Mercedes GLS: Ertüchtigung für die große SUV-Baureihe
Ein Mercedes-Benz GLS soll alles auf einmal können, inklusive Status und Prestige. Erste Modellpflege für das SUV mit der Sonderbegabung "Zugfahrzeug".
(Bild: Mercedes)
Die Mercedes GLS-Baureihe bietet Autos für Menschen, die ausreichend kompromissbereit sind, von einem Auto so gut wie alles auf einmal zu erwarten: komfortable Geräumigkeit für bis zu sieben Personen, Leistung im Überfluss, eine hohe Anhängelast mit entsprechender Allrad-Traktion und nicht zuletzt gediegenen Status. Ein Konzept, das alles können soll, funktioniert naturgemäß nur mit gegenseitigen funktionalen Abstrichen. Es bedeutet dadurch einen weiten Spagat nicht nur für die Kunden mit einer entsprechenden Kompromissbereitschaft, sondern auch für den Hersteller. Gelingt dieser, und das ist bei Mercedes klar der Fall, sind letzterem hohe Margen sicher: SUVs sind trotz ihrer konzeptbedingt unüberwindlichen Unzulänglichkeiten eine Bank für die Autoindustrie seit über 20 Jahren. Um sich die nötigen Premium-Kunden zu erhalten und in der Hoffnung, neue dazuzugewinnen, hat Mercedes seine GLS-Baureihe ein bisschen überarbeitet.
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Keine Plug-in-Hybridversion
Eine stärkere Elektrifizierung als die Mildhybridantriebe ist dabei nicht eingeschlossen, auch keine Plug-in-Hybridversion, die bei Mercedes als einem der wenigen Hersteller mit einer Schnellladefunktion glänzen. Angesichts der technischen Daten hätte die dazu nötige, große Batterie die Gewichtsgrenzen des Gesamtkonzepts wohl bei weitem überschritten.
Es bleibt bei einem Startergenerator zwischen Motor und Getriebe, der je nach Fahrsituation und Leistungsanforderung zu Lastpunktverschiebung, Segeln inklusive Wiederanlassen und Boosten eingesetzt wird. Der Verbrauch im WLTP reicht von acht Litern auf 100 km beim kleinsten Diesel-Modell bis hin zu 13,8 Litern Benzin beim kräftigsten Ottomotor.
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Ein paar Prozent kräftiger
Einige Motorisierungen werden mit der Modellpflege um ein paar Prozent kräftiger, was sich im Alltag wohl weniger bemerkbar machen dürfte als im Katalog, denn von solchen Drehmomentgebirgen benötigt man im normalen Verkehr ohnehin selten mehr als ihre sanften Vorhügel. Ganz besonders gilt das für das Modell Mercedes AMG GLS 63 4Matic+ mit 450 kW, der dank seines in der Kupplungsglocke eingebauten Starter-Generators bei vollem 48-Volt-Akku noch 16 kW drauflegt, was bescheidener klingt, als es tatsächlich ist: Diese Handvoll Mehrleistung geht einher mit 250 zusätzlichen Nm Drehmoment, die das Hybridsystem zu den bereits 850 Nm aus dem Verbrennungsmotor bereitstellt. Zur Einordnung: Die meisten Autofahrer sind heute (noch) völlig zufrieden mit Drehmomenten deutlich unterhalb 250 Nm unterwegs – insgesamt.
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Besser wankstabilisieren
Zu der Mehrleistung kommt Feinarbeit an der Luftfederung, die danach eine breitere Spreizung zwischen Komfort und Dynamik bieten und dabei noch besser wankstabilisieren soll. Dazu kommt eine um bis zu 30 Millimeter größere maximal mögliche Bodenfreiheit.
Ab Ende Oktober 2023 stehen die überarbeiteten Autos bei den europäischen Autohäusern, in den USA, wo die GLS die gefragtesten Mercedes-Modelle sind, bereits ab Mitte September. Preise nannte Mercedes noch nicht, das noch aktuelle GLS-Einstiegsmodell kostet mindestens 96.000 Euro.
(fpi)