Ford-Chef Bernhard Mattes im Interview

Ford hat sich in der Krise gut geschlagen. Bernhard Mattes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke-GmbH, verrät anlässlich der Automesse AMI 2010 in Leipzig Details zur Zukunft der Marke

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  • Gregor Hebermehl
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Leipzig, 16. April 2010 – Ford hat sich im vergangenen Jahr recht gut im Markt behauptet. Für die näherer Zukunft sind einige neue Modelle geplant, dazu auch Elektroautos und Hybride. Wir haben Ford-Chef Bernhard Mattes dazu befragt.

Herr Mattes, Ford war 2009 in Deutschland und Europa recht erfolgreich, Platz drei in Deutschland, Platz zwei europaweit, was den Marktanteil betrifft. Sicherlich spielte dabei auch die Abwrackprämie eine Rolle. 2010 hat für die Autobranche nicht ganz so gut angefangen, wie sehen Sie sich für dieses Jahr aufgestellt?

Ford-Chef Bernhard Mattes im Interview (12 Bilder)

"Wir werden bis 2013 zwei Vollhybride und einen Plug-in-Hybriden in Europa auf den Markt bringen": Ford-Chef Bernhard Mattes zur Zukunft der Marke

Bernhard Mattes: Wir haben im ersten Quartal 2010 in unseren Kernmärkten in Europa 9,1 Prozent mehr Volumen verkauft, damit konnten wir unsere Kapazitäten gut auslasten. In Deutschland haben wir im ersten Quartal 7 Prozent Marktanteil erzielt. Damit liegen wir im Rahmen der Erwartungen. Für Deutschland haben wir nach Auslaufen der Abwrackprämie einen Rückgang der Nachfrage erwartet. Dennoch: Wir konnten unsere Position dank unserer guten und neuen Produkte halten. Im Vergleich zu einem eher normalen Jahr 2008 sind wir 2010 sowohl volumenmäßig als auch vom Marktanteil her besser unterwegs.

Wie unterscheiden sich bei Ford Privat- und Geschäftskunden-Markt?

Auf den Märkten, in denen es 2009 staatliche Anreize zum Autokauf für Privatkunden gab, wurden diese Anreize auch genutzt. So ist in Deutschland bei Ford der Privatkundenanteil von 40 auf 60 Prozent gestiegen. Jetzt geht die Privatnachfrage zurück. Allerdings liegen wir in den ersten beiden Monaten des Jahres 2010 auf Platz zwei im Privatkunden-Segment. Wir rechnen im Verlauf des Jahres mit einer Zunahme der gewerblichen Nachfrage. Diese war zu Beginn des Jahres noch verhalten. Aus der Zunahme von Anfragen sehen wir aber, dass mit einer Beruhigung der Krise die gewerbliche Nachfrage wieder anzieht. Bei leichten und mittleren Nutzfahrzeugen haben wir schon jetzt ein gutes Geschäft, was ein Indiz dafür ist, dass sich das Gewerbe wieder etwas erholt.

Opel geht es nicht gut, die Rüsselsheimer brauchen wahrscheinlich weitere staatliche Hilfen. Ford hat die Krise alleine gemeistert. Was halten Sie von einer möglichen weiteren Unterstützung für Opel?

Wir haben unser Unternehmen seit dem Jahr 2000 komplett restrukturiert und die Produktivität gesteigert. Das Produkt-Portfolio haben wir kontinuierlich erweitert und das Unternehmen weltweit neu ausgerichtet. Das alles wurde mit eigenen Mitteln finanziert. Deshalb sage ich sehr deutlich: Einseitige staatliche Hilfen, die zu Wettbewerbsverzerrungen führen, sind für uns nicht akzeptabel.