Fotojahr 2025: Wie sich die Fotografie weiterentwickelt – ohne radikalen Umbruch
Seite 3: Video und andere Spielereien
ZR: Nikons gelungene Video-Premiere
Anderthalb Jahre nach der Übernahme des Filmkamera-Herstellers RED präsentierte Nikon im September 2025 seine erste Videokamera ZR. Und wenn man sich umhört, hat Nikon mit der ZR ziemlich viel richtig gemacht, vor allem zum Preis von 2.350 Euro. Das handliche Video-Kraftpaket bringt einen 6K-Sensor, ein bewegliches helles Display und interne 32-Bit-Float-Audioaufnahme mit. 12-Bit-Aufzeichnung ist in gleich drei RAW-Formaten möglich. Für cineastische Farbgebung lassen sich die RED-LUTs und -Presets einbinden. Auch für Fotografen ist die ZR von Interesse, selbst wenn Nikon sie als „All-in-One-Kinokamera“ bewirbt: Wer auf Sucher und mechanischen Verschluss verzichten kann, bekommt eine kompakte Alternative zur Z6 III, von der die ZR viel übernimmt, zum Beispiel den teilweise gestapelten 24-MP-Vollformatsensor und den Hybrid-Autofokus.
Passend dazu stellte Nikon das Cine-Objektiv Nikkor Z 28-135 mm F4 PZ vor. Nikons erstes professionelles Video-Objektiv fĂĽrs Z-Bajonett ist 8K-tauglich, bietet elf verschiedene Zoomgeschwindigkeiten, Fernsteuerung und Schutz gegen Feuchtigkeit und Staub.
(Bild:Â Nikon)
Die verspielte Seite des Fotografierens
Bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und Zielgruppen geraten Kamerahersteller mitunter ins Spielen. Die aus diesem Spieltrieb – und der Hoffnung, dass das Ergebnis viral geht – entstehenden Produkte überzeugen zwar nicht immer, bieten aber reichlich Diskussionsstoff. Sagen wir es so: Das Jahr 2025 war ein gutes Jahr für kreative Kamerakonzepte.
Als Fujifilm die X-Half mit Hochformat-Sensor vorstellte, ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Sie deckten das gesamte Spektrum zwischen „Spielzeug” und „Geniestreich” ab. Inspiriert von analogen Halbformatkameras hat Fuji eine eigenwillige Retro-Kamera kreiert, die sich für Social Media eignet. Ein-Zoll-Sensor, Festbrennweite mit 32 mm Kleinbildäquivalent und rückwärtiges Hochformat-Display sind die digitalen Anteile der „halben X“. Im Filmkamera-Modus wird der optische Sucher genutzt und für das nächste Bild muss der Transporthebel gespannt werden. Das kann man als liebevolle Referenz betrachten oder als vollkommen daneben, aber möglicherweise ist die Hybride aus Nostalgie und Zeitgeist das nächste große Ding. Zum Sichten, Bearbeiten und Teilen der Aufnahmen schickt man diese per App ans Smartphone. Filmsimulationen und Kreativfilter laden zum Spielen ein – dieser Ansatz ist das Pfund, mit dem die X-Half am meisten wuchern kann. Dem Preis von 670 Euro fehlt allerdings jede spielerische Leichtigkeit.
(Bild:Â Christine Bruns)
Comeback des Filmtransporthebels
Auch die Yashica FX-D verfügt über einen Filmtransporthebel. Dort muss man ihn vor jedem Bild bedienen, nicht um den Film weiterzuspulen, sondern um gewissermaßen zwangsweise innezuhalten vor der Aufnahme. Das soll dem bewussteren Fotografieren zugutekommen. Die im Mai 2025 vorgestellte Digitalkamera war einst ein Kickstarter-Projekt und ist inzwischen in mehreren Versionen erhältlich. In einem Retro-Gehäuse mit – genau – Filmtransporthebel stecken vergleichsweise kleine Sensoren mit (zu) hoher Auflösung. „So deplatziert wie ein Benzinkanister im Elektroauto“, ätzte ein Rezensent. Die Anleihen ans klassische Design gehen so weit, dass es zwar einen Sucher-Buckel gibt, hinter dem sich aber nur beim Topmodell FX-D S300 ein Sucher verbirgt. Sonst erfolgt die Bildgestaltung über das Rückdisplay. Sechs Filmsimulationen liefern fertige Looks. Passend dazu steckt hinter dem Markennamen Yashica mittlerweile ein Unternehmen aus Hongkong, das nichts mehr mit dem traditionsreichen japanischen Kamerahersteller zu tun hat.
Fujifilm bewies 2025 mit der Instax 41 (120 Euro), dass Sofortbildkameras nicht zwingend hässlich, klobig und plastpastellig sein müssen, sondern durchaus elegant sein können. Das klassische Design der neuen Kamera ist in den Farben Schwarz und Grau mit orangefarbenen Akzenten erhältlich. Im Inneren des Metallgehäuses verrichtet weitgehend bekannte Technik ihren Dienst.
(Bild:Â Fujifilm Instax)
Verrückt, aber schön
Mit einer gewagten Vollformat-Interpretation sorgte Sigma für Aufsehen. Das minimalistische Gehäuse des Kameramodells BF ist aus einem Aluminiumblock gefräst und verfügt lediglich über die nötigsten Bedienelemente (Auslöser, drei Tasten, ein Wahlrad). Auf einen mechanischen Verschluss, einen internen Bildstabilisator und einen optischen Sucher müssen Nutzer verzichten. Angesichts der Fülle lichtstarker Objektive, die sich ans L-Bajonett setzen lassen, dürfte die Fokussierung über das fest verbaute Touch-Display nicht jeden zufriedenstellen. Anstelle einer Speicherkarte verfügt die BF über 230 Gigabyte internen Speicher und als einzigen Anschluss einen USB-C-Port. 24 Megapixel auf einem Vollformatsensor versprechen eine gute Bildqualität.
Aufgrund der aufwändigen Fertigung kann Sigma aktuell maximal neun BF-Gehäuse pro Tag herstellen, weshalb der Preis von gut 2.300 Euro erstaunlich moderat erscheint. Bleibt die Frage nach der Modellbezeichnung: Die Abkürzung „BF” steht für „beautiful foolishness” (zu Deutsch etwa: „verrückt, aber schön”) und ist ein Verweis auf eine Passage im Buch „The Book of Tea” des japanischen Autors Okakura Kakuzō aus dem Jahr 1906. In diesem Werk diskutiert er Themen wie Zen und Taoismus, aber auch die Bedeutung der Teezeremonie für die japanische Gesellschaft.
(Bild:Â Sigma)