Bill Gates: Produktivität steigt wie nie zuvor
Der Microsoft-GrĂĽnder zeigt sich fĂĽr die Zukunft der IT-Branche optimistisch.
Bill Gates ist schon seit geraumer Zeit ein gefragter Interviewpartner. Nach seiner Keynote auf der vergangenen Comdex hat das Interesse an ihm nicht nachgelassen, obwohl der Chief Software Architect von Microsoft darin keine weiteren großen Visionen vorzuweisen hatte. Vielmehr scheint es Klärungsbedarf um das Leitthema seiner Keynote zu geben, dem Seamless Computing. Nach dem Newsdienst Cnet hat nun auch eWeek Gates befragt.
Der Microsoft-Gründer sieht einen roten Faden, der sich durch seine Äußerungen der vergangenen zwanzig Jahre zieht: Er habe sein Leben dem schrankenlosen Computing gewidmet, sei es unter dem Motto "information at your fingertips" oder unter "digital nervous system". Die Menschen sollen ohne Schwierigkeiten an Informationen gelangen. Dafür müssten die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Programmen beseitigt werden. Microsoft denke dabei an jene Menschen, die lediglich ein Gerät nutzten und auf diesem sowohl produktiv sein als auch Spaß haben wollten.
Die Situation der IT-Branche sieht Gates optimistisch. Es seien Kosten gesunken, beispielsweise bei und durch Intel-Server, die mit Windows liefen. Die derzeitige Herausforderung bestehe in den internen und externen Personalkosten. Gates glaubt, dass die Produktivitätsrate derzeit in größerem Maße steige als jemals zuvor. Den Unternehmen rät er vor diesem Hintergrund, in Web Services zu investieren.
Weiter sieht Gates eine große Bedeutung für den Systems Management Server, der für automatische Software-Updates sorgt, sowie für den Internet Security and Acceleration Server, der für Sicherheit zuständig ist. Beide Systeme tragen zur Senkung operativer Kosten bei, meint Gates. Sein Unternehmen nutze neue Technologien auch intern, bestätigt er auf Anfrage.
Sicherheit genießt weiter höchste Priorität. Darin investiere Microsoft das meiste Geld und die meiste Arbeit. Die Bemühungen würden aber nicht erst in das für 2006 anvisierte nächste Windows einfließen, sondern zuvor schon Früchte tragen, beteuert Gates.
Die Vermutung, die RFID-Technik (Radio Frequency Identification) spiele in den Plänen Microsofts keine große Rolle, mochte Gates nicht bestätigen. Sein Unternehmen sei durch einige Tools in die Entwicklung des "Internet der Dinge" involviert. RFID passe in Microsofts Vorstellung von der Verfügbarkeit der Informationen.
Natürlich vergeht kaum ein Interview mit einer Microsoft-Größe, in der nicht nach der Bedeutung von Linux als Konkurrenz gefragt wird. So auch hier: Das alternative Betriebssystem sei hauptsächlich auf dem Server-Markt ein ernsthafter Gegner, wo es aber zunächst von Unix Marktanteile hinzugewinne, wiederholt er seine zuvor schon geäußerte Auffassung. Dagegen mochte ihm die Frage nach dem letzten guten Buch, das er gelesen hat, erfrischend vorgekommen sein. Es war Mountains Beyond Mountains des Pulitzer-Preisträgers Tracy Kidder. (anw)