Toyota steigt aus der Formel 1 aus
- Gernot Goppelt
Toyota macht nach acht sieglosen Jahren in der Formel 1 Schluss – ein Wiedersehen wird es wohl nicht mehr geben. "Wir haben realisiert, dass wir keine andere Wahl haben", sagte Präsident Akio Toyoda am Mittwoch in der Toyota- Zentrale in Tokio. "Wir steigen völlig aus der Formel 1 aus". Betroffen sind vor allem die rund 650 Beschäftigten in der deutschen Formel-1-Zentrale von Toyota. "Wir sind von der Nachricht total überrascht worden", sagte ein Beschäftigter vor Ort in Köln-Marsdorf: "Die Stimmung ist sehr gedrückt. Keiner weiß, wie es weitergeht."
Nach Honda und BMW nimmt somit der dritte Hersteller der Formel 1 den Hut. Am Montag hatte auch noch der Reifenhersteller Bridgestone sein Formel-1-Ende nach 2010 verkündet. Ein Nachfolger wird von der FIA mit ihrem neuen Präsidenten Jean Todt gesucht werden müssen. Angesichts der vier geplanten neuen Teams steht die Formel 1 aber (noch) nicht vor einem ganz großen Problem. Kann eines oder können sogar mehrere der Neulingen nicht antreten, wird es indes heikel.
Bei Toyota lagen Anspruch und Wirklichkeit praktisch von Beginn an eher weiter auseinander. Siege und auch der WM-Titel sollten her. 139 Rennteilnahmen reichten aber nicht. Zuletzt hatte Teamchef John Howett Kimi Räikkönen als möglichen Fahrer für 2010 genannt, einen Vertrag sei ihm vorgelegt worden. Der Ex-Ferrari-Mann und Weltmeister von 2007 erteilte Toyota öffentlich eine gehörige Abfuhr.
Toyotas totaler Rückzug umfasst auch das Engagement als Motorenlieferant. Williams, für das der deutsche Debütant Nico Hülkenberg 2010 Gas geben soll, hatte den Vertrag mit den Japanern nicht verlängert. Die Zeichen standen im Fahrerlager schon länger auf Abschied. Als die Crew am Sonntagabend in der Wüste die Koffer packte, standen ihnen Ungewissheit und Sorge ins Gesicht geschrieben. Sie waren abhängig von der Entscheidung aus Tokio. Und das für sie Schlimmste trat ein.
Trotz des Ausstiegs aus der Formel 1 will Toyota den Motorsport-Standort Köln nach Angaben der Stadt nicht aufgeben. Das habe Toyotas Motorsport-Präsident John Howett dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) in einem Telefonat versichert, teilte die Stadt mit. Demnach erklärte Howett, es sei derzeit nicht geplant, den Entwicklungsstandort Köln-Marsdorf aufzugeben oder zu verkaufen. Wie viele der 650 Arbeitsplätze endgültig wegfallen, sei noch unklar. (dpa)
(ggo)