Fotojahr 2025: Wie sich die Fotografie weiterentwickelt – ohne radikalen Umbruch

Seite 2: Kameras

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Canon und Sony hatten ihre Neuerungen im Profibereich, die EOS R1 und die Alpha 1 II, bereits Ende 2024 vorgestellt. Panasonic erschien mit der runderneuerten S1R II etwas später, nämlich Anfang 2025.

Danach war 2025 das Jahr der Modelle aus der zweiten Reihe – und das ist nicht despektierlich gemeint. Canon stellte die R6 III vor, Nikon brachte die Z5 II auf den Markt. Sony ließ sich bis zum Jahresende Zeit, um die Alpha 7 V zu präsentieren. So viele römische Zahlen deuten auf Modellpflege hin, nicht auf spektakuläre Neuvorstellungen. Das ist angesichts der Leistungsfähigkeit der beliebten Vorgängermodelle jedoch kein Nachteil, zumal die Hersteller ihre Aufgabe ernst genommen haben. Im hart umkämpften Segment der Vollformat-Sensoren mit moderater Auflösung (24 oder 33 Megapixel) können die runderneuerten Mittelklasse-Modelle jetzt fast alles, was früher den Profi-Boliden vorbehalten war: Schnelle Bildprozessoren sorgen für eine zügige Datenverarbeitung und hohe Serienbildraten.

Beim Autofokus hilft inzwischen überall KI mit. Dank immer besserer Ausstattung, erweiterter Konfigurierbarkeit und weiterentwickelter Video-Fähigkeiten dürften die ausgereiften neuen Modelle für viele Fotografinnen und Fotografen ausgesprochen interessant sein. Mit Ausnahme der Z5 II, Nikons günstigstem Vollformatmodell für 1.900 Euro, spielen die Neuen allerdings auch in der Preisklasse um oder knapp unter 3.000 Euro allein fürs Gehäuse.

Auch anderswo standen die Zeichen auf Evolution: OM System lieferte mit der OM-5 II eine behutsame Weiterentwicklung in der MFT-Mittelklasse und schob mit der OM-3 eine Variante knapp unterhalb des Topmodels OM-1 II nach, die an das geradlinige Design analoger OM-Modelle erinnert – Retro ist nach wie vor in. Fujifilm stellte die dritte Generation des Einsteigermodells X-T30 vor. Höhere Wellen schlug die Einführung der X-E5, schnell als „X100 VI mit Wechselobjektiv“ betitelt. Das Gehäuse kostet rund 1.500 Euro, bringt ein eigenes Wahlrad für Filmsimulationen mit und hat endlich den von Fotografen lange geforderten Bildstabilisator an Bord.

Sony präsentiert die fünfte Generation seiner Alpha-7-Serie mit einem partiell gestapelten Sensor, integrierten KI-Prozessor und schnellerem Serienbild.

(Bild: heise medien)

Es lebe die Kompaktkamera! Jahrelang sah es so aus, als sei das Smartphone der legitime Nachfolger von Kameras mit fest verbautem Objektiv, die in Hemd-, Hosen- und Jackentaschen Platz finden – zumindest aus Sicht vieler Kamerahersteller, die immer weniger Interesse an fotografischem „Kleinzeug” zeigten. Dabei macht Fujifilm mit der X100-Reihe schon seit 2010 (!) vor, wie ein erfolgreiches Rezept für digitale Kompaktkameras aussehen kann: Durchdachte Edelkompakte, begrenzte Produktionskapazitäten und gezieltes Marketing ergeben einen Verkaufsschlager, der inzwischen in sechster Auflage erscheint.

Spätestens seit dem Hype um die fünfte Generation der X100 muss auch den Mitbewerbern, die sich auf spiegellose APS-C- und Vollformat-Systemkameras fokussieren, klar geworden sein, dass es möglicherweise ein Fehler war, die Kompaktkamera abzuschreiben. Zu hartnäckig hielten sich faszinierende Exoten wie Ricohs GR, die eine treue Fangemeinde hat. Mitte 2025 schickte der Hersteller die vierte Generation der Street- und Reisekamera ins Rennen und kündigte die Entwicklung einer Schwarz-Weiß-Version mit monochromem Bildsensor sowie einer Variante mit eingebautem Diffusionsfilter für weiche Lichteffekte an.

Aber zurück zu den Platzhirschen: Überraschenderweise gab es 2025 dann doch wieder Kompakte aus den Häusern Canon und Nikon. Die jeweils etwa 1.000 Euro teuren Kameras verfolgten unterschiedliche Ansätze. Canon nahm mit der PowerShot V1 Vlogger und Content Creators ins Visier. Die sucherlose 4K-Kamera mit 1,4-Zoll-Sensor (Crop-Faktor 2), fest verbautem 16–50-mm-Zoom und aktivem Kühlsystem ist stark auf Video ausgerichtet. Nikon stellte hingegen mit der P1100 eine Nachfolgerin der Superzoom-Kamera P1000 vor. Die Monster-Bridgekamera, die dank des Brennweitenbereichs von 24 bis 3000 mm und des Motivprogramms für Mondaufnahmen legendär wurde, scheint technisch weitgehend eine Wiedergängerin unter leicht verändertem Namen zu sein. Zu den auffälligsten Neuerungen zählt der nunmehr in der EU verpflichtende USB-C-Anschluss zum Laden. Sensor und sonstige Innereien entsprechen offenbar weitgehend denen der 2018 vorgestellten P1000. Schade drum – dieser kompakte Wiederbelebungsversuch wirkt dann doch sehr zaghaft.

Auch mit der GR IV bleibt Ricoh ihrem Designkonzept treu. Seit der Einführung der GR DIGITAL im Jahr 2005 hat sich an diesem nur wenig geändert.

(Bild: Ricoh Imaging Europe)

Die Luxusabteilung in Sachen mehr oder minder kompakte Kompetenz leistet sich ohnehin schon seit Jahren eine eigene Meinung zu dem Thema, aber Sonys RX1R-Reihe und Leicas Q-Portfolio sind beim besten Willen keine Jackentaschen-Kameras für (fast) jeden. Sony brachte Mitte des Jahres mit der RX1R III (4.900 Euro) etwas überraschend die dritte Generation der Vollformat-Kompakten auf den Markt und spendierte ihr einen 61-Megapixel-Sensor samt neuem Autofokus-System und einen neuen Bildprozessor. Auf Klappdisplay und Sensorstabilisierung muss man allerdings verzichten. Leica stellte im Herbst die Q3 Monochrom vor. Die 6.750 Euro teure Nachfolgerin der beliebten Q2 Monochrom ist eine puristische Schwarzweiß-Kamera, die bewusst auf die Erfassung von Farbinformationen verzichtet – ein Spezialfall für Enthusiasten, aber genau das war Leica im besten Sinne ja eigentlich schon immer.

Fujifilm seinerseits sorgte mit der GFX100RF für Aufsehen: In der tatsächlich ziemlich kompakten Kamera, die aussieht wie eine dezent in die Höhe gezogene X100VI, steckt ein 102-Megapixel-Mittelformatsensor. Das fest verbaute 35-mm-Objektiv (Kleinbild-Äquivalent: 28 mm) hat f/4 als Offenblende; sowohl auf eine höhere Lichtstärke als auch einen integrierten Bildstabilisator muss man mit Blick auf Gewicht und Größe verzichten. Dafür bekommt man reisetaugliche Mittelformat-Bildqualität, die sich mit 5.500 Euro preislich zwischen Sony und Leica einsortiert.

Das Gehäuse der RX1R III besteht aus einer Magnesiumlegierung und setzt auf ein minimalistisches Design.

(Bild: Sony)

Bleiben wir noch kurz beim digitalen Mittelformat: Hasselblad präsentierte Mitte des Jahres die hochauflösende Kamera X2D 100C (7.200 Euro). Sie verfügt über einen kontinuierlichen Autofokus mit Motiverkennung und dürfte damit eine ernstzunehmende Konkurrentin für Fujifilms 100-Megapixel-Flaggschiff GFX 100 II (8.000 Euro) darstellen. Die Hasselblad punktet mit erweiterten HDR-Fähigkeiten und einer neu entwickelten Bildstabilisierung. Einen Videomodus hat sie jedoch nicht. Interessant ist, dass die Hasselblad 1.500 Euro weniger kostet als das Vorgängermodell X1D II 50C, obwohl die Preise für Kameras sonst praktisch überall nur eine Richtung kennen. Dies ist womöglich eine Kampfansage, auch mit Blick auf das günstigere Fujifilm-Modell GFX 100S II (5.500 Euro).

Die Mittelformat-Spiegellose X2D II 100C mit dem neuen Zoomobjektiv XCD 35-100E.

(Bild: Hasselblad)

Unter dem Titel „Zeugin eines Jahrhunderts“ feierte Leica im Jahr 2025 seinen 100. Geburtstag. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse im Jahr 1925 hatte das Unternehmen die erste in Serie gefertigte Kleinbildkamera der Welt, die Leica I, vorgestellt.

Wie es sich für eine hundertjährige Zeit- und Weltreisende gehört, gab es Feiern und Events, Ausstellungen und Workshops nicht nur im Rahmen einer Jubiläumswoche in Wetzlar, sondern auch in Dubai, Mailand, New York, Shanghai und Tokio – einschließlich streng limitierter Sondermodelle, versteht sich. Und weil Leica nicht nur Fotografen, sondern auch Sammler im Blick hat, gehörten dazu Kameras und Ferngläser, Steiff-Teddybären – zwei davon hießen konsequent „Sammlerbären“ –, Schreibgeräte, Bastel-Sets, Schlüsselanhänger, Manschettenknöpfe und eine Einkaufstasche.

Was die wenigsten erwartet hatten: Zum 100-jährigen Firmenjubiläum beschenkte Leica sich selbst und die Fotowelt mit dem „Monopan 50“, einem Schwarz-Weiß-Film mit sehr feinem Korn und superpanchromatischer Sensibilisierung. Er soll mit seinem charakteristischen Look an die Anfänge der Kleinbildfotografie erinnern. Dank seiner niedrigen Empfindlichkeit ermöglicht er es auch bei hellen Lichtverhältnissen, mit lichtstarken Objektiven wie Noctilux, Summilux oder Summicron offenblendig zu fotografieren und das Bokeh dieser Linsen zu betonen. Der Film wird nach Angaben von Leica in Deutschland produziert und kostet 12 Euro. Da Leica vermutlich nicht selbst unter die Filmproduzenten gegangen ist, zerbrechen sich manche im Netz seitdem den Kopf, um welche Film-Basis es sich handeln könnte (manches deutet auf Adox HR-50 hin). Andere freuen sich einfach über das Bekenntnis von Leica zur Analogfotografie im Digitalzeitalter: „Wenn ein Film so viel diskutiert wird, zeigt das auch, dass er etwas bewegt. Und das ist am Ende gut für die analoge Szene“, schreibt ein Nutzer in einem Analogfoto-Forum.

Mit dem Retrodesign der Verpackung möchte das Traditionsunternehmen an die Anfänge der Kleinbildfotografie erinnern.

(Bild: Leica)

Und ja, es gab auch neue Kameras im Jahr 2025. Deutlich kontroverser als die modellgepflegte Q3 Monochrom (siehe oben) wurde jedoch ein anderes Modell diskutiert. Im Oktober stellte Leica die M EV1 vor, die erste M-Kamera mit einem integrierten elektronischen Sucher, der den traditionellen Messsucher ersetzt. Das war ein Paradigmenwechsel: Der Sucher der Leica M EV1 zeigt das Bild genau so an, wie es beim Auslösen aussehen wird – abhängig von Objektiv, Brennweite oder gewählter Blende. Sofort kochten die Debatten hoch: Darf eine Kamera ohne Messsucher überhaupt M heißen, auch wenn sie technisch auf der M11 basiert? Was hat sich Leica dabei nur gedacht?

Wenn man die Meinungsverschiedenheiten zur Namensgebung einmal ausblendet, dann offenbart sich eine ganze Menge: Die M-EV1 soll den Einstieg in die Welt der M-Fotografie vereinfachen und „allen, unabhängig von ihrer Sehstärke“, eine „zuverlässige und komfortable Fokussierung“ ermöglichen. So steht es in der offiziellen Pressemitteilung. Sprich: Leica möchte neue Zielgruppen erreichen, denen der Umgang mit dem bisherigen Messsucher zu schwierig war – die traditionellen M-Kameras bleiben natürlich weiterhin im Programm. Leica hat auch ein Herz für all jene, bei denen die Augen nicht mehr so mitmachen, dass der Umgang mit dem Messsucher leichtfällt: Mit dem elektronischen Sucher für die M erfülle Leica „einen häufig geäußerten Kundenwunsch“. Ein gut gefülltes Konto erleichtert den Kauf, denn das Gehäuse kostet knapp 8.000 Euro.

Wo wir gerade bei Preisen sind: Im November wurde bei einer Auktion in Wien eine Leica M-A von Papst Franziskus (1936–2025) für die Rekordsumme von 6,5 Millionen Euro versteigert. Die Kamera trug die päpstlichen Insignien und die markante Seriennummer 5000000. Der Erlös – ein Vielfaches des Schätzpreises von 60.000 bis 70.000 Euro – kommt der Wohltätigkeitsorganisation des Papstes zugute.

Die Leica M EV1 ist klein, leicht und minimalistisch. Das ISO-Wahlrad der M11 musste aus PlatzgrĂĽnden weichen.

(Bild: Leica)