Chip-Hersteller Micronas setzt auf Automobilsektor

Nachdem sich der Halbleiterhersteller aus dem Consumer-Markt zurückgezogen hat, soll eine neue Führungsspitze Micronas künftig im Automotive-Sektor etablieren.

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Der deutsch-schweizerische Halbleiterhersteller erhält mit Matthias Bopp (CEO) und Günter Hoppe (CFO) eine neue operative Führungsspitze für die Neuausrichtung von Micronas auf den Automotive-Sektor. Vor allem der 45-jährige Elektro-Ingenieur Bopp bringt umfassende Erfahrung im Chip-Geschäft für die Automobilbranche mit – zuletzt war er als Leiter des Geschäftsbereichs Radio Frequency und Automotive in Deutschland für den US-Chip-Hersteller Atmel tätig. Der bisher amtierende CEO Wolfgang Kalsbach und CFO Manfred Häner sollen wie angekündigt zurücktreten, sobald eine reibungslose Übergabe an das neue Management sichergestellt ist.

Nachdem die Halbleiterindustrie in den vergangenen Jahren insgesamt unter massivem Preisverfall zu leiden hatte, musste Micronas schon Ende 2007 die Consumer-Sparte – die überwiegend Chips für Unterhaltungselektronik produzierte – einer tief greifenden Restrukturierung unterziehen. Trotz Kostensenkung belastete ein massiver Umsatzeinbruch im vergangenen Jahr den Geschäftsbereich weiter. Anfang 2009 entschied die Unternehmensleitung, sich aus dem Consumer-Geschäft zurückzuziehen, um sich künftig gezielter auf den ertragreicheren Automotive-Sektor zu konzentrieren. In dem amerikanischen Hersteller Trident Microsystems fand Micronas unterdessen einen Interessenten, der zumindest Teile der ehemaligen Consumer-Sparte übernahm.

Die anhaltende Flaute in der Automobilbranche belastet den Hersteller mit Stammsitz in Zürich und Freiburg aber weiterhin massiv. Nachdem die Auslastung der Waferfabrik in Freiburg unter 50 Prozent gesackt war, führte die Firmenleitung für 750 der dort Beschäftigten Kurzarbeit ein. Das zweite Quartal 2009 schloss Micronas mit einem Umsatz von rund 64 Millionen Schweizer Franken ab – 20 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Vergleich des ersten Halbjahres gegenüber der gleichen Periode 2008 steht ein Umsatzminus von fast 55 Prozent auf 144,5 Millionen CHF zu Buche.

Im Zuge der Restrukturierung und des Teilverkaufs der Consumer-Sparte gelang es Micronas jedoch den Betriebsverlust zu reduzieren. Das EBIT im zweiten Quartal betrug 0,6 Millionen CHF – nach fast 159 Millionen in den ersten drei Monaten des Jahres. Im künftigen Kerngeschäft, dem Automotive-Segment, deutet sich unterdessen eine Negativentwicklung an: Nach einem Überschuss von rund 0,32 Millionen CHF im ersten Quartal rutsche das EBIT in dem Geschäftsbereich deutlich in die roten Zahlen, auf minus 6,9 Millionen CHF. (map)