Rollende Hundehütte

Seine Designer finden, dass der Nissan Cube einer Bulldogge mit Sonnenbrille ähnelt. Immerhin haben sie damit erreicht, mit einer völlig unwichtigen Idee für viel Aufmerksamkeit zu sorgen

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Von
  • Gregor Hebermehl
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Berlin, 15. Januar 2010 – Beim Design geht Nissan einen ähnlichen Weg wie Citroën mit dem C3 Picasso oder Kia mit dem Soul. Wie die französische und koreanische Konkurrenz setzt Nissan mit dem Cube auf eine Mischung aus hohem Nutzwert und peppigem Design, schließlich will man junge Leute locken. Wir haben den Roll-Mops im winterlichen Berlin gefahren.

Aufrecht steht der Cube im Wind: Außer der Frontscheibe ist fast alles an diesem Wagen vertikal ausgerichtet und selbst diese ist nur leicht geneigt – gut für den Ausblick. Die kurzen Überhänge lassen den Wagen kompakt wirken. Die abgerundeten Ecken der Seitenscheiben kontrastieren die eckige Grundform, erinnern irgendwie an die 70er, als solche Formen futuristisch wirkten oder einen Mini-Van, den es vielleicht hätte geben können. Damals waren Mikro- und Minivans noch nicht erfunden. Das Gesicht des Cube soll übrigens laut Nissan-Design-Jargon einer Bulldogge mit Sonnenbrille ähneln – zumindest haben die Designer damit erreicht, dass über ihre sie geschrieben wird.

Eigentlich gibt es den Cube schon seit 1998. Der Cube der ersten Generation war noch ein rechter Langweiler, der hierzulande wenig Chancen gehabt hätte. Die zweite Generation von 2002 zeigte bereits die Grundzüge des heutigen Designs. Die dritte Generation wurde nur sanft überarbeitet und war das erste Mal im November 2008 auf der L.A. Auto Show zu sehen. Jetzt hat die für unsere Augen ungewöhnliche Formgebung den Sprung nach Europa geschafft.

Wir haben das beim Daihatsu Materia erlebt und auch beim Kia Soul: außen hui, innen Hausmannskost. So erwarteten wir auch, im Cube von einer traurigen Hartplastik-Welt empfangen zu werden. Ganz so schlimm ist es nicht: Die Materialien wirken zwar in der Tat eher funktionell, aber sie wurden mit Pfiff in Form gebracht. Von drögem Langweiler-Grau werden wir beinahe vollständig verschont. Der Blick nach oben kommt ganz designfrei aus: Ein riesiges, nicht aufschiebbares Glasdach, gibt den Blick zum Himmel frei. Mit einem transparenten Schieber lässt sich die Sicht eintrüben, wer da gar nicht rausgucken will, schiebt die undurchsichtige Matte vor. Zudem lässt sich die Kabine beliebig mit allerlei Accessoires individualisieren. Ein kleiner Fransenteppich soll auf dem Armaturenbrett das Verrutschen von abgelegten Handys verhindern und an den Türgriffen sorgen orangerote Gummibänder für Farbtupfer. Auf Wunsch lassen sich die Sitze mit Plüsch-Braun beziehen, nicht wirklich stilsicher, aber in diesem Sinne fast wieder originell.