Vorstellung BMW M 1000 XR: Aufrecht stĂĽrmen

BMW kombiniert einen Sporttourer, auf dem der Fahrer aufrecht sitzt, mit einem besonders kräftigen Antrieb unter dem Label der M GmbH.

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BMW M 1000 XR

(Bild: BMW)

Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Ingo Gach
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BMW präsentiert mit der M 1000 XR das dritte Modell, das von der M GmbH aufgebaut wurde. Auch der hochbeinige Sporttourer verfügt über den 210-PS-Reihenvierzylinder aus dem Superbike. Die M 1000 XR wird damit zum stärksten Sporttourer auf dem Markt. Das neue Modell soll nächstes Jahr in den Verkauf gehen.

Ein Sporttourer mit 210 PS von BMW: Ausgerechnet die Münchner Marke, deren Motorradsparte jahrzehntelang Zurückhaltung bei Motorleistung und Design predigte, ist inzwischen zum PS-Fetischisten mutiert. In dem Superbike M 1000 RR mögen 212 PS für den Einsatz auf der Rennstrecke (es dient als Homologationsmodell für die Superbike-WM) sinnvoll sein, vielleicht lassen sich die 210 PS für das Naked Bike M 1000 R noch irgendwie rechtfertigen, aber in einem Sporttourer scheinen sie dann doch übertrieben zu sein. Die Serienversion S 1000 XR ist mit 165 PS und 255 km/h schon sehr schnell unterwegs, und vermutlich hat sich bei ihr noch nie ein Käufer über Leistungsmangel beschwert.

BMW gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 280 km/h an. Mit aufrecht sitzendem Fahrer.

(Bild: BMW)

Offensichtlich ist es BMW sehr wichtig, dass die Welt jetzt schon von der M 1000 XR erfährt, obwohl sie erst nächstes Jahr auf den Markt kommen soll. Dafür wählte die Münchner Marke einen geschichtsträchtigen Ort: Während der TT Isle of Man Ende Mai scheuchte der zehnfache TT-Sieger Peter Hickman die M 1000 XR vor Tausenden von Zuschauern eine Runde über den legendären Kurs. Auch wenn von einem Prototyp die Rede war, schien das schwarz lackierte Motorrad schon in einem sehr seriennahen Zustand zu sein. Unmittelbar danach veröffentlichte BMW ein Video der M 1000 XR und auf der Homepage ein teilweise verhülltes Motorrad mit dem Slogan "Born to lead". Zudem wurden die Fans mit ein paar Fotos des Prototyps gefüttert, bei dem nicht sicher ist, was sich bis zum Produktionsstart noch ändern wird.

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Was aber treibt BMW zur M 1000 XR? Hier geht es um Prestige, die Marke will den Ruf des Konservativen endgültig abschütteln. Die Konkurrenz hat bei den Sporttourer mit 170 PS (Ducati Multistrada V4), 175 PS (KTM 1290 Super Duke GT) und 200 PS (Kawasaki Ninja H2 SX) vorgelegt. BMW will nun demonstrieren, wozu sie in der Lage sind und spricht von einem "Langstrecken-Sportmotorrad". Dabei erscheint die XR immer noch hochbeinig, wie eine Reiseenduro mit 17-Zoll-Rädern. Bereits vor zwei Jahren entstand die M 1000 RR auf Basis der S 1000 RR mit einem Reihenvierzylinder, der 212 PS bei 14.500/min leistete und eine Maximaldrehzahl von 15.100 Touren erreichte. Die Verdichtung stieg von 12,5:1 auf 13,3:1 und es kamen Titanpleuel zum Einsatz. Dank des Shift Cams (variable Einlassnockenwelle) bot der Motor zudem einen guten Durchzug und erreichte 113 Nm bei 11.100/min, aber schon ab 5500/min standen permanent über 100 Nm zur Verfügung.

Der Motor der M 1000 XR stammt aus der M 1000 RR, leistet im Sporttourer allerdings zwei PS weniger. Wobei 210 PS immer noch exorbitant stark ist.

(Bild: BMW)

Die Höchstleistung der M 1000 XR wurde zwar wie schon bei dem Naked Bike M 1000 R um zwei PS auf deren 210 zurückgenommen, die auch schon etwas früher bei 13.750/min anliegen, aber der Sporttourer rennt laut BMW 280 km/h mit einem aufrecht sitzenden Fahrer hinter dem steil aufragenden Windschild. Wenn dann noch die optionalen Koffer installiert sind, dürfte das die ultimative Demütigung für alle Sportmotorräder sein, die von der M 1000 XR überholt werden.

BMW beließ es aber nicht beim leistungsgesteigerten Motor, sondern speckte den Sporttourer noch um drei Kilogramm auf 223 kg ab. Das erreichten die Entwickler hauptsächlich durch den Einsatz einer Lithium-Ionen-Batterie und einigen Kohlefaserlaminat-Teilen. Den Fotos nach zu urteilen, bestehen mindestens die Verkleidung und der Vorderradkotflügel aus dem leichten Material. Auf den Fotos sind der hintere Spritzschutz, Fersenschutz, Kettenschutz und sogar die Räder ebenfalls aus Kohlefaserlaminat, waren aber bei den bisherigen M-Modellen als "Carbon-Paket" aufpreispflichtig.

Die S 1000 XR gilt schon als sehr kräftiger Sporttourer, doch die M 1000 XR wird sie in jeder Hinsicht überflügeln. BMW bezeichnet sie als „Langstrecken-Sportler“.

(Bild: BMW)

Neu sind die Winglets an der Verkleidung, wie sie seit geraumer Zeit bei den Superbikes Mode sind. Sie erhöhen den Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten. Der getönte Windschild ist niedriger als bei S 1000 XR, aber höhenverstellbar. Die blau eloxierten Bremszangen an der M 1000 XR stammen von Nissin, auch wenn BMW draufsteht. Zum guten Ton bei teuren Motorrädern gehört der Akrapovic-Auspuff, vermutlich besteht er aus Titan.

Ob es bei dem Fahrwerk des Prototyps bleibt oder die M 1000 XR in Serie ein semi-aktives Fahrwerk bekommt, wird sich nächstes Jahr rausstellen.

(Bild: BMW)

Beim Fahrwerk vertraut die M GmbH offensichtlich auf das Serienpendant mit einem Aluminium-Brückenrahmen. Die Upside-down-Gabel des Prototyps stammt von Marzocchi und bietet, ebenso wie das Federbein, 150 mm Federweg. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass die M 1000 XR nächstes Jahr ein semi-aktives Fahrwerk bekommt. Ob es bei Lenkerendenspiegel bleibt, ist ebenfalls noch offen. Den Preis hat BMW natürlich noch nicht verraten, aber da die S 1000 XR zurzeit 18.650 Euro kostet und für die M 1000 R 22.600 Euro aufgerufen werden, dürfte die M 1000 XR irgendwo bei 25.000 Euro landen.

Sind 210 PS in einem Sporttourer sinnvoll? Nein, absolut nicht! Die M 1000 XR zielt auf einen kleinen, aber finanzkräftigen Käuferkreis ab, der höchstexklusiv auf Tour gehen will, aber ebenso auf der Rennstrecke eine überdurchschnittliche Performance erwartet. Sicher eine ungewöhnliche Kombination, aber das Zauberwort M GmbH könnte auch bei der M 1000 XR ziehen.

(mfz)