener Designer unter den fünf Gründern von Mac Motorcycles. Im Bild ein schon sehr weit gediehener Entwurf der Ruby.

Ganz besonders stolz sind sie auf den Stahlrohrrahmen mit zwei Unterzügen und der Dreiecksschwinge – alles Eigenbau. Das zentrale Rohr des Rahmens ist in einem Viertelkreis gebogen. Genau dieser Linie folgend formten sie auch den geschwungenen Tank. Für seine Produktion beauftragten sie die renommierte Firma Acerbis in Italien, die den zwölf Liter fassenden Tank exakt nach ihren Vorgaben fertigte. Der vordere Kotflügel und die Höckersitzbank bauten die im Basteln erfahrenen Freunde selber aus Glasfaserlaminat.

Die Upside-down-Gabel der Ruby stammt von Fastace aus Taiwan. Sie verfügt über 130 mm Federweg und ist sowohl in der Zug- als auch in der Druckstufe einstellbar. Hinten setzt Mac Motorcycles auf ein englisches Produkt und verbaut ein voll einstellbares Nitron-R1-Federbein. Um dem klassischen Gedanken gerecht zu werden, greifen die fünf Freunde zu Drahtspeichenrädern in 17 Zoll. Als Bereifung wählten sie die Dimension 120/70 ZR17 für das Vorderrad und 150/60 ZR17 für das Hinterrad. Damit verzichten sie bewusst auf die heute gängige Hinterradbreite von 180 mm zugunsten einer besseren Handlichkeit.

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Auch bei den Bremsen wollen sie keine Kompromisse eingehen und bauen eine radiale Vierkolben-Bremszange von Brembo und eine Bremsscheibe mit 320 mm Durchmesser ein. Die Höchstgeschwindigkeit verkündet Mac Motorcycle stolz mit 160 km/h. Das ist deshalb wichtig, weil Café Racer in den 1960er Jahren nur dann etwas galten, wenn sie die "magic ton" (100 Meilen pro Stunde = 161 km/h) erreichten.

Nachlauf und Lenkkopfwinkel der Ruby verrät Mac Motorcycle noch nicht, aber immerhin den Radstand: mit 1430 mm ist er guter Durchschnitt. Die Sitzhöhe wählen die Erbauer erstaunlich niedrig, der Fahrer hockt in nur 760 mm Höhe auf dem handgenähten Ledersitzkissen. Über das Gewicht können wir nur spekulieren, aber da der Motor nicht viel wiegt und die Erbauer der Ruby auf alles verzichten, was nicht unbedingt gebraucht wird, dürfte sie unterhalb von 180 kg bleiben.

Die Ruby soll Ende des Jahres in den Verkauf gehen, Vorbestellungen sind ab Herbst möglich, allerdings äußerst sich Mac Motorcycles noch nicht zum Preis. Eines aber ist sicher: Edel-Motorräder in kleinen Serien sind nie billig. Ob die Ruby irgendwann in die EU exportiert wird, ist fraglich, denn dafür müsste sie die Euro-5-Norm erfüllen und die hat der Motor bislang nicht – SWM nahm ihn deshalb bereits 2021 aus dem Programm.